«Eine sehr ausdrucksvolle Sprache»

In der Schweiz gibt es 10'000 Gehörlose. (Symbolbild)
In der Schweiz gibt es 10'000 Gehörlose. (Symbolbild) © iStock
Heute Sonntag ist der Tag der Gehörlosen. Wir haben mit der schulischen Audiopädagogin Vera Dellsperger darüber gesprochen, wie es ist, die Gebärdensprache zu erlernen. 

Immer am letzten Sonntag im September findet der Tag der Gehörlosen statt. Dabei wird auf die rund 10’000 Gehörlosen in der Schweiz aufmerksam gemacht. Die schulische Audiopädagogin Vera Dellsperger hat die Gebärdensprache erlernt, um sich an öffentlichen Schulen mit schwerhörigen und gehörlosen Kindern verständigen zu können. «Die Gebärdensprache ist wie eine Fremdsprache», findet die Pädagogin. Es sei ziemlich schwierig, die Sprache als Hörende zu erlernen.

Melkbewegung steht für Milch

«Gewisse Gebärden erscheinen mir sehr naheliegend», so Dellsperger in der FM1-Sendung «Gott und d’Wält». Mache man Bewegungen, die aussehen, als würde man eine Kuh melken, so bedeute dies «Milch». «Andere Zeichen scheinen mir allerdings zusammenhangslos», berichtet die Audiopädagogin.

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Regionale und nationale Unterschiede

Die Gebärdensprache wird mit dem ganzen Körper gesprochen. Hände, Arme, Körperhaltung und Mimik spielen eine wichtige Rolle. «Mit der Gebärdensprache produziert man Bilder», erklärt Vera Dellsperger, «sie ist extrem ausdrucksvoll». Sie besitzt eine eigene Grammatik, ein eigenes Regelsystem. Je nach Region und Nation unterscheiden sich die Bedeutungen der Zeichen.

«Schöne Weihnachten» durch die Fensterscheibe

Zuerst hat die Audiopädagogin das Fingeralphabet erlernt. «So ist es möglich, einzelne Worte zu buchstabieren.» Hinzu kamen Tiere, Wochentage und Monate sowie Fragen wie «Wie geht es dir?». Im vergangenen Winter erlebte Dellsperger etwas Besonderes. In den Skiferien traf sie im Bus ihren Gebärdesprachlehrer. Bei den vielen Passagieren verlor sie ihn aus den Augen. Erst, als sie ausstieg, sah sie ihn im Bus sitzen. «Dank der Gebärdensprache konnte ich ihm durch das Fenster schöne Weihnachten und ein gutes Neues Jahr wünschen.»

Du möchtest wissen, wie man «St.Gallen», «Mama» oder «Danke» in Gebärden spricht? In unserer Bildstrecke kannst du einige Ausdrücke erlernen.

(red)


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