Entscheidende Phase bei Zypern-Gesprächen

Die Ledra-Strasse unweit der UNO-Pufferzone in Nikosia ist das Symbol für die Teilung der Insel.
Die Ledra-Strasse unweit der UNO-Pufferzone in Nikosia ist das Symbol für die Teilung der Insel. © Keystone/EPA/STRINGER
Die Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns sind in der Schweiz fortgesetzt worden. Die Volksgruppenführer der griechischen und der türkischen Zyprer, Nikos Anastasiades und Mustafa Akinci, kamen am Sonntagmorgen im waadtländischen Mont Pèlerin zusammen.

Unter UNO-Schirmherrschaft wollten die beiden Politiker zwei Tage lang nach Wegen suchen, die Teilung Zyperns zu überwinden. «Am Montag wird mit Entscheidungen gerechnet», hiess es aus Kreisen der beiden Verhandlungsdelegationen, berichteten griechisch- und türkisch-zyprische Medien übereinstimmend.

Angestrebt wird ein föderaler Staat mit zwei politisch gleichberechtigten Bundesländern. Bereits vor gut einer Woche wurde fünf Tage lang darüber verhandelt.

Anastasiades und Akinci wollen bestimmen, welche der zurzeit von türkischen Truppen besetzten Gebiete (rund 34 Prozent) an die griechischen Zyprer zurückgegeben werden sollen. Akinci soll vorgeschlagen haben, dass der türkisch-zyprische Teilstaat im Norden etwa 29,2 Prozent des Bodens kontrollieren soll.

Die griechisch-zyprische Seite soll nur 28 Prozent zugestanden haben. Diese Unterschiede seien «nicht unüberbrückbar», hiess es aus Verhandlungskreisen.

Wichtig für Anastasiades ist, dass möglichst viele der rund 160’000 im Jahr 1974 vertriebenen griechischen Zyprer und ihre Nachfahren unter der Verwaltung des eigenen Bundesstaates in ihre Häuser zurückkehren können.

Wichtig für Akinci ist, dass so wenig wie möglich türkische Zyprer nach einer Rückgabe von Dörfern und Städten an die griechischen Zyprer in andere Regionen des eigenen Bundesstaates im Norden umgesiedelt werden müssen.

Sollte es zu einem Durchbruch in Zusammenhang mit diesem Thema kommen, soll es eine Konferenz unter Beteiligung Griechenlands, der Türkei, die ehemalige Kolonialmacht Grossbritanniens sowie Vertretern der UNO und der EU geben. Dabei soll das noch heiklere Thema der Sicherheit des föderativen Zyperns erörtert werden.

Bei einer Einigung müsste das gesamte Lösungspaket in getrennten Abstimmungen von den beiden Volksgruppen gebilligt werden.

Der Konflikt um die Mittelmeerinsel ist einer der längsten in Europa, seit 40 Jahren ist die UNO als Vermittlerin in Zypern tätig. Seit einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention 1974 ist die Insel geteilt.

Der griechische Teil ist seit 2004 EU-Mitglied. Das EU-Recht gilt aber nur im griechisch-zyprischen Süden. Der türkisch-zyprische Norden wird nur von Ankara anerkannt. Dort sind noch immer bis zu 30’000 türkische Soldaten stationiert.

Mehrere Versuche einer Aussöhnung gingen ins Leere, 2004 scheiterte ein von der UNO vorgelegter Plan für eine Wiedervereinigung. Im Mai 2015 wurden die Verhandlungen unter UNO-Vermittlung wieder aufgenommen. Nun scheint ein Durchbruch möglich.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen