Deutsch-türkischer Schlepperring zerschlagen

Flüchtlinge drängen sich auf einem Boot vor der griechischen Küste. Deutschen und türkischen Ermittlern ist ein Schlag gegen Schlepper gelungen, die Flüchtlinge auf schrottreifen Booten nach Europa schickten. (Archiv)
Flüchtlinge drängen sich auf einem Boot vor der griechischen Küste. Deutschen und türkischen Ermittlern ist ein Schlag gegen Schlepper gelungen, die Flüchtlinge auf schrottreifen Booten nach Europa schickten. (Archiv) © KEYSTONE/AP/SANTI PALACIOS
Deutsche und türkische Ermittler haben bei einem gemeinsamen Grosseinsatz einen Schlepperring zerschlagen. Die Schlepper sollen Flüchtlinge auf schrottreifen Schiffen aus der Türkei ohne Besatzung Richtung Griechenland und Italien geschickt haben.

Es handle sich um den bisher grössten Fall organisierter Schlepperkriminalität, sagte der Präsident des Bundespolizeipräsidiums, Dieter Romann, am Mittwoch im deutschen Potsdam.

Laut Romann hatten die Schleuser insgesamt 1766 Menschen “in die Frachträume von abgetakelten und schrottreifen Frachtschiffen” gepfercht. Dann seien die Schiffe ohne Besatzung losgeschickt worden – den Tod der Menschen an Bord hätten die Schleuser dabei in Kauf genommen.

4500 bis 6000 Dollar pro Flüchtling

Pro Flüchtling seien 4500 bis 6000 Dollar bezahlt worden. “Das ist ein Bruttoreinerlös für die Schlepper in Höhe von etwa 9,5 Millionen US-Dollar”, sagte Romann. Es sei den Schleppern nur ums Kasse machen gegangen. “Wir haben es hier mit einer menschenverachtenden internationalen Form organisierter Kriminalität zu tun.”

Nach Darstellung der Bundespolizei warben die Schlepper im Internet für die Flucht mit den schrottreifen Schiffen über das Mittelmeer mit Texten wie diesem: “Grosses Schiff, 75 Meter lang, von Mersin nach Italien, Direktreise. Unterkunft im Hotel bis zum Reisestart. Preis 6000 Dollar. Reisedauer eine Woche.”

30 Festnahmen in der Türkei

Am Mittwochmorgen wurden den Angaben zufolge bei einem zeitgleichen Vorgehen der deutschen und der türkischen Polizei in Deutschland fünf Tatverdächtige festgenommen. In der Türkei gab es 30 Festnahmen. Darunter ist auch der Hauptbeschuldigte, der in der türkischen Hafenstadt Mersin gefasst wurde.

Hauptsächlich Syrer festgenommen

In Deutschland wurden in Lübeck, Berlin, bei Regensburg sowie in Hannover Haftbefehle vollstreckt. Bei den in Deutschland festgenommenen Tatverdächtigen, die vorwiegend der Führungsebene des Schlepperrings angehört haben sollen, handelt es sich nach Polizeiangaben überwiegend um Syrer mit Aufenthaltsgestattungen im Asylverfahren.

Die zentralen Ermittlungen des Bundespolizeipräsidiums hatten den Angaben zufolge vor einem Jahr unter Leitung der Generalstaatsanwaltschaft Dresden begonnen. Den Verdächtigen drohen zehn Jahre Gefängnis.

De Maizière: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist nötig

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière erklärte in Berlin, nur ein “ganzheitliches und internationales Vorgehen” könne “dem menschenverachtenden Treiben der Schlepperbanden ein Ende setzen”.

Die Operation zeige, “dass eine enge grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden eine der wesentlichen Stellschrauben zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität ist”.

Der Leiter der türkischen Generalsicherheitsdirektion, Mehmet Cemalettin Lekesiz, sprach in Potsdam von einem klaren Signal an organisierte Kriminelle, die von den Krisen im Nahen Osten zu profitieren versuchten.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen