Falsche Polizisten betrügen Bündner Oma

Von Laurien Gschwend
Fällt man auf die Trickbetrügerei rein, kann man Tausende Franken verlieren.
Fällt man auf die Trickbetrügerei rein, kann man Tausende Franken verlieren. © KEYSTONE/Symbolbild
Trickbetrüger nutzen neuerdings das Vertrauen der Leute in die Polizei aus. Sie geben sich als Polizisten aus und überreden ihre Opfer, ihnen eine grössere Summe Geld zu überweisen – angeblich als Schutz vor Enkeltricks oder Telefonbelästigung.

Vergangene Woche ereignete sich im Kanton Graubünden ein solcher Fall. Ein hochdeutsch sprechender Mann rief eine Seniorin an und erklärte ihr, es laufe eine schweizweite Aktion gegen Enkeltrickbetrüger. Der angebliche Polizist bat sein Opfer, ihm doch eine grössere Menge Geld zu übergeben, damit dieses nicht geklaut werde. Bei der Polizei sei es schliesslich sicher.

Trickbetrüger warnen vor Trickbetrügern

Was die ältere Frau in diesem Moment nicht merkte: Derjenige Mann, der sie vor dem Schwindel warnte, war selber ein Trickbetrüger. “Er übte Druck auf die Seniorin aus und rief täglich mehrmals an”, schildert Anita Senti, Sprecherin der Kantonspolizei Graubünden, die Situation. Irgendwann brachte er sein Opfer dazu, 45’000 Franken abzuheben. Ein Freund des Betrügers, angeblich ebenfalls Kriminalpolizist, holte die grosse Summe Geld am nächsten Tag bei der Frau ab.

Angebliche Umfrage wegen Telefonbelästigung

Auch andere Polizeikorps hatten bereits mit ähnlichen Fällen zu tun. So beispielsweise die Landespolizei im Fürstentum Liechtenstein. Die Opfer seien von einem Betrüger kontaktiert worden, der sich als Beamter der Landespolizei ausgab – ebenfalls in deutschem Akzent. “Der unbekannte Mann gab dabei an, dass er eine Umfrage wegen Telefonbelästigung durchführen würde”, schreibt die Polizei in einer Mitteilung. Die Absicht des Anrufers: Details zum Inhaber des jeweiligen Kontos und zu den Geldbewegungen in Erfahrung bringen. “In der vergangenen Woche sind gleich mehrere Hinweise auf die neue Masche eingegangen”, sagt Mediensprecherin Sibylle Marxer gegenüber FM1Today.

Keine Deutschen bei der Kapo Graubünden

Sowohl die Kantonspolizei Graubünden als auch die Liechtensteiner Landespolizei warnen vor den angeblichen “Polizisten”. Aber wie merkt man überhaupt, dass es sich beim Anrufer um einen Betrüger handelt? Anita Senti rät, im Zweifelsfall sofort bei der Einsatzzentrale der Kantonspolizei Graubünden nach dem angeblichen Beamten zu fragen. “Ist uns der jeweilige Polizist nicht bekannt, so hat man sich selber vor Betrug geschützt”, sagt die Mediensprecherin. Wird man in Graubünden von einem deutschen Polizisten kontaktiert, so Senti, sei das ohnehin ein Grund zur Skepsis, “bei der Kapo Graubünden arbeiten keine Deutschen”.

“Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen”

Die Landespolizei des Fürstentums Liechtenstein rät, am Telefon niemals Auskünfte über finanzielle Verhältnisse zu geben. Bei einer konkreten Geldforderung solle man sofort Rücksprache mit Angehörigen halten. “Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen”, ergänzt die Polizei. Eigentlich logisch – aber im Moment des Betrugs nicht immer so klar. Die verschiedenen Polizeikorps arbeiten bei der Ermittlung von Trickbetrügern international zusammen.


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