Forscher beobachten erstmals Kollision von Neutronensternen

Die zwei Neutronensterne rotierten erst immer dichter umeinander, bevor sie in einem "Feuerball" verschmolzen. (Illustration)
Die zwei Neutronensterne rotierten erst immer dichter umeinander, bevor sie in einem "Feuerball" verschmolzen. (Illustration) © ESA

Gerade erst gab es den Nobelpreis für den direkten Nachweis der Gravitationswellen, nun warten Forscher mit der nächsten sensationellen Entdeckung auf: die parallele Beobachtung von Gravitationswellen und Licht (elektromagnetischer Strahlung), die von der Kollision zweier Neutronensterne ausgingen.

Ein Neutronenstern ist das, was nach einer Supernova von einem Stern übrig bleibt. Dieser Sternentyp hat einen Durchmesser von nur etwa zwanzig Kilometern, besitzt aber eine Masse, die etwa der unserer Sonne bis zu etwa 1,6 Sonnenmassen entspricht. Seine Dichte ist somit extrem hoch: Ein Teelöffel Neutronenstern-Material hat eine Masse von einer Milliarde Tonnen, wie das an der Entdeckung beteiligte Massachusetts Institute of Technology am Montag in einer Mitteilung schrieb.

Distanz von 130 Millionen Lichtjahre

In einer Distanz von 130 Millionen Lichtjahren von der Erde rotierten die beiden nun beobachteten Neutronensterne immer dichter umeinander, erzeugten dabei Gravitationswellen und verschmolzen schliesslich in einem «Feuerball», einer sogenannten «Kilonova». Bei solchen Kollisionen entstehen bestimmte schwere Elemente, wie Gold und Blei, und werden ins Universum hinausgeschleudert.

Bisher hatten die Gravitationswellen-Observatorien LIGO in den USA und VIRGO bei Pisa in Italien die von Einstein vorhergesagten Verkrümmungen der Raumzeit nach Kollisionen von Schwarzen Löchern aufgefangen. «Optische Beobachtungen waren dabei nicht möglich», erklärt Astrophysiker Philippe Jetzer von der Universität Zürich im Gespräch mit der Nachrichtenagentur sda.

Ereignis beobachtet

«Jetzt haben wir einen neuen Typ von Ereignis mit diesen Gravitationswellen-Observatorien beobachtet», so Jetzer weiter, dessen Postdoktorandin Maria Haney gemeinsam mit insgesamt rund 1500 Forschenden weltweit an der Entdeckung und Datenanalyse beteiligt war. Der «Feuerball» und Kollisionen des weggeschleuderten Materials mit Gaswolken im interstellaren Raum erzeugte elektromagnetische Strahlung praktisch im gesamten Wellenlängen-Spektrum.

Die Beobachtung gelang am 17. August mithilfe von LIGO, VIRGO und rund siebzig erdbasierten und Weltraum-Observatorien für elektromagnetische Strahlung. Gerüchte über die spektakulären Messungen geisterten seither bereits durch die Forschungsgemeinschaft, offiziell werden die Ergebnisse nun erstmals im Zuge mehrerer Fachartikel präsentiert. Beteiligt waren unter anderem auch Forschende der Universität Genf.

Rückschlüsse über Neutronensterne

Dank der parallelen Messung der Gravitationswellen mit LIGO in den USA und VIRGO in Italien konnten die Forschenden die Quelle des Signals orten, und zwar in einer Galaxie, die unserer Milchstrasse relativ nahe ist. «Dass dieses Ereignis so nahe war, war ein Riesenglück, denn die Gravitationswellen von Kilonovae können wir nur in deutlich geringerer Reichweite als die vom Verschmelzen Schwarzer Löcher beobachten», erklärte Jetzer.

Knapp zwei Sekunden nach dem Ausschlagen der Gravitationswellen-Observatorien fing das Fermi-Weltraumteleskop der US-Raumfahrtagentur NASA einen Gammastrahlen-«Blitz» auf, der aus der gleichen Richtung kam. Im Laufe der nächsten Minuten und Stunden richteten zahlreiche weitere Teleskope und Observatorien ihre Messgeräte auf dieses Ereignis und sammelten eine Fülle von Daten.

«Wir können nun Rückschlüsse ziehen über die innere Zusammensetzung solcher Neutronensterne und dabei wichtige neue Erkenntnisse im Bereich der Kernphysik bei extrem hohen Dichten gewinnen», erklärt Jetzer. Ausserdem lasse sich aus dieser Beobachtung und hoffentlich weiteren solchen Ereignissen nachvollziehen, wie oft diese Kollisionen stattfänden und wie die Entstehung bestimmter schwerer Elemente im Universum ablaufe.

(SDA)


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