«Ein mulmiges Gefühl bleibt»

Von Michael Ulmann
Ein Voralpen-Express fährt über das Sitterviadukt in St.Gallen.
Ein Voralpen-Express fährt über das Sitterviadukt in St.Gallen. © SOB
Die Schweizerische Südostbahn (SOB) möchte auf der Voralpen-Express-Strecke zwischen St.Gallen und Luzern selbstfahrende Züge testen, also Züge ohne Lokführer. Schon in zwei bis drei Jahren soll dies der Fall sein. Bahn-Verbände und -Gewerkschaften sind skeptisch.

«Es ist eine Vorstellung, die einem nicht ganz geheuer vorkommt und ein mulmiges Gefühl auslöst», sagt Kurt Schreiber, Präsident des Interessensverbandes Pro Bahn Schweiz, auf die Frage, was er von selbstfahrenden Zügen hält. Ähnlich tönt es bei der Umfrage von FM1Today. Auf die Frage, ob man in einen selbstfahrenden Zug einsteigen würde, antworten die meisten User, dass sie die Verantwortung über ihr Leben niemals einer Maschine übergeben würden.

Der Vergleich mit dem Flugzeug

Kurt Schreiber ist allerdings nicht nur skeptisch und zurückhaltend. «Irgendwie löst die Vorstellung von selbstfahrenden Zügen bei mir auch Begeisterung aus. Dies wegen dem technischen Fortschritt, den man nicht stoppen soll, der sich aber auch nicht aufhalten lässt.» Der Präsident von Pro Bahn zieht in diesem Zusammenhang Parallelen zum Flugzeug. «Dort braucht es den Piloten noch zum Starten und zum Landen, danach kommt aber der Autopilot zum Einsatz. Den Piloten braucht es deswegen aber immer noch. Ähnliches kann ich mir in Zukunft für den Lokführer-Beruf vorstellen.» Klar sei aber, dass über allem die Sicherheit stehen müsse. Diese müsse gewährleistet sein, damit Passagiere selbstfahrende Züge akzeptieren würden, so Schreiber weiter.

«Zugpersonal ist wichtig»

Für Felix Birchler, Regionalsekretär Ostschweiz bei der Gewerkschaft des Verkehrspersonals SEV, ist die Akzeptanz für selbstfahrende Züge bei der Bevölkerung zurzeit noch nicht vorhanden. Dies zeige beispielsweise die Zug-Attacke von Salez. Dieser Anschlag veranschauliche deutlich, wie wichtig das Zugpersonal sei, sagt Birchler. Denn viele Leute seien froh, wenn Bahnpersonal anwesend ist, um Hilfe zu leisten oder einfach eine Auskunft zu geben. «Unter dem Strich bedeuten selbstfahrende Züge deshalb auch einen Service- und Stellenabbau. Und viele Bahnreisende wollen dies -noch- nicht hinnehmen».

Geheimniskrämerei um Teststrecke

Auf welchen Streckenabschnitten zwischen St.Gallen und Luzern die selbstfahrenden Züge getestet werden, möchte SOB-Chef Thomas Küchler noch nicht verraten. Auch Kurt Schreiber von Pro Bahn weiss das nicht. Er geht davon aus, dass dafür sicher nicht die Abschnitte Herisau – Wattwil und Pfäffikon – Arth-Goldau in Frage kommen. Dies weil es dort unter anderem steile Rampen gibt. So oder so scheint klar, bis Züge ohne Lokführer auf Schweizer Schienen unterwegs sind, ist noch viel Überzeugungskraft und Arbeit nötig.

Die Voralpen-Express-Strecke, gezeigt auf einem Tischli in einem Voralpen-Express. Bild: Facebook / SOB


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