“Ein Nein wäre ein Armutszeugnis”

Von Leila Akbarzada
Visualisierung des Konzepts für die Expo2027, hier ein Standort am Bodensee.
Visualisierung des Konzepts für die Expo2027, hier ein Standort am Bodensee. © Hosoya Schaefer Architects/Plinio Bachmann/Studio Vulkan
Am 5. Juni entscheiden die Kantone Thurgau und St.Gallen über die Planungskredite der Expo2027. Die prominenten Befürworter erhoffen sich einen Ausbruch aus dem “Schattendasein der Ostschweiz” und einen Aufschwung für Wirtschaft, Kultur und vor allem Tourismus.

Sowohl traditionsbewusst als auch zukunftsorientiert soll die “Expo des Lebensraums” werden. Wenn sie denn auch stattfindet. Am 5. Juni entscheiden die St.Galler und Thurgauer Stimmbürger über den Planungskredit für die Expo2027 von fünf Millionen im Kanton St.Gallen und drei Millionen im Kanton Thurgau ab. Mit diesem Geld soll eine Machbarkeitsstudie finanziert werden, um zu eruieren, ob die Expo nach dem dargelegten Vorschlag auch wirklich umsetzbar ist.

Expo2027 hängt von Kredit ab

Wird dieser Kredit nicht gutgeheissen, heisst das “Bye bye Expo2027”. Für den neuen St.Galler Regierungsrat Marc Mächler wäre dies “ein Armutszeugnis”, wie er am Tagblatt-Podium zum Thema vom 17. Mai 2016 zu erkennen gab. Auf verschiedenen Ebenen wird zur Zeit für die Ausstellung geworben, die in den Kantonen St.Gallen, Thurgau und Appenzell Ausserrhoden stattfinden würde – Ausserrhoden hat einen Kredit von 800’000 Franken bereits gut geheissen.

Prominenz beim Komitee “Chance Expo”

Dem überkantonalen Komitee “Chance Expo” haben sich über dreissig Persönlichkeiten aus der Öffentlichkeit angeschlossen. Unter ihnen sind Politiker aus SVP (zum Beispiel Roland Eberle, Ständerat Thurgau) über FDP (St.Galler Ständerätin Karin Keller-Sutter) bis SP (St.Galler Ständerat Paul Rechsteiner) vertreten. Auch prominente Personen der Wirtschaft (Peter Spuhler, CEO und Inhaber der Stadler Rail Group) und Kultur (Simon Enzler, Kabarettist) sowie Sport (Jörg Abderhalden, Schwingerkönig) sind dabei.

Impulse, Werte, Fest…

Wie es der Name sagt, sieht das Komitee die Expo2027 als Chance für die Region Bodensee-Ostschweiz. Man könne gleichzeitig Gastgeber sein und “dabei von wichtigen Impulsen für die Wirtschaft den Tourismus und die Kultur profitieren”, heisst es in der Liste der Argumente auf der Website. Nachhaltigkeit wird dabei gross geschrieben: Man könne bleibende Werte schaffen – wirtschaftlich und ökologisch. Man kreiere kein vergängliches, schnell vergessenes Sommerfest, sondern bleibende Werte – materiell und ideell. Es gehe des Weiteren darum, eine Plattform für die Diskussion zu schaffen, was die Schweiz im Kern zusammenhalte und was sie ausmache.

“Wahrnehmungsdefizit” loswerden

“Eine Expo kann und darf kein Fass ohne Boden sein”, heisst es bei den Befürwortern. Man gebe mit dem Planungskredit der Expo die Chance, die Finanzierbarkeit und Machbarkeit zu überprüfen. Eine Schweizer Landesausstellung fördere Wirtschaft, Kultur, Tourismus und Infrastruktur in der Ostschweiz. Gerade beim Tourismus könne die Expo2027 laut dem St.Galler Regierungspräsidenten Benedikt Würth (CVP) auch dem “Wahrnehmungsdefizit” der Ostschweiz entgegenwirken, von dem immer wieder die Rede sei. Die SVP-Nationalrätin Verena Herzog, die die Expo-Idee überhaupt ins Leben rief und heute Co-Präsidentin des Vereins Expo2027 ist, sagte im SRF-Programm “Schweiz aktuell”: “Jede Generation sollte so ein Fest erleben können.”

Parteien und Gewerbe stehen dahinter

Neben diversen Parteien (CVP SG und TG, FDP SG und TG, Grüne SG, SP SG und TG, Junge CVP SG, GLP SG) haben auch sämtliche Verbände die Ja-Parole für den Expo2027-Kredit ausgesprochen. Dazu gehört der St.Galler Bauernverband, der Verband Thurgauer Landwirtschaft (VTL), der Kantonale Gewerbeverband St.Gallen (KGV), der Thurgauer Gewerbeverband (TGV), Regio Kreuzlingen, Regio Appenzell AR – St.Gallen – Bodensee und Gastro St.Gallen. Auch die Regierungen und Parlamente der beiden Kantone warben für den Kredit.

IHK sagt Ja mit Vorbehalten

Auch die IHK St.Gallen-Appenzell und die IHK Thurgau haben ihre Zustimmung ausgesprochen, jedoch mit Vorbehalt. Das Geld für die Planungsphase könne nicht aus der Wirtschaft kommen, liess die IHK St.Gallen-Appenzell verlauten. Das erwarten die Trägerkantone aber; sie hoffen auf 700’000 Franken. Bisher sind 400’000 Franken zusammen gekommen. Dazu sagte Kurt Weigelt, Direktor der IHK St.Gallen-Appenzell, im SRF-Regionaljournal Ostschweiz (31.3.2016): “Es ist ein Projekt, das im Moment vor allem von öffentlicher Hand vorangetrieben wird. Es braucht noch Überzeugungsarbeit, bis sich die Wirtschaft für die Expo2027 einsetzen kann.”

Ostschweiz am Zug

Beteiligte Gemeinden haben auch ihre Unterstützung zugesagt. Zum Beispiel der Stadtrat Romanshorn. Die Gemeinde am Bodensee wäre einer der Standorte der Expo2027. “Bei den letzten sechs Auflagen der Landesausstellung sind zweimal Zürich und je einmal Genf, Bern, Lausanne und das Drei-Seen-Land zum Zug gekommen”, schreibt der Romanshorner Stadtrat in einer Mitteilung. Nun sei die Ostschweiz an der Reihe, sie habe die ideelle sowie materielle Aufmerksamkeit und Unterstützung verdient. Diese Jahrhundertchance dürfe nicht verpasst werden.


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