Belgische Justiz rekonstruiert Fluchtweg von Terrorverdächtigem

Wenig Material für viel Geld: Der rosa Diamant wird von Sotheby's auf bis zu 36 Millionen Franken geschätzt.
Wenig Material für viel Geld: Der rosa Diamant wird von Sotheby's auf bis zu 36 Millionen Franken geschätzt. © /AP/KIRSTY WIGGLESWORTH
Der “Mann mit dem Hut” gehört seit den Brüsseler Anschlägen zu den meistgesuchten Verdächtigen in Belgien. Die Justiz hat nun neue Aufnahmen des mutmasslichen dritten Flughafen-Attentäters präsentiert und seinen Fluchtweg überraschend detailliert rekonstruiert.

Demnach wurde der “Mann mit dem Hut” nicht nur von den Flughafenkameras erfasst, sondern auch später als Fussgänger in der benachbarten Gemeinde Zaventem sowie im Brüsseler Stadtzentrum gefilmt. Laut den Angaben der Staatsanwaltschaft vom Donnerstag lief er bis in die direkte Nachbarschaft des EU-Viertels, wo sich seine Spur einige hundert Meter vom zweiten Anschlagsort in der U-Bahn-Station Maalbeek verlor.

Die lückenhaften Aufzeichnungen aus verschiedenen Überwachungskameras umfassen einen mehrstündigen Zeitraum: Nach den ersten Flughafen-Aufnahmen vom Morgen des 22. März explodierten dort um 7.58 Uhr zwei Bomben, die letzten Bilder des Mannes wurden um 9.50 Uhr nahe des Europaviertels gemacht.

Die Polizei hofft nun auch, dass die helle Jacke des Verdächtigen gefunden wird, die er anscheinend unterwegs entsorgte. Sie könne “wertvolle Informationen” liefern. Die Staatsanwaltschaft rief die Bevölkerung auf, mögliche Fotos oder Videoaufnahmen des Verdächtigen zu übermitteln.

Der “Mann mit dem Hut” war bislang nur vom Bild einer Flughafen-Überwachungskamera bekannt, auf dem er gemeinsam mit den beiden späteren Selbstmordattentätern zu sehen ist. Am Airport Zaventem hatten sich laut Ermittlungsergebnissen Najim Laachraoui und Ibrahim El Bakraoui in die Luft gesprengt. Bei den Anschlägen am Flughafen und in der Brüsseler Metro wurden 32 Menschen getötet und Hunderte verletzt.

Unklarheit herrscht derweil bei der erwarteten Auslieferung des Terrorverdächtigen Salah Abdeslam, der auch nach eigenen Worten an den Pariser November-Anschlägen mit 130 Toten beteiligt war. Sein Anwalt Sven Mary sagte dem Radiosender RTBF, der in Brügge inhaftierte Franzose solle erst in einigen Wochen ausgeliefert werden.

Der öffentliche Sender berichtete jedoch unter Verweis auf ungenannte Quellen, die Auslieferung stehe nahe bevor. Ein belgisches Untersuchungsgericht hatte Ende März grünes Licht dafür gegeben.

Abdeslam war am 18. März in der Brüsseler Gemeinde Molenbeek festgenommen worden, die als Islamistenhochburg gilt. Ob und inwiefern er in die Vorbereitung der Brüsseler Anschläge verwickelt war, ist noch unklar.

(SDA)


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