Finanzprofessor fordert mehr ökonomischen Ausgleich in der EU

Ein Mann geht in Athen an einem Graffiti vorbei, das den griechischen Premierminister Alexis Tsipras und Angela Merkel, Kanzlerin von Griechenland-Gläubiger Deutschland, zeigt.
Ein Mann geht in Athen an einem Graffiti vorbei, das den griechischen Premierminister Alexis Tsipras und Angela Merkel, Kanzlerin von Griechenland-Gläubiger Deutschland, zeigt. © KEYSTONE/AP/YORGOS KARAHALIS
Die Blauäugigkeit der europäischen Gläubiger hat die finanzielle Misere Griechenlands verschärft. Einen Ausweg sieht Finanzprofessor Nils Soguel langfristig in einem europäischem Finanzausgleich nach schweizerischem Vorbild.

Im Fall Griechenlands müssten sich sowohl die Schuldner als auch die Geldgeber an der eigenen Nase nehmen, sagt Nils Soguel, Professor für Finanzwissenschaften am Lausanner Hochschulinstitut für öffentliche Verwaltung (IDHEAP) in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda. Die Kreditgeber hätten wachsamer sein müssen.

Die Europäische Union habe die Griechenland-Krise nicht dazu genutzt, sich selbst zu hinterfragen, erklärt der Finanzprofessor. Die EU nehme zu Unrecht an, Strukturfonds für die Infrastrukturen der ärmsten Länder genügten als Wachstumsstimulanz und zur Behebung der Wachstumsunterschiede unter den Mitgliedern. Die Eurokrise führt laut Soguel die Notwendigkeit vor Augen, die nächste Etappe zum Ausgleich der ökonomischen Potenziale in Angriff zu nehmen.

Dazu müsste die EU ein automatisches und mechanisches Ausgleichsdispositiv zwischen reichen und armen Ländern schaffen. Vorbild dafür könnte der schweizerische Finanzausgleich sein, sagt Soguel. Bisher hätten die Regierungen aber nicht aufgehört, sich in der Eurogruppe zu treffen und über Almosen für Griechenland zu entscheiden. Das ist keine gangbarer Weg, moniert der Fachmann.

Bis ein europäischer Finanzausgleich in Kraft treten könne, seien strukturelle Reformen unerlässlich. In Griechenland geht man diese gemäss Soguel an, etwa bei der Rentenreform.

(SDA)


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