Eine Team-Medaille als Vorgabe

Steve Guerdat tritt in Rio wieder mit Nino des Buissonnets an
Steve Guerdat tritt in Rio wieder mit Nino des Buissonnets an © KEYSTONE/EPA DPA/ROLF VENNENBERND
Die Schweizer Springer nehmen mit klaren Vorstellungen an den Sommerspielen in Rio teil. Den Ansprüchen genügt nur eine Medaille im Teamwettkampf. Steve Guerdat tritt zudem als Olympiasieger 2012 an. Die Nomination der Equipe war unbestritten.

Den Olympiasieger Guerdat, die anerkannte Nummer 1 im Schweizer Team, begleitet das erfolgreiche Quartett der EM 2015 in Aachen. Romain Duguet mit Quorida de Treho, Martin Fuchs im Sattel von Clooney, Janika Sprunger mit Bonne Chance und Paul Estermann mit Castlefield Eclipse hatten damals die Bronzemedaille gewonnen und zugleich das Ticket für Rio gelöst. Pius Schwizer, Ende Januar beim CSI Zürich mit Future noch umjubelter Sieger der Weltcup-Prüfung, konnte sich nach der Verletzung des Wallachs nicht mehr aufdrängen.

“Wir reisen zu fünft nach Rio.” Mit dieser Aussage relativiert der Teamchef Andy Kistler die Rolle des Ersatzreiters, die Estermann einnimmt. “Leider ist das Regelwerk so, dass der Ersatzreiter im Voraus bestimmt sein muss.” Dies sei aber mehr eine Formalität. “Wir werden vor Ort definitiv entscheiden und die fittesten vier Paare starten lassen”, sagte der Equipenchef. Die Rolle des Ersatzreiters lasse sich, ohne grosse bürokratische Hürden zu überspringen, wechseln.

“Ich habe lieber fünf Paare dabei, die wissen, dass sie eine echte Chance haben. Das macht sie hungriger, das nützt dem Team mehr”, sagte Kistler. Klar habe Estermann nun ein gewisses Handicap, “aber entschieden ist noch nichts”. Es könne immer noch eine Verletzung bei einem Pferd oder einem Reiter auftreten, oder ein Paar könnte in Rio nicht auf Touren kommen. “Für mich als Teamchef wäre es wohl bequemer, wenn der Ersatzmann fix bestimmt wäre. Aber es geht um die Leistung des Teams. Wir wollen uns die Möglichkeit offen lassen, vor Ort zu entscheiden, wer nun am besten in Form ist”, betonte der 61-jährige Geschäftsmann.

Kistler hat die Qual der Wahl, also gute Voraussetzungen. Von der designierten Crew kamen alle Pferde ohne Verletzung durch die Vorbereitung. Trainer Thomas Fuchs, der auf dem Reitplatz das Sagen hat, Coach Kistler und die Reiter planten langfristig, damit die Pferde optimal vorbereitet nach Rio reisen. Die Tiere wurden nicht wegen einer internen Ausmarchung oder wegen prestigeträchtiger Turniere “verheizt”.

Guerdat besitzt mehrere olympiataugliche Pferde. Er entschied sich frühzeitig, wie schon 2012 in London, auf Nino des Buissonnets zu setzen. Auf Nino scheint in entscheidenden Momenten Verlass zu sein. Vergangenen Dezember gewann der Jurassier mit dem Wallach das mit 1,2 Millionen Franken dotierte Springen in Genf. Eine Alternative wäre Corbinian gewesen, der Guerdat im März zum Weltcupsieg getragen hatte.

Duguet, Fuchs und Janika Sprunger besitzen einen Trumpf, Estermann hatte deren zwei. Die Wahl fiel auf Castlefield Eclipse und nicht auf Lord Pepsi.

In jüngerer Vergangenheit gewann die Schweiz zwei olympische Team-Medaillen. 2008 in Peking (Hongkong) erhielt die Mannschaft nach der Disqualifikation von Norwegen nachträglich Bronze und 2000 hatte in Sydney Silber herausgeschaut. Im Einzel sind noch die Silbermedaille von Willi Melliger 1996 in Atlanta auf Calvaro und natürlich Guerdats Sieg zuletzt in London in Erinnerung.

Im Gegensatz etwa zum Jahr 2000, als die Pferde vor Olympia in Sydney während zwei Wochen in hermetisch abgeriegelten Boxen auf den Abflug nach Australien warten mussten, ist diesmal eine Quarantäne nicht notwendig. In den Stallungen in der Nähe des Stadions werden sie allerdings getrennt von den einheimischen Pferden untergebracht.

Am 8. August fliegt Kistler mit seinem Team nach Rio, fünf Tage später beginnt das Springreiten mit einer Warm-up-Prüfung. Danach wird entschieden, welche vier Schweizer zur Einzel-Qualifikation antreten und in den beiden Umgängen des Nationenpreises reiten. Der Modus unterscheidet sich von Europa- und Weltmeisterschaften. Das erste Springen gilt als Einzelqualifikation. Die Punkte werden nicht in den Nationenpreis mitgenommen, dessen Umgänge zugleich als Einzel-Qualifikationsprüfung 2 und 3 gewertet werden. Die Top 35 qualifizieren sich für Einzel-Final. In der Ausmarchung um Gold beginnt alles wieder bei null.

(SDA)


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