“Eine sehr unschöne Entscheidung”

Das Calandarudel.
Das Calandarudel. © Amt für Jagd und Fischerei Graubünden
Der Bund hat heute den Abschuss für zwei Jungwölfe des Rudels im Calanda-Tal bewilligt, obwohl die Wölfe noch keine Gefahr für die Bevölkerung waren. Die “Gruppe Wolf Schweiz” ist nicht einverstanden mit dem Entscheid. Doch eine andere Option gebe es nicht, sagt man beim Kanton.

Für David Gerke, Präsident der “Gruppe Wolf Schweiz” ist der Entscheid nicht gerechtfertigt. “Eine sehr unschöne Entscheidung. Bevor man die Wölfe abschiesst, muss man alle präventiven Massnahmen ausschöpfen”, sagt er. Da wären vor allem die Menschen in der Umgebung gefragt. Man müsse als Erstes die Nahrungsquellen für die Wölfe unterbinden. Dies seien beispielsweise Abfall und Kompost, die man richtig entsorgen müsste. Erst wenn all diese Massnahmen tatsächlich ergriffen worden wären und nichts bewirkt hätten, dürfte man den Wolf zum Abschuss freigeben.

Kein intaktes Zusammenleben ohne Abschuss

Das Zusammenleben von Wolf und Mensch sei eben erst recht wieder intakt, wenn die beiden Wölfe abgeschossen werden, sagt dagegen Dominik Thiel vom Amt für Natur, Jagd und Fischerei des Kantons St.Gallen. Die Wölfe seien viel zu nah an den Mensch herangekommen. “Nur ein Abschuss kann das Verhalten dieses Wolfrudels verändern”.

Seit 2011 hat das gleiche Wolfspaar im Calanda viermal Junge gekriegt. Sie und ihre Nachkommen haben jegliche Angst vor dem Menschen verloren. Sämtliche Rudelmitglieder hätten ihr Verhalten geändert und deshalb sei die Gefahr für Menschen umso grösser. “Wenn zwei Wölfe abgeschossen werden, wird sich das Verhalten des ganzen Rudels ändern. Sie werden dadurch vorsichtiger.”

Ob das reiche, könne man nicht versprechen. Man nehme aber aufgrund von Analysen an, dass der Abschuss sich positiv auf das Verhalten der restlichen Wölfe auswirken werde. “Wer für den Wolf ist, der muss auch dem Abschuss zustimmen”, sagt er. “Nur wenn der Wolf scheu bleibt, ist er in der Schweiz für die Bevölkerung akzeptabel.”

Mögliche rechtliche Folgen

Die “Gruppe Wolf Schweiz” überlegt sich laut Gerke derweil rechtliche Schritte. Es gebe juristische Möglichkeiten, den Entschluss anzufechten. Man arbeite schon mit anderen Verbänden wie ProNatura und WWF zusammen. “Wir warten jetzt einmal ab. Wir schauen und hoffen weiterhin, dass die Wölfe nicht abgeschossen werden.”

(red)

 


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