Fälle von Muslimfeindlichkeit haben 2015 zugenommen

Muslime waren 2015 häufiger mit Diskriminierung konfrontiert als noch im Vorjahr. Darauf lässt eine Zunahme der Beratungsfälle wegen Muslimfeindlichkeit schliessen. (Symbolbild)
Muslime waren 2015 häufiger mit Diskriminierung konfrontiert als noch im Vorjahr. Darauf lässt eine Zunahme der Beratungsfälle wegen Muslimfeindlichkeit schliessen. (Symbolbild) © KEYSTONE/SALVATORE DI NOLFI
Beratungsstellen haben 2015 eine Zunahme von Diskriminierungen gegenüber Muslimen verzeichnet. Vor allem die Terroranschläge im Namen des sogenannten Islamischen Staates (IS) waren laut dem Beratungsnetz für Rassismusopfer häufig Grund für ablehnende Reaktionen.

Dazu kommen Migrationsbewegungen und die Krise in Syrien, wie es im Monitoringbericht 2015 zu Rassismusvorfällen aus der Beratungspraxis heisst. Die 18 im Beratungsnetz zusammengeschlossenen Beratungsstellen verzeichneten 53 Fälle von Muslimfeindlichkeit, 11 Prozent mehr als 2014.

Das meist genannte Tatmotiv für die Diskriminierung ist wie bereits im Vorjahr generelle Ausländerfeindlichkeit. Danach folgt mit 60 Nennungen Rassismus gegen Schwarze, wie die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus (EKR) am Dienstag mitteilte.

Die meisten erfassten Fälle von Diskriminierung betreffen denn auch Menschen mit afrikanischer Herkunft, obwohl diese in der Schweiz nur einen relativ kleinen Anteil der Bevölkerung ausmachen. Ausschlaggebend für eine Diskriminierung sei erfahrungsgemäss die vermutete beziehungsweise zugeschriebene Herkunft, heisst es.

Insgesamt zählt der Bericht 239 Beratungsfälle von rassistischer Diskriminierung. Dazu kommen 72 Meldungen ohne Anspruch auf Beratung, wozu etwa anonyme Briefe zählen, sowie 89 subjektiv wahrgenommene, aber nicht genügend erhärtete Diskriminierungen.

Hohe Dunkelziffer vermutet

Der Verein humarights.ch trug die Fälle aus der Beratungspraxis zusammen und wertete sie gemeinsam mit der EKR aus. Die Beratungsstellen bieten allgemeine Auskunft, psychosoziale Unterstützung, Rechtsberatung für die Betroffenen und Hilfe bei der Konfliktbewältigung an.

Da über das Beratungsnetz aber nur ein kleiner Teil aller schweizweit verfügbarer Beratungsstellen abgedeckt wird, erhebt der Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zudem gehen die Autoren des Bericht davon aus, dass die Mehrzahl der rassistischen Vorfälle in der Schweiz gar nicht gemeldet wird.

Am häufigsten mit Diskriminierungen konfrontiert sind die Ratsuchenden nach wie vor in der Arbeitswelt, also am Arbeitsplatz oder auf der Suche nach einer Stelle. 2015 wurden diesbezüglich 47 Beratungsfälle gezählt. Im Vergleich zum Vorjahr zugenommen haben Diskriminierungen in der Nachbarschaft oder im Quartier. Mit 36 Fällen stiegen die Beratungsfälle um 15 Prozent an.

Die meisten Diskriminierungsfälle wurden im Bereich der Verständigung untereinander gemeldet. Den grössten Teil davon machen mit 68 Fällen Beschimpfungen aus, danach folgen Verleumdungen und Drohungen. Aber auch Diskriminierungen durch Ausgrenzung, Benachteiligung und herabwürdigende Behandlungen werden häufig gemeldet.

Ethnisches Profiling beschäftigt EKR

Neu weist der Jahresbericht auch die Rubrik ethnisches Profiling aus. Damit sind Verdächtigungen von Polizei- oder Grenzschutzbeamten aufgrund der Hautfarbe gemeint. Die Beratungsstellen verzeichneten 16 Beratungsfälle dazu.

Sowohl das ethnische Profiling sowie die Muslimfeindlichkeit seien Bestandteil des Arbeitsprogramms der Kommission gegen Rassismus in der laufenden Legislatur, schreibt Kommissionspräsidentin Martine Brunschwig Graf im Vorwort zum Monitoringbericht.

(SDA)


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