“Er rannte in den Unterhosen durch den Wald”

Von Lara Abderhalden
Durch die Blache kriechen gehört oft auch zur Taufe bei der Pfadi.
Durch die Blache kriechen gehört oft auch zur Taufe bei der Pfadi. © FM1Today
Nur in den Socken, mit verbundenen Augen und gefesselt werden sie im Wald ausgesetzt. In ihren Taschen eine Landkarte und wenn es gut kommt ein Walkie-Talkie, sonst nichts. So kann eine Namenstaufe bei der Pfadi ablaufen. Die Pfadi Attila aus Teufen hat aber schon viel Übleres erlebt.


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“Herrliche Berge, sonnige Höhen, Pfadi Attila sind wir, ja wir”, singen die Pfadfinder aus dem ausserrhodischen Teufen inbrünstig. Sie alle sitzen im Kreis und geniessen es, fernab von Zuhause im tiefsten Thurgau zu sitzen und ein bisschen Spass zu haben. Spass? Naja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Denn zum täglichen Sein und Nichtsein eines jeden Pfadfinders gehört die Namenstaufe und diese ist jenseits von Gut und Böse. Sie ist gemein, fies und mies. Doch jeder muss da durch, denn erst danach wird man dem Ruf eines echten Pfadfinders gerecht. Die Teufener erzählen von ihrer Geburt, ihrem Schicksal, ihrer lebensentscheidenden Nacht:

Galilea – die Intelligente

“Uns wurden die Augen verbunden und wir wurden gefesselt”, erzählt Galilea. Sie hatte in diesem Pfadilager ihre Taufe. Angst hatte sie dabei nicht: “Ich fand es eher lustig. Mir fiel andauernd die Augenbinde runter und auch die Fesseln lösten sich.” Ausserdem hätten die Leiter nicht an die richtige Kleidung gedacht: “Wir mussten in der Nacht mit kurzen Hosen in den Wald!” Im Nachhinein habe man sie mit Pullis versorgt. “Die Kleinen hatten schon ein bisschen Angst. Einer ist sogar gefesselt und mit zugeklebten Mund plötzlich vom Stuhl gefallen.”

Nun ist Galilea froh, ihren Namen gefunden zu haben: “Er passt zu mir. Man sagt, Galilea sei neugierig und intelligent, und ich bin beides.”

Ewok – der Dorn

Seine Taufe geschah in Las Vegas. Also eigentlich unter dem Motto “Las Vegas”, aber worin liegt schon der Unterschied. Auf jeden Fall wurde auch er gefesselt und “geknebelt” und in den Wald gebracht. “Dort hatte es überall Kerzen am Boden, es gab einen Weg aus Lichtern.” Sie seien diesem Weg gefolgt, plötzlich sei einer mit einer Taschenlampe aufgetaucht und habe ihnen ins Gesicht geblendet. “Ich wurde gepackt und weggeschleift. Wirklich geschleift. Die Leiter haben dabei übersehen, dass es noch Dornenbüsche im Wald hatte.” Die Beine von Ewok waren völlig verkratzt, aber wie er sagt: “Das gehört dazu!”.

Ein anderes Mal seien sie bei einer Nachtübung im Wald ohne Schuhe ausgesetzt worden. Anhand einer Karte mussten sie ihre Schuhe suchen. “Das war nicht ganz einfach, weil die Leiter die Schuhe auf einen Baum hängten.” Aber: “Als wir die Schuhe gefunden hatten, mussten wir unser eigenes Zelt zum Übernachten bauen. Das Tolle war, dass im Zelt ein Fondue war, welches wir als Belohnung geniessen durften.”

Silenzio – der Hexenjäger

Seine Taufe war krass. Da hätte sich so manch ein erwachsener Mann in die Hosen gepinkelt. Aber Silenzio war stark. “Es war vor vier Jahren. Wir hatten das Motto ‘Hänsel und Gretel’. Märchen. Wir wurden in den Wald gebracht. Plötzlich sprang eine Hexe mit einer Axt aus dem Gebüsch un packte mich. Das war schon ein Schockmoment.” Allerdings sei der Schock dann auch schnell verflogen: “Wir wissen ja immer, dass die Leiter dahinter stecken und uns nichts passieren kann.”

Der Hosenlose

Naja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Immer wieder passiert den Leitern ein Malheur. Aber wo Menschen sind, passieren schliesslich Fehler, so auch vor einigen Jahren im Lager: “Da hatte einmal einer eine Taufe. Er wurde ganz normal aus dem Zelt und in den Wald geholt. Man hat ihm natürlich auch Kleider mitgenommen: T-Shirt, Pullover, Socken, Schuhe. Nur leider ging dabei etwas vergessen.” Die Leiter hatten dem armen Buben doch tatsächlich keine Hosen mitgenommen. Der Arme musste die ganze Taufe in den Unterhosen durchstehen. Das war aber halb so schlimm: “Ich glaube, das war für alle lustig.”

Die Hühner sind los

Lustig, das soll es letzten Endes sein. So ist auch dieses Pfadilager ein “Riesenplausch”. Nicht nur die Nachtübungen machen Freude, sondern auch die Eier der hauseigenen Hühner. Die Pfadi Teufen hat ihre eigenen Hühner mit ins Thurgau transportiert. “Wir brachten sie in Kartonschachteln und konnten schon einige ihrer Eier zum Frühstück verspeisen.” Nicht immer sei das Halten der Hühner aber so einfach gewesen: “Es gab einmal ein Lager, da sind die Hühner ausgebüxt. Wir konnten sie beinahe nicht mehr einfangen, die waren so schnell!”

Schnell ist das Lager auch wieder vorbei. Schon heute werden die Zelte abgebrochen und zurück nach Appenzell Ausserrhoden gefahren und etwas darf natürlich auch bei der Heimfahrt nicht fehlen: “Herrliche Berge, sonnige Höhen, Pfadi Attila sind wir, ja wir!”

Und für die, die noch nicht genug vom Pfadigesang haben, hier noch zwei weitere Stücke aus der Pfadi-Musikbox:

 

(abl)


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