Erdogan findet’s nicht so lustig

Recep Tayyip Erdogan findet kritische Presse nicht so lustig.
Recep Tayyip Erdogan findet kritische Presse nicht so lustig. © Kayhan Ozer, Presidential Press Service, Pool via AP
Dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die freie Presse nicht mag, ist schon länger bekannt. Derzeit nervt sich der “verlässliche Partner der EU” über eine deutsche Satiresendung.

Für die türkische Regierung ist Pressefreiheit in etwa wie Gemüse im McDonald’s: Nicht gerade erste Wahl. Das merkt jetzt auch “extra 3” mit ihrer Satiresendung im Ersten. In der Sendung wurde ein Videoclip gespielt, in dem sich die Macher über den türkischen Präsidenten Erdogan lustig machen:

“Er lebt auf grosse Fuss, der Protz vom Bosporus” und “Ein Journalist, der irgendwas verfasst, was Erdogan nicht passt, ist morgen schon im Knast”. Solche Sätze mag man bei der türkischen Regierung nicht.

Wie das ARD-Hauptstadtstudio mitteilt, musste sich wegen diesem Beitrag der deutsche Botschafter im türkischen Aussenministerium in einem längeren Gespräch rechtfertigen. Und das gerade in einer Zeit, in der in der Flüchtlingskrise die pressefeindliche Türkei als “verlässlicher Partner” der EU gepriesen wird. Das Auswärtige Amt Deutschlands hat sich bisher nicht offiziell geäussert.

In der Türkei wurden in letzter Zeit wieder vermehrt Journalisten, Blogger und andere Bürger wegen “Präsidentenbeleidigung” verurteilt. Weil die Zeitung “Cumhuriyet” Waffenlieferungen der Türkei an Extremisten in Syrien aufdeckte, musste sich der Chefredakteur vor Gericht verantworten. Ihm wurde Unterstützung einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Deutsche und britische Diplomaten, die diesen Prozess verfolgten, wurden von Erdogan kritisiert.

Das Satiremagazin “extra 3” bedankte sich bei Erdogan für die unfreiwillige Werbung folgendermassen:

Und sollte der deutsche Botschafter erneut nach Ankara zitiert werden, sollte er der türkischen Regierung und Erdogan vielleicht mal den Streisand-Effekt erklären.

(rr)


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