Fahrzeug rammt Moschee-Besucher in London – ein Toter und Verletzte

Polizisten im Einsatz nach der Wahnsinnstat am Londoner Borough Market: In der Nacht auf Montag ist in der britischen Metropole erneut ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. (Archivbild)
Polizisten im Einsatz nach der Wahnsinnstat am Londoner Borough Market: In der Nacht auf Montag ist in der britischen Metropole erneut ein Auto in eine Menschenmenge gefahren. (Archivbild) © KEYSTONE/AP Gabriele Sciotto
In London hat in der Nacht auf Montag ein Kleintransporter mehrere Fussgänger angefahren und verletzt. Ein Mann starb. Die Polizei nahm eine Person fest. Der Vorfall ereignete sich nahe einer Moschee im Stadtteil Finsbury Park. Die Hintergründe waren zunächst unklar.

Laut Polizeiangaben starb ein Mann noch am Ort des Geschehens. Acht Personen seien ins Spital eingeliefert worden, teilten die Rettungskräfte mit. Die Anti-Terror-Polizei leite die Ermittlungen. Der Bürgermeister von London, Sadiq Khan, nannte den Vorfall eine «schreckliche Terroristenattacke». Auch May sagte, der Vorfall werde als «potentieller Terrorakt» behandelt. Zurzeit ist der Hintergrund der Tat allerdings noch unklar.

Polizei nennt Vorfall eine Terrorattacke

Ein Sprecher der Londoner Metropolitan Police, Neil Basu, nahm am Montagvormittag Stellung zu den Ereignissen. Die Attacke werde als Terroranschlag behandelt, sagte er vor den Medien.

Der Vorfall werde weiter untersucht und die Gedanken der Polizei seien bei den Opfern, sagt Basu weiter.

Britische Politiker nehmen Anteil

Premierministerin Theresa May sprach von einem «schrecklichen Vorfall». Ihre Gedanken seien bei den Opfern und deren Angehörigen. Jeremy Corbyn von der oppositionellen Labour-Partei twitterte, er sei «total schockiert». Er habe bereits mit Vertretern der Moschee und der Polizei gesprochen, sagte der Vorsitzende der Sozialdemokraten. Seit 1983 sitzt Corbyn für den Londoner Wahlkreis Islington North im Unterhaus. Islington ist ein Ortsteil von Nordlondon.

Zusammenstoss zwischen Fahrzeug und Fussgängern

Notrufe seien kurz nach Mitternacht (01.20 Uhr MESZ) eingegangen, die einen «Zusammenstoss zwischen einem Fahrzeug und Fussgängern» gemeldet hätten, teilte die Polizei mit. Der Stadtteil Finsbury Park liegt im Nordosten der britischen Hauptstadt. Die Polizei riegelte die Gegend um die Seven Sisters Road, wo das Fahrzeug in die Menschen fuhr, ab.

Der Islamdachverband Muslim Council of Britain (MCB) teilte auf Twitter mit, dass ein Lieferwagen Gläubige überfahren habe, als sie die nahe gelegene Moschee im Stadtteil Finsbury Park am verlassen hätten. «Unsere Gebete gelten den Opfern», twitterte der MCB.

MCB-Verbandschef Harun Khan schrieb bei Twitter, der Lieferwagen habe die die Fussgänger «absichtlich» angefahren. Die Moschee war früher als eine Anlaufstelle für Islamisten bekannt. Als Imam der Moschee von Finsbury Park hatte der in einem US-Terrorprozess zu lebenslanger Haft verurteilte Abu Hamza gewirkt. Hamza hielt in dem Gotteshaus in den neunziger Jahren radikalislamische und antiamerikanische Brandreden. Die neue Moschee-Leitung hatte in der Vergangenheit Drohungen erhalten.

Muslime befinden sich Monat Ramadan

Noch bis zum 24. Juni geht in diesem Jahr der muslimische Fastenmonat Ramadan. Die Ramadan-Stiftung brachte den blutigen Vorfall nahe der Moschee in Verbindung mit Islamhass. Mohammed Shafiq von der muslimischen Organisation sagte in der Nacht: «Ich verurteile diese sinnlose und böse Attacke mit einem Lieferwagen gegen muslimische Gläubige ausserhalb der Finsbury-Park-Moschee in London.»

Der Islamhass habe in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, sagte Shafiq der britischen Nachrichtenagentur PA. Ein Sprecher von Scotland Yard sagte dem US-Nachrichtensender CNN hingegen, es sei noch zu früh, um zu entscheiden, ob es sich um einen Terrorangriff handle.

Augenzeugen berichten via Twitter

Eine Augenzeugin, Cynthia Vanzella schilderte bei Twitter ihre Eindrücke vom Unglücksort: «Schrecklich Polizisten zu sehen, die Herzmassagen bei am Boden liegenden Menschen machen, verzweifelt hoffend, sie zu retten.» «Es gibt viele Menschen, die weinen und viele Verletzte», sagte ein anderer Zeuge, David Robinson. «Es scheint so, als sei die Moschee das Ziel gewesen.» Ein 19-Jähriger beschrieb das Unfallfahrzeug als «weissen Lieferwagen mit drei Männern an Bord».

Die Londoner Einsatzkräfte seien vor Ort im Einsatz, diverse Dienste teilen ihren Einsatz via Twitter mit.

 

Drei Anschläge in Grossbritannien

Grossbritannien wurde zuletzt von drei Anschlägen erschüttert. Am 22. März war ein Mann mit einem Auto auf der Westminster Bridge in eine Menschenmenge gefahren, bevor er einen vor dem Parlament stationierten Polizisten mit einem Messer tötete. Insgesamt fünf Menschen wurden bei dem Anschlag getötet. Der Angreifer wurde erschossen.

Am 22. Mai sprengte sich ein Attentäter bei einem Konzert der Popsängerin Ariana Grande in Manchester in die Luft. 22 Menschen wurden getötet und dutzende verletzt. Am 3. Juni rasten drei Männer mit einem Kleinlastwagen in Fussgänger auf der London Bridge in der britischen Hauptstadt. Anschliessend griffen sie Passenten im Viertel um den Borough Market mit Messern an. Acht Menschen wurden getötet. Die Polizei erschoss die Angreifer.

(SDA/red)


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