Expo-Planung hat vollkommen versagt

Von Marco Latzer
Abstrakt im Quadrat: Die Expo 2027 vermochte beim Stimmbürger nicht zu punkten.
Abstrakt im Quadrat: Die Expo 2027 vermochte beim Stimmbürger nicht zu punkten.
Die Message vom Urnengang ist eindeutig: Wir wollen keine Expo in der Ostschweiz. Das Prestigeprojekt dürfte nicht nur an den hohen Kosten gescheitert sein. Letztlich war es einfach zu vage formuliert und damit zu weit vom wenig spendierfreudigen Steuerzahler entfernt. Eine Einschätzung.

Die Kultur hat in der Ostschweiz keinen einfachen Stand. Diesen Verdacht untermauert das Nein zum Expo-Planungskredit. Nach dem Klanghaus im St.Galler Parlament wird jetzt auch die geplante Landesausstellung vom Stimmvolk versenkt.

Das Fazit ist relativ simpel: Die Vorlage war einfach zu abstrakt. 12 Millionen Franken wollten Appenzell Ausserrhoden, St. Gallen und der Thurgau in die Hand nehmen, um nur einmal die Machbarkeit einer Expo zu prüfen. Erst zu einem späteren Zeitpunkt wäre das fertig ausgearbeitete Projekt vor das Volk gekommen.

Dabei stand der Weg für das Ja-Lager im Vorfeld eigentlich offen wie ein Scheunentor: Angesehene Politiker jeglicher Couleur machten sich für eine Annahme des Planungskredits stark. Die grossen Parteien standen hinter der Idee. Und das Nein-Lager schien weniger Gegenwind als ein laues Lüftchen zu produzieren (als vehementeste wurde SVP-Frau Esther Friedli wahrgenommen). Und trotzdem brachten die Befürworter ihr “Baby” nicht durch.

Chancen verpasst

Nach jahrelanger Vorarbeit hatten die Initianten im Vorfeld der Abstimmung nach einem Projektwettbewerb nur Leitideen und Gedanken ausformuliert, präsentierten auch mit Bildern keine klare Botschaften. Dabei hätten permanente Attraktionen, die auch nach Ausstellungsende bestehen bleiben, durchaus den oftmals biederen Ostschweizer Tourismus ankurbeln, lokales Gewerbe hätte von den Aufträgen profitieren können. Und der Lokalpatriotismus wäre in neue Sphären katapultiert worden. Hier hätten die Initianten den Hebel ansetzen müssen.

Auch weil die Projektgegner vor allem mit den hohen Kosten argumentiert haben. Zur Erinnerung: Eine Milliarde hätten bei der Realisierung die drei Ostschweizer Veranstalter (SG, TG, AR), eine weitere Milliarde der Bund in die Hand nehmen müssen. “Zu teuer”, war das Hauptargument schon bei der Abstimmung zum Planungskredit. Das Nein-Komitee hatte selbst aber auch keine greifbare Vision präsentiert, wie man die Region nachhaltig entwickeln und die Wirtschaft ankurbeln könnte. Eine verpasste Chance seitens der Befürworter.

Viel zu abstrakt

Stattdessen wurden die Pläne eifrig in bestem Kulturellendeutsch vorgetragen, Lichtjahre vom Stimmbürger entfernt. Eine kleine Kostprobe von der offiziellen Expo-Homepage: “Anstatt Inhalte nur auf speziell angelegten Arealen zu verdichten, macht diese Expo Inhalte vor Ort erreichbar. Denn die technologische Pastorale der Ostschweizer Kulturlandschaft ist ein Mosaik von verschiedensten Geschichten auf kleinstem Raum.”

Schwammigkeit im Quadrat statt konkrete Ideen mit richtigem Nutzen. So lässt sich keine Abstimmung gewinnen. In anderen Belangen ist die Bevölkerung nämlich durchaus spendierfreudig. Sei es bei Geldern für neue Spitäler oder Schulhäuser; auch wenn hierfür Dutzende oder in ersterem Fall gar hunderte Millionen locker gemacht werden müssen. Die Stimmbürger scheinen darin einen viel grösseren Nutzen zu sehen, obwohl auch hier Standort- und Kostenfragen jeweils keineswegs unumstritten sind. Bloss erschliesst sich einem der Nutzen einfach besser, wenn über Klassenzimmer, OP-Säle und nicht – wie in der aktuellen Vorlage – über mehrere “dezentrale Spielorte und Tanzböden mit Bezug zum Berg und zueinander permanent oder temporär bespielt” in der Appenzeller Berglandschaft votiert wird.

Wo soll die nächste Expo stattfinden?

Die Idee von einer Expo 2027 dürfte damit vom Tisch sein. Nach der deutlichen Ablehnung in St.Gallen und im Thurgau dürfte eine Landesausstellung in der Ostschweiz ins Reich der Utopien verfrachtet werden. Das ist insofern etwas ärgerlich, weil es nur eine Frage der Zeit sein dürfte, bis eine entschlossenere Region in die Bresche springt und auch die entsprechenden Abstimmungen gewinnt. Dann würde die Ostschweiz bei einem Ja ebenfalls ihren finanziellen Anteil leisten müssen, auch wenn die grosse Sause weit, weit von ihr entfernt stattfindet.


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