Portugal ist Europameister 2016

Wer hätte das gedacht: Die Portugiesen schafften es praktisch ohne Hilfe von Fussballstar Cristiano Ronaldo.
Wer hätte das gedacht: Die Portugiesen schafften es praktisch ohne Hilfe von Fussballstar Cristiano Ronaldo. © KEYSTONE
Die Sterne standen schlecht. Ronaldo musste das portugiesische Team bereits in der ersten Halbzeit verlassen – und die Motten feierten ihre private Party. Doch in der 109. Minute gelang das 1:0 gegen Gastgeber Frankreich. Portugal ist zum ersten Mal Europameister!

Das Siegestor schoss Eder, der 28-jährige Stürmer vom OSC Lille, in der 109. Minute. Er erwischte mit seinem Schuss den zuvor im Turnier tadellosen Hugo Lloris und entschied die Partie damit zugunsten des Aussenseiters. Der Treffer der Portugiesen hatten sich angekündigt. Eine Minute vor dem Lucky Punch des Jokers hatte Raphaël Guerreiro einen Freistoss an die Lattenunterkante gesetzt.

Pech für Cristiano Ronaldo

So jubelten am Ende die Portugiesen, nachdem der Final aus ihrer Sicht mit einem Horrorszenario begonnen hatte. Das Drama, das den weiteren Verlauf des Finals massiv beeinflusste, hatte sich in der 8. Minute ereignet, als Dimitri Payet nahe der Mittellinie mit einem harten Tackling, das von Schiedsrichter Mark Clattenburg nicht geahndet wurde, Cristiano Ronaldos Standbein traf, der sich dabei eine Verletzung am linken Knie zuzog.

Der portugiesische Captain versuchte zwar alles, um weiterspielen, liess sich zweimal behandeln und das Knie einbandagieren, nach 25 Minuten musste er aber eingestehen, dass es nicht mehr geht. Ronaldo weinte bittere Tränen, als er unter aufmunterndem Applaus des Publikums mit einer Bahre vom Feld des Stade de France getragen werden musste.

Portugiesen liessen sich nicht unterkriegen

Die Portugiesen brauchten einige Minuten, bis sie den Schock des Ausfalls ihres Superstars verdauten hatten. Sie fingen sich auf und wehrten sich mit allen Mitteln gegen die starke französische Offensive. Sie wankten in der zweiten Halbzeit, fielen aber nicht. Und als beim Gastgeber die Kräfte nachliessen, schlugen sie gnadenlos zu. Das Team von Fernando Santos hatte zwar deutlich weniger zum unterhaltsamen Final beigetragen, es verdiente sich den Titel aber dank einer leidenschaftlichen und solidarischen Mannschaftsleistung.

Frankreich hingegen verlor erstmals nach 18 Spielen an einer Endrunde im eigenen Land wieder eine Partie, nachdem es 1984 den EM-Titel und 1998 den WM-Titel ohne Niederlage errungen hatte. Das Heimteam hätte die Partie in der regulären Spielzeit zu seinen Gunsten entscheiden müssen, als es die bessere Mannschaft war und sich ein deutliches Chancenplus erspielte.

Der eingewechselte Pierre-André Gignac hatte in der Nachspielzeit den Matchball auf dem Fuss, als der Stürmer, der beim mexikanischen Klub Tigres Monterrey unter Vertrag steht, Pepe am Fünfmeterraum austanzte, mit seinem Schuss aber nur den Innenpfosten traf. Zuvor hatten Antoine Griezmann (66.), Olivier Giroud (75.) und Moussa Sissoko (84.) erstklassige Chancen ausgelassen oder waren am starken Rui Patricio im portugiesischen Tor gescheitert.

Kingsley Coman brachte Schwung in die Partie

Der Final, der eine Stunde unter dem Schock des Ausfalls Ronaldos gestanden hatte, hatte erst mit der Einwechslung von Kingsley Coman so richtig Fahrt aufgenommen. Der Flügelstürmer von Bayern München brachte das zwischenzeitlich erlahmte Angriffsspiel des Heimteams wieder in Schwung und bereitete mehrere gefährliche Aktionen ein.

Bereits in der Startphase hatten sich “Les Bleus” einige Chancen erarbeitet. Sie waren mit Schwung in die Partie gestartet und kamen in der Startphase bereits zu ersten guten Torchancen. Rui Patricio war aber sowohl bei den Kopfbällen von Griezmann und Giroud (10.) als auch beim Schuss von Sissoko (33.) zur Stelle. Sissoko war lange Zeit der auffälligste Spieler des Gastgebers gewesen und stellte die Abwehr Portugals mit seinen dynamischen Vorstössen gelegentlich vor Probleme.

(SDA)


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