Einmal fliegen oder ein Jahr Auto fahren

Einmal fliegen oder ein Jahr Auto fahren
© Atomkraftwerk in Gelsenkirchen, Deutschland. (KEYSTONE/AP/Martin Meissner, File)
Heute ist der Klimagipfel in Paris gestartet. Es wird wieder viel über Zahlen, Emissionen und CO2-Ausstoss debattiert. Vor allem in Entwicklungsländern sollen die Energieemissionen verbessert werden. Aber auch hierzulande kann noch vieles verändert werden, vor allem im alltäglichen Umgang mit Energie. 

Heute wurde in Paris verlautet, dass u.a. Investoren wie Bill Gates Milliarden für saubere Energie in Entwicklungsländern investieren wollen. Aber nicht die Menschen in den Entwicklungsländern sind die Hauptsünder, sondern neben China die Konsumgesellschaft des Westens.

Zweimal nach Neuseeland pro Jahr

Auch wenn es jeder weiss, aber niemand hören will: Unser Lebensstil schadet der Umwelt. Die Schweiz gehört zwar nicht zu den schlimmsten Umweltsündern. An der Spitze ist noch immer China, gefolgt von den USA. Man ist in der Schweiz aber mit etwa jährlich 6 Tonnen CO2-Ausstoss pro Kopf noch immer weit von einer “1 Tonne CO2-Gesellschaft” entfernt, welche die ETH empfohlen hat.

Laut Bundesamt für Umwelt bewegt sich der CO2-Ausstoss erstmals seit 2007 unter 6 Tonnen. Das ist erfreulich und sehr umweltfreundlich im Vergleich mit anderen Industrienationen wie beispielsweise die USA  – dort liegt der Pro-Kopf-Verbrauch bei 19,1 Tonnen.

Um diese Zahlen etwas zu verbildlichen: Man verursacht 10 Tonnen CO2-Ausstoss, wenn man mit einem Kleinwagen einmal rund um die Welt fährt. Oder mit dem Flugzeug zweimal nach Neuseeland und zurück fliegt.

Fliegende CO2-Ausschüttung

A propos Flugzeug: Nur rund fünf Prozent der Menschheit hat laut dem Umweltverband WWF je ein Flugzeug bestiegen, aber diese Minderheit hat einen enormen Einfluss auf die globale Umweltverschmutzung. Weltweit ist ein Viertel des CO2-Ausstosses auf Schiffe, Auto- und Flugverkehr zurückzuführen. In der Schweiz ist der Flugverkehr bereits für 16 Prozent des CO2-Ausstosses verantwortlich. Geht die Entwicklung weiter wie bisher, sind es bald 22 Prozent. WWF prognostiziert für das Jahr 2020 eine Verdopplung des Flugverkehrs im Vergleich zu 2005.

Wer einmalig in die Ferien fliegt, produziert so viel CO2 wie ein Auto während eines Jahres durchschnittlich.

Ein Trip in die Feriendestination Hurghada in Ägypten verursacht durchschnittlich 2,5 Tonnen CO2-Emissionen, ohne Aktivitäten vor Ort. Ein durchschnittlicher Schweizer produziert diese Menge an CO2 während zwei Monaten.

Der Grund dafür liegt im Transportmittel und der zurückgelegten Distanz. Würde man seine Reise aufs Engadin reduzieren, wäre die Umwelt gerade mal mit 172 kg CO2-Ausstoss und damit zu 90 Prozent weniger als durch den Trip nach Ägypten belastet. Zu Hause ist es doch sowieso am schönsten!

Eine Kuh auf der Weide neben dem Seealpsee und dem Säntis. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Eine Kuh auf der Weide neben dem Seealpsee und dem Säntis. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Jedoch ist innerhalb der Schweiz Klimasünder Nummer eins nach wie vor der Strassenverkehr. 30 Prozent des CO2-Ausstosses in der Schweiz wird durch Fahrzeuge auf den Strassen verursacht.

Der Teufel namens Konsum

Wir sind eine Konsumgesellschaft. Auch Konsum braucht viel Energie. Reden wir über unser Essverhalten. Dort ist den Umweltschützern vor allem der Fleischkonsum ein Dorn im Auge. Schweizerinnen und Schweizer essen im Schnitt 52 kg Fleisch pro Jahr. WWF hat berechnet, dass die Produktion von 100 Gramm Rindfleisch 1550 Gramm CO2 produziert. Zum Vergleich: Bei Gemüse sind es zwischen 20 bis 90 Gramm.

Holländische Experten berechneten: ein Kilogramm Fleisch aus Brasilien benötigt etwa 335 Kilogramm CO2. Das entspricht etwa dem Ausstoss von 1600 Kilometern Autofahrt. Bei dieser Studie wurde unter anderem die Fläche miteinberechnet, die nun nicht mehr als Waldfläche benutzt werden kann. Und der Wald ist fundamental für die CO2-Filterung.

Darum sagen einige Klimaforscher, dass die Fleischproduktion umweltschädlicher ist als der Verkehr. Wer also in den Drive-In fährt und sich einen Double Cheeseburger gönnt, vergrössert seinen ökologischen Fussabdruck sofort um ein paar Nummern.

Wäschetrockner adé!

Wenn man dann noch Kleider trägt, die im Tumbler getrocknet wurden, kommt man definitiv in die Klimahölle. Denn der Tumbler braucht Unmengen Strom, etwa 20 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs eines Einfamilienhaushalts pro Jahr. Und wirklich brauchen tut man dieses Gerät ja eigentlich nicht.

Zudem kann es zur Gefahr für Haus und Mensch werden, wenn die Kleidung in ihm zu heiss wird. Immer wieder verursachen Wäschetrockner kleinere oder auch grössere Feuer mit massivem Sachschaden.

Ein Tumbler, wie er nicht aussehen sollte. (na/hna.de)

Ein Tumbler, wie er nicht aussehen sollte. (na/hna.de)

Energie, die keine ist

Viel schlimmer als der Energieverbrauch an sich ist die Energieverschwendung. WWF verbildlicht diesen folgendermassen: “Stellen sie sich vor: Sie essen, doch jede dritte Gabel fällt direkt auf den Boden.” Etwa so kann man den Stromkonsum der Schweizerinnen und Schweizer beschreiben. Elektro-Geräte im Standby-Modus oder brennendes Licht in unbenutzten Räumen sind typische Beispiele für die nutzlose Energieverschwendung.

Keine UN-Resolution, sondern Eigeninitiative

Die Weltgemeinschaft scheitert immer wieder am Klima-Thema. 1997 wurde das Kyoto-Protokoll erstellt, das erstmals völkerrechtlich bindende Ziele für den Umweltschutz formulierte. Dieses Protokoll haben lediglich 37 Nationen unterschrieben. Seit diesem Zeitpunkt wurden zahlreiche Klimakonferenzen durchgeführt, mit wenig Resultaten.

Auch der laufende Gipfel in Paris ist laut einigen Forschern bereits zum Scheitern verurteilt. Deshalb ist es umso wichtiger, dass jeder einzelne im Alltag bewusster mit Energie umgeht, sei es die Handhabung mit dem Strom oder das Essverhalten. Denn weniger ist wie immer mehr.

(lak)


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