Fährfrau: «Können den Tod nicht üben»

Der Tod hat auch etwas Erlösendes, findet Fährfrau Martina Kühl.
Der Tod hat auch etwas Erlösendes, findet Fährfrau Martina Kühl. © zVg/Susanne Seiler
Als Fährfrau begleitet Martina Kühl Menschen durch Abschied, Tod und Trauer. Bei «Gott und d’Wält» erklärt sie, weshalb sie dieser besonderen Tätigkeit nachgeht.

Fährfrau wurde Martina Kühl, nachdem sie in ihrer Kindheit erlebte, wie Verstorbene verschwanden. «Niemand sprach über den Tod und ich habe mich nicht getraut, nach den verstorbenen Menschen zu fragen», erzählt sie FM1-Pfarrerin Charlotte Küng. Die ausgebildete Pflegefachfrau fühlte sich mit dem Thema alleine, bis sie den Fährfrauen begegnete. «Ich merkte, dass man mit solchen Situationen ganz anders umgehen kann. Das war wohltuend.»

Hinterbliebenen Raum geben

Fährfrauen begleiten Menschen über den Fluss des Lebens. Seit zehn Jahren berät Martina Kühl Menschen, die sich Gedanken zum eigenen Sterben machen. Zu ihren Aufgaben gehört es ausserdem, die Toten zu waschen und sie gemeinsam mit den Angehörigen einzusargen. Die Hinterbliebenen unterstützen und ihnen den nötigen Raum geben, liegt ihr am Herzen.

«Ungewissheit passt nicht zu Lifestyle»

Die Gründe für die Angst vor dem Tod haben sich verändert, erklärt Marina Kühl aus Brugg im Kanton Aargau. «Die Bilder von Himmel und Hölle verabschieden sich, nur noch einige ältere Personen glauben an solche Schauergeschichten.» Es sei die Ungewissheit, die viele verunsichert. «Abhängig zu sein, Schmerzen zu haben und loszulassen können wir nicht üben.» Es passe nicht zum Lifestyle, wenn man Abschied nehmen müsse, ohne zu wissen, was nach dem Tod geschieht.

«Herz hört etwas Anderes»

Martina Kühl ist der Meinung, dass der Tod auch etwas Erlösendes, Ruhiges hat. Für Sterbende da zu sein, erscheint ihr wichtig – auch wenn man das Gefühl hat, dass sie einen nicht mehr hören können. «Das Herz hört etwas Anderes. Die Ahnenwelt ist stark von Ahnungen geprägt.»

Die ganze «Gott und d’Wält»-Ausgabe zum Nachhören:

(lag)


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