FC Wil-Spieler verdiente 800’000 Franken

Sechs Angestellte weigern sich, einen Vertrag zu schlechteren Konditionen zu unterschreiben
Sechs Angestellte weigern sich, einen Vertrag zu schlechteren Konditionen zu unterschreiben © KEYSTONE/Walter Bieri
Beim FC Wil geht der Kampf ums Überleben weiter. Wie stark die Investoren den Club aufgeblasen haben, fällt immer mehr ins Gewicht. Nach dem Sportchefwechsel im September 2015 wurden horrende Summen an die Spieler gezahlt. Löhne, die sogar für die meisten Super League Clubs überrissen sind.

«Die Spielerlöhne beim FC Wil variierten zwischen 10’000 und 65’000 Franken pro Monat», sagt TVO Fussballexperte Dominic Ledergerber. Er führte am Freitag exklusive Interviews mit den Mitglieder der Task Force, rund um Präsident Roger Bigger. Diese Task Force versucht den Club vor dem Konkurs zu bewahren. Die Löhne, die in der türkischen Ära bezahlt wurden, sind sogar im Vergleich zur Super League unglaublich hoch.

Kontrolle hatte die Türkei

Das ganze Schlamassel begann mit dem Sportchefwechsel im September 2015, damals musste Erdal Keser gehen und Abdullah Cila übernahm das Ruder. Unter ihm wurden teils aberwitzige Löhne vertraglich vereinbart und von Investor Günal abgesegnet. «Cila hatte keine Ahnung was er tat», heisst es aus inneren Kreisen des FC Wil. Die ehemalige Clubleitung um Roger Bigger wusste zwar um die astronomischen Spielergehälter, konnte dagegen aber nichts unternehmen.

Lohnkürzungen von 90 Prozent

«Man kann sich das vorstellen wie eine Art Luftballon, es wurde immer mehr und mehr Kohle in den FC Wil gesteckt. Schon bald konnte er finanziell mit Top-Clubs wie dem FC Basel oder YB mithalten», sagt Ledergerber. Nun ist die Wiler Task Force mit der schwierigen Aufgabe betraut, die Luft sachte aus dem Ballon entweichen zu lassen, ohne dass dieser platzt. Mit einschneidenden Konsequenzen für die Spieler. Ihnen soll höchstens noch ein Lohn von 6000 Franken monatlich ausbezahlt werden. Das heisst, dass die Löhne der Spieler um bis zu 90 Prozent reduziert werden.

«Rund 15 der 30 Spieler möchten trotz Lohnkürzungen weiter für den FC Wil spielen», sagt ein Mitglied der Task Force gegenüber TVO. Den FC Wil definitiv verlassen werden Artus Karasausks und Igor Nganga, dies hat der FC Wil am Freitag mitgeteilt. Die beiden haben einem Vergleichsangebot zugestimmt und verlassen den FC Wil in gegenseitigem Einvernehmen per sofort. Karasausks erzielte in 13 Spielen drei Tore, Nganga kam zu 16 Einsätzen und erzielte dabei zwei Tore. Ob weitere Spieler folgen werden, ist noch nicht bekannt. Von einigen Top-Spielern fehlt noch das «Ok» und das kann schwerwiegende Konsequenzen haben: Falls die Spieler ihr Gehalt auf dem Rechtsweg einfordern sollten, könnte dies für den FC Wil das Ende bedeuten.

Bis Ende Monat müssen sich Spieler entscheiden

Die Task Force führt derzeit laufend Gespräche, um die Spieler von einem Verbleib in Wil zu überzeugen. Zudem soll das Vertrauen in Stadt und Region wieder hergestellt werden. Bis Ende Monat muss die Task Force die Entscheidung der Spieler haben, ob sie weiterhin zu einem tieferen Lohn für den FC Wil spielen. Am 28. Februar müssen die Januarlöhne gemäss Swiss Football League gezahlt sein. Sonst droht ein weiteres Verfahren, mit der möglichen Konsequenz eines eines Punkteabzuges.

Ein erstes Verfahren hat die Swiss Football League bereits heute eröffnet. Dieses hat aber nichts mit der aktuellen Clubführung zu tun. Das Verfahren läuft aufgrund des nicht bewilligten Eigentümerwechsels des Aktienpakets. Gemäss Artikel 8 des Lizenzreglementes erfordern erhebliche Veränderungen der Verhältnisse bei einem Lizenznehmer die Zustimmung der Lizenzbehörde. Unter diese Bestimmung fällt namentlich auch eine Änderung der Mehrheitsverhältnisse.

Immerhin ein paar Batzen ins Kässeli des FC Wil soll der morgige Match gegen den FC Zürich bringen.

 

(abl)


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