Zehnstündiges Plädoyer im FlowTex-Prozess

Beim FlowTex-Fall geht es um verschwundene Millionen.
Beim FlowTex-Fall geht es um verschwundene Millionen. © AP Photo/Axel Seidemann
Im FlowTex-Prozess vor dem Bezirksgericht Frauenfeld hatte am Montag die Anklage das Wort. Die Staatsanwaltschaft warf der Ex-Frau des FlowTex-Geschäftsführers vor, mit Hilfe ihrer Anwälte, gezielt und in grossem Stil Vermögenswerte versteckt zu haben.


In dem auf 20 Tage angesetzten Prozess will die Thurgauer Staatsanwaltschaft beweisen, dass unrechtmässige Gewinne aus den FlowTex-Betrügereien in der Schweiz gewaschen und dort versteckt wurden. Der Fall war im Jahr 2000 in Deutschland aufgeflogen.Angeklagt sind der ehemalige Flow-Tex-Geschäftsführer, seine Ex-Frau, die beiden erwachsenen Kinder des Paars, sowie der Rechtsanwalt der Ex-Frau. Ihnen werden unter anderem Veruntreuung oder Betrug, Geldwäscherei und Urkundenfälschung vorgeworfen.

Nach mehreren Prozesstagen mit Befragungen von Zeugen war am Montag die Anklage an der Reihe. Der Staatsanwalt kündigte ein rund zehnstündiges Plädoyer an, verteilt auf zwei Tage.

Zu Beginn führte er aus, dass die Verhandlung in einem engen Kontext mit dem FlowTex-Skandal stehe, “einem gewaltigen Schneeballsystem” bei dem Gewinne in Immobilien unter anderem in Spanien, Uruguay oder St. Moritz angelegt wurden. Es sei auch Kunst von Picasso oder Chagall gekauft worden oder die Gelder seien in Stiftungen “gebunkert” worden. Insgesamt habe der Schaden 2,8 Mrd. DM betragen.

Schwierige Suche nach dem Geld

Nach dem Betrugsfall sei es für die Insolvenzverwaltung in Deutschland schwierig gewesen, an die illegalen Gewinne heranzukommen. Zeitweise seien damit rund 20 Mitarbeiter beschäftigt gewesen, die hunderte von Handelsregisterauszüge überprüft und in halb Europa nach Hinweisen auf versteckte Gelder abgesucht hätten.

Im ganzen FlowTex-Komplex sei “kein weisses Geld” vorhanden gewesen, es habe keine legalen Einkünfte gegeben, führte die Anklage aus. Der Geschäftsführer sei jahrelang ein erfolgreicher Betrüger gewesen. Die Delinquenz seiner Ex-Frau habe am Tag seiner Verhaftung angefangen.

Wollte Luxusleben weiterführen

Sofort habe sie begonnen, Vermögenswerte beiseite zu schaffen und zwar “mit einer stupenden Sicherheit und einer durchdachten Strategie”. Ihre Hilflosigkeit sei nur gespielt, sie habe getan, wozu nur eine Überzeugungstäterin in der Lage sei und dabei eine “erstaunliche Chuzpe” an den Tag gelegt. “Sie wollte ihr Luxusleben ungerührt weiterführen”, so der Staatsanwalt.

Weil die Suche nach den Geldern zeitraubend und kostenintensiv gewesen sei, habe die Insolvenzverwaltung mit der Ex-Frau einen Vergleich geschlossen, den sie allerdings nicht einhielt: Für eine Entschädigung von 20 Mio. DM verpflichtete sie sich, ihr Vermögen von 366 Mio. DM an die Insolvenzbehörde zu übergeben. Bei dieser Vereinbarung komme das Gerechtigkeitsgefühl zu kurz, räumte der Staatsanwalt ein.

Die Anklage schilderte weiter, dass das Ehepaar sich bemüht habe, bei Transaktionen möglichst keine Spuren zu hinterlassen. Der FlowTex Geschäftsführer sei bei gutem Wetter immer wieder nach Samedan geflogen. Dabei habe er Plastiksäcke mit jeweils drei, vier Millionen DM transportiert, die danach in St. Moritz bar auf ein Konto einbezahlt wurden. Bei einem Geschäft seien 600’000 Aktien “physisch”, also nicht via Überweisung transferiert worden.

Ganze Familie vor Gericht

Die Frau habe auch die beiden Kinder in ihre Vermögensgeschäfte einbezogen. Diese hätte dabei aber keine passive Rolle eingenommen. Die Angeklagte habe Anwälte beschäftigt, die mit juristischen Manövern die Geldwäscherei “als normales Alltagsgeschäft” erscheinen lassen sollten. “Nun steht eine ganze Familie mit ihrem Anwalt vor Gericht”, fasste der Staatsanwalt zusammen.

Das Plädoyer wird am Dienstag fortgesetzt. Am Schluss der Ausführungen wird die Anklage ihre Anträge bekannt geben. Danach erhält die Verteidigung das Wort.

(SDA)


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