Start der Raumsonde ist geglückt

Die ExoMars ist von Baikonur auf ihre achtmonatige Reise Richtung Mars gestartet.
Die ExoMars ist von Baikonur auf ihre achtmonatige Reise Richtung Mars gestartet. © Keystone (AP Photo/Dmitri Lovetsky)
Auf der Suche nach Spuren von Leben auf dem Mars haben die Europäische Raumfahrtagentur Esa und ihr russischer Partner Roskosmos gemeinsam eine Sonde ins All geschossen. Die Proton-M-Rakete hob am Montag planmässig vom russischen Kosmodrom Baikonur in Kasachstan ab.

Damit geben ESA und Roskosmos den Startschuss für ihr mehrere Milliarden Euro teures Projekt ExoMars.


“Das ist ein ganz wichtiger Schritt”, sagte ESA-Chef Jan Wörner gegenüber der Nachrichtenagentur dpa vor dem Countdown in Baikonur. Trotz der Verstimmungen zwischen Russland und dem Westen etwa wegen der Ukraine-Krise zeige die Raumfahrt, dass eine professionelle Kooperation möglich sei. “Auch wenn es politisch eng wird, haben wir Themen der Zusammenarbeit”.

Die russische Proton-Rakete brachte einen Forschungssatelliten und ein Testlandemodul ins All. Der Satellit Trace Gas Orbiter (TGO) soll künftig unter anderem die Zusammensetzung der Mars-Atmosphäre analysieren. Die Landeeinheit “Schiaparelli” soll nach Plan am 19. Oktober auf dem Nachbarplaneten aufsetzen. Für die ESA wäre dies die erste Mars-Landung seit ihrer Gründung 1975.

Die ersten drei Stufen der Trägerrakete wurden innerhalb weniger Minuten erfolgreich abgestossen, wie das Raumfahrtkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt mitteilte. Die vierte und letzte Antriebsstufe sollte am Montagabend abgetrennt werden, bevor die Sonde ihre Solarmodule ausklappt und eigenständig Kurs auf den Mars nimmt.

Berner Kamera mit dabei

Mit an Bord der Sonde ist auch die Berner Kamera “CaSSIS”, welche die Oberfläche des roten Planeten unter die Lupe nehmen wird, um nach Hinweisen auf flüssiges Wasser und Quellen von Spurengasen zu suchen. CaSSIS-Projektleiter Nicolas Thomas von der Universität Bern wohnte dem Raketenstart in Baikonur bei.

“Ein unglaubliches Erlebnis! Sie können sich nicht vorstellen, was für ein Lärm das war”, sagte Thomas gegenüber der Nachrichtenagentur sda. “Wir haben unsere Kamera vielen Tests unterzogen, ob sie den Vibrationen beim Start standhält. Jetzt weiss ich, warum!”

Die Kamera wurde in Rekordzeit gebaut, während 23 Monaten anstatt der sonst für solche Projekte üblichen 38 Monate. “Wir haben getan, was wir konnten, und die Vibrationskräfte getestet, die uns gesagt wurden.” Die Kamera hätte wohl sogar noch grössere Belastung ausgehalten, so Thomas. Aber die schiere Gewalt dieses Raketenstarts mitzuerleben sei sehr eindrücklich gewesen.

Am Abend erste Signale

“Wir erwarten das erste Signal, ob alles okay ist, um 22.29 Uhr Schweizer Zeit”, sagte der ebenfalls am CaSSIS-Projekt beteiligte Ramy El-Maarry von der Universität Bern der sda. Ob die Kamera den Start überstanden hat und voll funktionstüchtig ist, wird das CaSSIS-Team jedoch erst Mitte April wissen.

Der Start galt als eine erste schwierige Hürde auf dem siebenmonatigen Flug. Doch gefährliche Momente warten noch viele, in denen die Experten nur einen Versuch haben, damit die Mission gelingt: So könnte etwa das Ausfahren der Soldarmodule scheitern, auch der Eintritt in den Marsorbit gilt als heikel.

Allein bei der Landung der Testeinheit “Schiaparelli” könne einiges schief gehen, sagte der Chef des ESA-Flugbetriebs, Paolo Ferri.
(SDA)


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