Feuerwerke bedeuten Stress für Wasservögel

Feuerwerk im Sommer wie zuletzt am Züri Fäscht Anfang Juli sind für Wasservögel problematisch: Scharenweise ergreifen sie die Flucht und lassen dabei teils ihre Jungen zurück. (Archivbild)
Feuerwerk im Sommer wie zuletzt am Züri Fäscht Anfang Juli sind für Wasservögel problematisch: Scharenweise ergreifen sie die Flucht und lassen dabei teils ihre Jungen zurück. (Archivbild) © KEYSTONE/WALTER BIERI
Nicht nur Hund und Katze geraten bei Feuerwerk in Panik. Auch Wasservögel ergreifen die Flucht, wie zwei Studien zeigen. Das 1.-August-Feuerwerk kommt für die Vögel dabei zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Böllerschüsse werden als akustische Vogelscheuchen eingesetzt: Besonders wenn sie selten und überraschend abgefeuert werden, vertreiben sie Vögel effektiv von Weinreben, Apfelplantagen und Flugplätzen, wie der Zürcher Ornithologe Martin Weggler in der Zeitschrift “Ornithologischer Beobachter” festhält. Selten und überraschend sind aber auch Silvester- und August-Feuerwerke.

Das Feuerwerk zum 1. August sei besonders problematisch, weil beispielsweise Haubentaucher und Reiherente zu dieser Zeit Junge haben oder – wie etwa die seltene Kolbenente – während der Mauser teils flugunfähig seien, teilte die Schweizerische Gesellschaft für Vogelkunde und Vogelschutz Ala am Montag mit.

Jungvögel seien besonders gefährdet, da sie durch die Störung von ihren Eltern getrennt und zum Beispiel von Hechten gefressen werden könnten, vermutet Weggler.

Um die Auswirkung von Feuerwerk auf die Wasservögel zu ergründen, beobachtete der Ornithologe in zwei aufeinanderfolgenden Jahren das Verhalten der Wasservögel vor und nach dem Grossfeuerwerk “Silvesterzauber” am unteren Zürichsee-Becken. Dabei zählte er am Neujahrstag rund ein Drittel weniger Wasservögel als vor dem Feuerwerk. Während der folgenden drei Tage kehrten die verscheuchten Vögel dann wieder zurück.

“Der deutliche Effekt des Silvesterfeuerwerks überraschte mich, weil die hier anzutreffenden Arten eigentlich Kulturfolger sind”, liess sich Weggler in der Mitteilung zitieren. “Die Störung durch das Feuerwerk war offenbar so gross, dass selbst die störungstoleranten Wasservögel in die Massenflucht getrieben wurden.”

In einer zweiten Studie, die in der gleichen Ausgabe des “Ornithologischen Beobachters” erscheint, untersuchte Ornithologe Stefan Werner am Bodensee den Effekt von Feuerwerk am Ende der Brut- und Mauserzeit. Ein acht Minuten dauerndes Feuerwerk Anfang September verscheuchte fast alle (etwa 95 Prozent) der Wasservögel aus Buchten rund um die Insel Mainau, die unter Naturschutz stehen.

“Nach den ersten Lichtblitzen flohen 1600 Blässhühner und 1300 Kolbenenten zunächst schwimmend”, sagte Stefan Werner gemäss der Mitteilung. “Als einige Sekunden später die Schallwellen eintrafen und die ersten Explosionen zu hören waren, brachten sich die Vögel fliegend in Sicherheit.” Der Ornithologe nutzte Nachtsichtgeräte, um die Reaktion der Vögel zu beobachten.

Die anwesenden Höckerschwäne seien während der Mauser noch nicht voll flugfähig gewesen und deshalb panisch ins dichte Röhricht geflohen, berichtete Werner weiter. Die mausernden Wasservögel stehen demnach besonders unter Stress, da sie sich nicht fliegend in Sicherheit bringen können. Extremer Stress schwäche das Immunsystem der Tiere und könne zu Todesfällen führen.

Die Forscher plädieren daher dafür, auf Feuerwerk in der Nähe von Feuchtgebieten mit grossen Vogelbeständen insbesondere während der Brut- und Mauserzeit zu verzichten – also im Frühjahr und Sommer. Bestenfalls sollte man dort ganzjährig darauf verzichten. Selbst wenn es einige Kilometer entfernt ist, stört ein Grossfeuerwerk noch die Wasservögel.

Wo diese Naturschutzmassnahme nicht durchsetzbar sei, könnten geräuscharme Feuerwerke eine Lösung sein: Auf der Insel Mainau zumindest zeichnet sich ab, dass solche leiseren Feuerwerke die Wasservögel deutlich weniger stören, schrieb die Ala, die die Zeitschrift “Ornithologischer Beobachter” herausgibt.

(SDA)


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