Foodwaste-App: In Zürich top, in der Ostschweiz ein Flop

In der Ostschweiz wird immer noch Essen weggeworfen. (Symbolbild)
In der Ostschweiz wird immer noch Essen weggeworfen. (Symbolbild) © iStock
Seit letztem Sommer gibt es in der Schweiz die App «Too Good To Go», die dem Foodwaste den Kampf angesagt hat. Seit kurzem sind auch einige Ostschweizer Lokale dabei. Doch das Interesse scheint hier noch nicht sehr gross zu sein.

Rund ein Drittel der in der Schweiz produzierten Nahrungsmittel wird laut foodwaste.ch jährlich verschwendet. In Zahlen ausgedrückt sind das zwei Millionen Tonnen oder die Ladung von 140’000 Lastwagen. Essen, das einfach im Abfall landet.

Die App «Too Good To Go» hat dieser Verschwendung den Kampf angesagt. Für kleine Preise bieten Gastronomen ihre übrig gebliebenen Sushis und Currys an. Der hungrige Kunde kann auf der App nachsehen, welches Restaurant in seiner Nähe etwas anbietet, den günstigen Znacht direkt via App kaufen und während eines gewissen Zeitrahmens abholen. Seit August 2016 gibt es diese App mit dem Motto «…und die Verschwendung ist gegessen» in der Schweiz. Hat man in Zürich schon eine grosse Auswahl an Lokalen, ist das Angebot in der Ostschweiz noch sehr spärlich. Gerade einmal ein Lokal bietet am Abend des 2. Mai 2017 etwas an.

Fehlende Nachfrage

«Die Nachfrage ist sehr dürftig», sagt Hanspeter Jost vom Asiahouse in Sargans. Er bietet seit circa drei Monaten Currys und anderes an, was vom Buffet seines Restaurants übrig bleibt. Doch von vielen Interessierten kann nicht die Rede sein. «Wir verkaufen ein bis zwei solche Mahlzeiten pro Woche», sagt Jost. Diese Leute seien hauptsächlich Kunden, die den Service aus Zürich kennen. «Hierzulande wird zu wenig Werbung gemacht», findet er.

Interesse bei Lokalen ist da

Dennoch findet er die Idee gut und bleibt beim Service, in der Hoffnung, dass die Angebote bald mehr genutzt werden. Auch Lokale in St.Gallen sind bei der App dabei, bieten jedoch nichts an. «Nachhaltigkeit ist ein wichtiges Thema und die Verschwendung von Essen ist dramatisch», sagt Melanie Diem vom Kafi Franz. Sie habe aber schlichtweg noch nicht die Zeit gefunden, sich intensiv mit der App auseinanderzusetzen. Sie sei vor ein paar Wochen angefragt worden und habe einen Test-Account erstellt. «Wir müssen noch prüfen, wie wir das logistisch und administrativ organisieren», sagt Diem.

Auch bei der Focacceria findet man die Idee toll, hat jedoch ebenfalls gerade anderes zu tun. «Wir werden am OpenAir einen grossen Stand betreiben und stecken mitten in der Vorbereitung dafür», sagt Florian Reiser von der Focacceria in St.Gallen. Zudem beginne die Catering-Saison, die auch viele Kapazitäten beanspruche. Er sehe den Service sowieso eher für Bäckereien, Konditoreien oder Metzgereien, die zu Ladenschlusszeiten ihre Produkte «rausschleudern» könnten. «Wenn eine Bäckerei morgens 500 Sandwiches produziert, ist bestimmt abends noch etwas übrig. Wir machen jedoch unsere Ware erst, wenn der Kunde da ist.» In der Focacceria gebe es deshalb wenig Nahrungsmittel, die übrig bleiben.

Trotzdem will er sich noch näher mit der App auseinandersetzen, denn es gebe schon Reste bei ihnen, wie beispielsweise Salami- oder Schinken-Anschnitte. Damit könne man sicher was machen. Doch noch müssen sich die St.Gallerinnen und St.Galler wohl etwas gedulden, bis sie von diesem Angebot richtig profitieren können.

(lak)


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