Flüchtlinge interessieren sich für Schnuppersemester

Die ETH Zürich will ihre Hörsäle auch für bis zu 40 Flüchtlinge öffnen. (Archiv)
Die ETH Zürich will ihre Hörsäle auch für bis zu 40 Flüchtlinge öffnen. (Archiv) © Keystone/GAETAN BALLY
Das “Schnuppersemster für Flüchtlinge”, welches ab diesem Herbstsemester an der ETH Zürich startet, stösst offensichtlich auf grosses Interesse. Das Programm soll Flüchtlingen mit akademischem Hintergrund erlauben, als Hörer oder Hörerin Vorlesungen zu besuchen.

“Das Echo ist gut”, sagte ETH-Sprecherin Franziska Schmid am Samstag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda. Die Zahl der Interessenten habe bereits vor einigen Tagen deutlich über den 40 maximal zu vergebenden Plätzen gelegen. Durch das breite Medienecho sei die Zahl der Bewerbungen weiter angestiegen. Die meisten Anmeldungen stammten von Menschen, die aus Syrien, Afghanistan oder Eritrea geflohen sind.

Das Programm richtet sich an Asylsuchende und Flüchtlinge mit akademischem Hintergrund, die in Ihrer Heimat ein technisch-naturwissenschaftliches Studium angefangen oder abgeschlossen haben und den Studienalltag an der ETH Zürich kennenlernen möchten.

“Das Projekt ist nicht mit einem richtigen Studium zu verwechseln”, sagte die ETH-Sprecherin. Es gehe vielmehr darum, dass sich Flüchtlinge als Hörerinnen und Hörer mit den Anforderungen eines ETH-Studiums vertraut machen könnten. Voraussetzung für eine Teilnahme ist ein Wohnort im Raum Zürich sowie ausreichende Sprachkenntnisse in den Unterrichtssprachen Deutsch und Englisch.

Die Bewerbungsfrist läuft noch bis am 19. September. Anschliessend führen Vertreter der ETH und des Studierendenverbands VSETH mit allen Interessenten ein Gespräch. Dabei wird entschieden, ob eine Teilnahme am Schnuppersemester sinnvoll ist.

Ist dies der Fall, werden die Flüchtlinge als Hörer oder Hörerin eingeschrieben. Die Gebühren werden von der ETH übernommen.

Die Idee, den Zugang für Flüchtlinge zur Universität zu erleichtern, stammt ursprünglich aus Deutschland. Nebst der ETH bemühen sich derzeit auch mehrere Universitäten und Fachhochschulen in der Schweiz, ähnliche Programme umzusetzen.

Für die Durchführung des Projekts arbeitet die ETH mit dem Studierendenverband VSETH zusammen. Der VSETH tauscht sich wiederum mit dem Verband der Schweizer Studierendenschaften VSS aus, der das Flüchtlingsprojekt “Perspektiven – Studium” lanciert hat und alle studentischen Aktivitäten koordiniert.

Der VSS ist derzeit mit dem Aufbau eines Mentoring-Programms beschäftigt. Die Idee ist, den teilnehmenden Flüchtlingen vor Semesterbeginn zwei Mentoren zuzuteilen, mit denen sie gemeinsam geeignete Kurse auswählen können.

Als Mentoren sind freiwillige Studierende aus demselben Fachgebiet vorgesehen. Diese sollen die Hörer und Hörerinnen anschliessend auch durch das Semester begleiten und bei Fragen rund ums Studium helfen.

“Vom Detail zum Grossen würde dann eine persönliche Begleitung stattfinden, und der VSS würde dafür Schulungen machen”, erklärte Vorstandsmitglied Gabriela Lüthi das Konzept. Es hätten sich bereits zahlreiche Studierende als Mentor oder Mentorin gemeldet, sagte sie am Samstag zur Sendung “HeuteMorgen” von Radio SRF.

(SDA)


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