«Ein Pfarrer sollte nicht mitweinen»

Wäre beinahe Pfarrer geworden: Stefan Spörri aus Henau.
Wäre beinahe Pfarrer geworden: Stefan Spörri aus Henau. © FM1Today
Nach einem längeren Spitalaufenthalt wollte der Henauer Stefan Spörri die Telekommunikationsbranche verlassen, um Pfarrer zu werden. Er brach seine Ausbildung jedoch ab, weil es ihm an emotionaler Robustheit fehlte. 

Die Kirche hat Schwierigkeiten, Nachwuchs zu finden – wer Pfarrer werden möchte, kann deshalb auch einen Studiengang für Quereinsteiger absolvieren. Für eine solche Ausbildung entschied sich Stefan Spörri, nachdem er vor fünf Jahren einen Aorta-Riss erlitten und deshalb einige Zeit im Spital verbracht hatte. «Viele Leute haben ihre Gebete an mich gerichtet und ich habe gemerkt, wie sie ankamen», sagt der Henauer in der FM1-Sendung «Gott und d’Wält».

«Konfirmation war ein Gräuel»

Für Spörri war es kein Kindheitstraum, einmal Pfarrer zu sein. «Die Konfirmation war für mich ein Gräuel. Alle schönen Sachen waren verboten.» Erst später begann er, sich für religiöse Themen zu interessieren. Die grösste Motivation, Pfarrer zu werden, sah er in der Nähe zu den Menschen.

Äussere Schale «weggesprengt»

Während der Ausbildung merkte Stefan Spörri dann aber, dass er die psychischen Anforderungen nicht erfüllen könne. «Aufgrund meiner Krankheit bringe ich nicht mehr die gleiche emotionale Robustheit mit wie früher.» Seine Schale sei «weggesprengt» worden und nicht wieder zurückgekehrt.

Ein Pfarrer müsse ein Fels in der Brandung sein, ist Spörri überzeugt. «Bei Beerdigungen kann der Pfarrer nicht neben der Trauergemeinde stehen und mitweinen.» Der Henauer brach den Studiengang ab.

Nicht wehmütig

Obwohl aus dem Pfarrberuf nichts wurde, findet Stefan Spörri heute immer noch Kraft im Glauben. Hört er eine eindrückliche Predigt in der Kirche, wird er nicht wehmütig, weil er die Person sein könnte, die vorne steht. «Ich freue mich für die Pfarrperson, weil sie die starke Predigt so gut auf den Punkt bringen konnte.»

Die ganze «Gott und d’Wält»-Sendung zum Nachhören:

(red.)


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