Fabien Martin soll die Schweizer Frauen 2020 nach Tokio führen

Leistungsträgerin mit Erfahrung: Giulia Steingruber kommt auch unter Fabien Martin eine wichtige Rolle im Schweizer Frauen-Team zu
Leistungsträgerin mit Erfahrung: Giulia Steingruber kommt auch unter Fabien Martin eine wichtige Rolle im Schweizer Frauen-Team zu © KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Mit dem Abgang von Trainer Zoltan Jordanov endete in Magglingen die bislang erfolgreichste Ära im Schweizer Frauen-Kunstturnen. Nachfolger Fabien Martin soll nun der nächste Schritt gelingen.

Seit gut 100 Tagen steht Fabien Martin als Cheftrainer der Frauen-Nationalmannschaft in der Verantwortung.Das gesteckte Ziel ist hoch: Der Neue soll die erstmalige Olympia-Qualifikation einer Schweizer Frauen-Mannschaft bewerkstelligen. Der Start in die neue Ära ist geglückt, sowohl die Verantwortlichen als auch die Athletinnen äussern sich positiv. «Es herrscht eine andere, weniger hierarchische Mentalität», sagt Ilaria Käslin, hinter der rekonvaleszenten Giulia Steingruber die Nummer 2 im Team. «Es wird mehr und individueller kommuniziert.»

Für den 41-jährigen, in Lille an der belgischen Grenze aufgewachsenen Martin ist die Kommunikation der Schlüssel zum Erfolg. «Ich will, dass das neue Projekt ein Projekt der Mädchen wird. Sie sollen dafür verantwortlich sein.» Dem neuen Cheftrainer schwebt ein System vor, dass langfristig Erfolg bringt. «Es bringt nichts, nach jedem Zyklus wieder neu anzufangen.» Auch die Trainer in den regionalen Leistungszentren und sowie der Nationalmannschaft der Juniorinnen kennen Martins Anforderungen an die Athletinnen in den kommenden Jahren. «Alle wissen, wie der Weg aussieht», sagt Felix Stingelin, der Chef Spitzensport im STV.

Dass sich Geduld und langfristige Planung auszahlen, weiss der Verband aus eigener Erfahrung. Die Schweizer Männer ernten derzeit die Früchte der langjährigen Aufbauarbeit unter Bernhard Fluck. «Nicht, dass diese Zielsetzung bei den Frauen neu wäre», so Stingelin. Verschiedene Gründe hätten in der Vergangenheit aber dazu geführt, dass eine Olympia-Teilnahme mit dem Frauen-Team nicht zu realisieren gewesen sei.

Martin hatte sich als langjähriger Assistent selbst als Nachfolger von Zoltan Jordanov ins Spiel gebracht. «Er war schon vorher ein wichtiger Pfeiler im Hintergrund gewesen, der in der Öffentlichkeit allerdings kaum wahrgenommen wurde», sagt Stingelin. Zudem sei Martin, der 2005 vom französischen Verbandszentrum in Marseille zum STV stiess, gegenüber dem Verband immer loyal gewesen – auch in schwierigen Zeiten. Letztlich überzeugte der Franzose aber mit seinen Ideen und Fähigkeiten als Coach die Verantwortlichen, ihm das Vertrauen zu schenken.

Wichtigster Baustein auch in Martins Puzzle bleibt Giulia Steingruber, die bis zu den Olympischen Spielen 2020 weitermachen will. Nicht nur die sportliche Stärke der fünffachen Europameisterin und Olympia-Bronzemedaillengewinnerin am Sprung ist auf dem Weg nach Tokio gefragt, sondern auch die Persönlichkeit und Erfahrung der 23-jährigen Ostschweizerin. In seiner 20-jährigen Trainerlaufbahn habe er noch nie eine solche Athletin erlebt, sagt Martin über seine Teamleaderin. «Sie ist eine sehr starke Persönlichkeit.» Wenige Tage nach ihrer Fuss-Operation sei Steingruber bereits wieder in Magglingen aufgetaucht. «Sie ist schlicht sensationell.»

Für eine Mannschaft sei es wichtig, eine reifere Athletin in den Reihen zu haben. Für die jungen Athletinnen ist Steingruber das grosse Vorbild, an ihr orientieren sie sich. «Wenn sie in der Halle etwas sagt, dann hören ihr alle gebannt zu», sagt Martin. Ihre Medaillen inspirieren, ihre Erfolge motivieren. «Sie hat gezeigt, dass man auch aus einem kleinen Land wie der Schweiz eine Olympia-Medaille gewinnen kann», sagt die 17-jährige Thea Brogli.

Im Schatten Steingrubers wächst eine junge, talentierte Generation heran, welche den STV von der erstmaligen Olympia-Teilnahme mit dem Team träumen lässt. Lynn Genhart gewann im vergangenen Jahr in Bern Silber im Mehrkampf bei den Juniorinnen. Und auch die derzeit verletzte Livia Schmid – wie Genhart feiert auch sie im Herbst erst ihren 16. Geburtstag – ist ein Versprechen für die Zukunft. Dass interne Konkurrenz das Geschäft belebt, ist seit Jahren bei den Männern zu beobachten. «In diesem Zyklus haben wir deshalb erstmals eine reelle Chance, uns auch bei den Frauen mit dem Team für Olympische Spiele zu qualifizieren», so Stingelin.

(SDA)


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