Elektronische Wahlhilfen werden immer beliebter

Bei der steigenden Zahl von Kandidaten und der Flut an Wahlpropaganda können elektronische Wahlhilfen Orientierung bieten.
Bei der steigenden Zahl von Kandidaten und der Flut an Wahlpropaganda können elektronische Wahlhilfen Orientierung bieten. © Keystone/DOMINIC STEINMANN
Die Zahl der Wähler und Wählerinnen, die sich auf elektronische Wahlhilfen verlassen, ist 2015 erneut gestiegen. Rund eineinhalb Millionen Fragebögen wurden auf den Portalen Smartvote, Vimentis und Easyvote ausgefüllt.

Mit den Wahlhilfen lässt sich die politische Übereinstimmung mit den Kandidierenden oder mit bestimmten Listen ermitteln. Insbesondere das Angebot von Smartvote, das seit 2003 besteht, hat sich als Entscheidungshilfe etabliert.

Für die National- und Ständeratswahlen stellte die unabhängige Online-Wahlhilfe nach vorläufigen Zahlen in diesem Herbst etwas über 1,3 Millionen Wahlempfehlungen aus. Mit einer Zunahme von 0,1 Millionen im Vergleich zu 2011 hat sich das Wachstum allerdings verlangsamt. Generell zeige sich ein Sättigungseffekt, allerdings auf hohem Niveau, sagte Michael Erne von Smartvote am Dienstag der Nachrichtenagentur sda.

Die Zahl der Wahlempfehlungen entspricht aber nicht der Zahl von Wählenden, welche die Wahlhilfe in Anspruch nehmen. Laut Erne füllen viele Nutzer den Fragebogen nämlich mehrmals aus. Genaue Angaben zum Nutzungsverhalten 2015 stehen noch aus. 2011 erreichte Smartvote etwa jeden sechsten Wähler. Dieses Jahr käme man voraussichtlich auf einen vergleichbaren Wert, hiess es.

Auch die Kandidatinnen und Kandidaten nutzten Smartvote erneut häufig. Rund 84 Prozent der 3802 Bewerber für den Nationalrat und 89 Prozent der 162 Ständeratskandidaten legten ein Profil an.

Offenbar zahlte es sich für die Politiker auch aus, ein Smartvote-Profil anzulegen. Unter den gewählten Nationalräten hatten nur 6 Prozent den Fragebogen nicht ausgefüllt. Noch offen ist diese Zahl für den Ständerat, weil hier noch zahlreiche zweite Wahlgänge anstehen.

Die Wahlhilfe von Vimentis erfreut sich steigender Beliebtheit. Die Zahl der Nutzer hat sich mit rund 200’000 mehr als verdoppelt im Vergleich zu 2011, als es die Vimentis-Wahlhilfe zum ersten Mal gab. 71 Prozent der Nationalratskandidaten und 77 Prozent der Ständeratskandidaten erstellten ein Profil.

Nach Angaben von Daniel Geissmann, Vorstand und Verantwortlicher Wahlen und Umfragen von Vimentis, will die unabhängige Informationsplattform in Zukunft vor allem in der Westschweiz aktiver werden und ihr Angebot entsprechend ausbauen.

Auf rund 80’000 Wahlempfehlungen kam die Informationsplattform Easyvote, die die Smartvote-Wahlhilfe auf ihrer Webseite aufgeschaltet hatte. Easyvote ist ein Projekt des Dachverbands Schweizer Jugendparlamente (DSJ). Es will die Wahl- und Stimmbeteiligung der 18- bis 25-Jährigen langfristig auf 40 Prozent erhöhen.

Bei den diesjährigen Wahlen galt ein Zielwert von 35 Prozent. Dafür setzte Easyvote auf eine breitgefächerte Strategie. Erfolgreich war Easyvote vor allem mit seinen Videoclips: Diese wurden über 150’000 Mal via Youtube und Facebook angeschaut. Die Wahlanleitung auf der Website hatte rund 120’000 Besucher.

Weiter versandte Easyvote 110’000 Broschüren direkt an die Zielgruppe. Eine weit grössere Reichweite habe Easyvote jedoch über Social Media und die aktive Medienarbeit erreicht, sagte Projektleiter Nicola Jorio der sda.

(SDA)


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