“Eine Katastrophe für die jungen Reben”

Mit Frostkerzen kämpfen die Bündner Winzer gegen den Frost.
Mit Frostkerzen kämpfen die Bündner Winzer gegen den Frost. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Weil letzte Nacht das Thermometer vielerorts im Bündnerland auf unter Null Grad fiel, bangten viele Winzer um ihre Ernte. Sie kämpften mit Kerzen gegen den Frost. Gerade für die jungen Reben sieht es gar nicht gut aus.

Es war eine bange Nacht für die Bündner Winzer. “Wir sassen am Abend noch zusammen und überlegten, welche Massnahmen wir ergreifen könnten. Der Helikopterflug fiel ja leider ins Wasser”, sagt der Winzer Leonhard Kunz aus Fläsch, wo die Temperaturen auf minus 1 Grad sanken. Mithilfe der Helikopter wäre die Kälte durch Luftaufwirbelung eingedämmt worden. Die Winzer haben die Bewilligung für Nachtflüge nicht erhalten, wie FM1Today gestern berichtete. “Man hätte erst ab 05:43 Uhr fliegen dürfen, und das wäre zu spät gewesen”, sagt Kunz.

Ist nun tatsächlich 30 bis 80 Prozent der Ernte dahin, wie prognostiziert wurde? Das kann Kunz noch nicht genau abschätzen. “Einige Winzer haben Schäden gemeldet, aber für eine solche Bilanz ist es noch zu früh”, sagt er.

“Die Lage ist nach wie vor kritisch. Für diese Nacht ist ebenfalls Frost angesagt.” Sobald das Thermometer unter Null Grad fällt, werde es gefährlich für die Reben. Aber nicht alle Rebsorten seien gleich anfällig auf die Kälte. Es komme auch auf die Vegetation an: Pflanzen, die schon weiter im Wachstum sind, seien oft anfälliger.

“Wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen” sagt der Winzer Martin Donatsch. Er habe bei den kritischen Lage Kerzen aufgestelle. “Auf dem Talboden herrschten minus 2 Grad. Dank der Kerzen waren die Temperaturen in der Rebzone auf Null Grad erwärmt.” Am Nachmittag könne man das Ausmass der Schäden dann genauer abschätzen. Er sei zuversichtlich. “Wir hatten Glück, dass etwas windig war.” Er habe mit einem Winzerkolleg im Wallis telefoniert. Dort sei es windstill gewesen. Das sei noch viel schlimmer.

“Für die jungen Reben ist es eine Katastrophe.” Dort geht der Präsident des Branchernverbands Graubünden, Georg Fromm, von einem massiven bis zu einem Totalschaden aus. Und Spezialitäten-Weine wie Chardonnay oder Riesling-Sylvaner litten besonders letzte Nacht, weiss Fromm. Man sehe bereits bei diesen Reben, dass sich die Farbe verändert habe und diese Reben absterben würden. “Im Moment ist es für die Winzer noch verkraftbar, es hätte sicher noch viel schlimmer werden können”.

Und wie es beispielsweise im Kanton Nidwalden am Tag danach aussah, weiss SRF Meteo.

(red)


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