“Es ist eine Tragödie”

Es war eine schöne Idee: das Klanghaus am Schwendisee oberhalb von Wildhaus.
Es war eine schöne Idee: das Klanghaus am Schwendisee oberhalb von Wildhaus. © pd
Gestern hat der St.Galler Kantonsrat das Klanghaus Toggenburg beerdigt. Die Enttäuschung ist gross. Der Konflikt zwischen dem Toggenburg und dem Linthgebiet bricht wieder auf. 

Mathias Müller, Präsident der Stiftung Klangwelt Toggenburg, sprach gestern zu FM1Today von einem “schlechten Scherz”. Regierungsrat Martin Klöti ist auch am Tag nach der denkwürdigen Abstimmung konsterniert. “Wir befinden uns in Schockstarre. Aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand.” Und Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt.St.Johann, versteht es nicht: “Wie kann man einer Region, in der kaum Impulse möglich sind, solch eine Chance verwehren?”

“Nachtreten” des Linthgebiets

Man spürt es überall: Der Schock sitzt tief. “Es ist eine Tragödie für unsere Gemeinde im Besonderen und für das ganze Toggenburg”, sagt Züllig. Er findet es “tragisch, dass eine so wichtigen Vorlage  gebodigt wird, indem man der Schlussabstimmung fernbleibt”.Er geht noch weiter und kritisiert die SVP und die Parlamentarier aus dem Linthgebiet. Die SVP habe mit ihrem Gerede, der Kanton sei pleite, das Projekt aus dem falschen Grund abgelehnt. Und der Disput zwischen dem Toggenburg und dem Linthgebiet ist mit dem Streit um den Standort einer Kantonsschule gewachsen – das Linthgebiet hatte damals das Nachsehen, das Toggenburg mit Wattwil die Nase vorn. “Im Fussball spricht man von Nachtreten”, so Rolf Züllig.

Wie es nun weitergeht, weiss Züllig nicht. “Vielleicht muss man akzeptieren, dass eine faszinierende Idee gestorben ist?”

Das Thema des Nachtreten hat auch die SP-Grüne-Fraktion aufgenommen. In einem Communiqué kritisiert sie diese “regionalpolitischen Spielchen”, weil Kantonsräte aus dem Linthgebiet fast geschlossen gegen das Klanghaus gestimmt hätten.

Der GLP-Kantonsrat Nils Rickert aus Rapperswil-Jona hingegen bestreitet, dass es solche Absprachen gab. Die Theorie gebe es schon länger, wehrt er ab.

Die Fraktion habe stets Nachbesserungen und eine Beteiligung der Region an den Kosten verlangt. Doch dies habe Regierungsrat Klöti verhindert, indem er die Geldsammlung zur Chefsache erklärt und den Mindestbeitrag auf 250’000 Franken festgesetzt habe.

“Ein Rückschlag, nicht das Ende”

Konkretes zu neuen Plänen kann auch Regierungsrat Martin Klöti nicht sagen, doch schaut er vorwärts: “Es ist ein Rückschlag in einem Projekt, mit dem wir gut unterwegs waren, das viel Mut machte im Toggenburg und mit dem schweizweit etwas Einzigartiges am Entstehen war. Jetzt erleben wir einen Rückschlag. Aber nicht das Ende.” Ähnliches habe er mit dem Fischereizentrum in Steinach mitgemacht. Auch dort fiel das Projekt in der Schlussabstimmung durch. Ein halbes Jahr später aber sagte der Kantonsrat Ja zu einer angepassten Vorlage. Jetzt müsse man über die Bücher und analysieren, weswegen das Klanghaus scheiterte.

Falscher Zeitpunkt?

Vielleicht sei es auch einfach der falsche Zeitpunkt gewesen, so Klöti. Am Sonntag zuvor war er souverän wieder in die Regierung gewählt worden. “Vielleicht habe ich ein zu gutes Wahlergebnis gehabt, andere ein zu schlechtes. Das hallt halt ein paar Tage nach. Darum war es vielleicht nicht der optimale Zeitpunkt für eine Abstimmung, bei der ich zuvorderst stand.” Ihm tue es vor allem für die Menschen leid, die sich seit über zehn Jahren für das Klanghaus engagiert haben.

Auch in den sozialen Medien teilen die Menschen ihr Bedauern über die deutliche Abfuhr, etwa auf dem Profil von Mathias Müller:

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Die Bestürzung in den sozialen Medien ist gross.


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