Frankreich verliert, EM hin oder her

Von Leila Akbarzada
Frankreich gegen die Schweiz: Abseits des Fussballfelds gar nicht so viel stärker.
Frankreich gegen die Schweiz: Abseits des Fussballfelds gar nicht so viel stärker. © Keystone
Heute Sonntag trifft die Nati in der EM-Vorrunde auf das französische Team. In den letzten fussballerischen Begegnungen unterlag die Schweiz ziemlich klar. Bei der Gegenüberstellung der beiden Ländern in Rubriken wie Essen, Kultur oder Glamour wird es jedoch knapp. 

-Käse

Über 180’000 Tonnen Käse konsumierte die Schweiz im 2015. Immer wieder wird darüber gestritten, wer den Käse erfunden hat. Neueste Erkenntnisse kommen von einem britisch-polnischen Forscherteam. Dieses behauptet, im polnischen Ludwinowo Milchrückstände in 7500 Jahre alten perforierten Schüsseln entdeckt zu haben. Wie dem auch sei: Der Käse ist einfach zu alt, als dass weder Frankreich noch die Schweiz den Anspruch auf dessen “Erfindung” erheben könnte.

 

Das ist uns ja im Prinzip egal, es kommt ja auf den Käse selbst an. Klar, mit ihrem Camembert, Roquefort, Reblochon und all den Spezialitäten stehen die Franzosen schon nicht schlecht dar. Es geht aber noch immer nichts über einen rezenten Appenzeller oder Alpstein Bergkäse. Ein Punkt für die Schweiz.

-Brot

Bleiben wir kurz beim Kulinarischen. Ja, sie lieben es, ihr Baguette, bestehend aus Wasser, Weizenmehl, Hefe und Salz. Baguette und Croissant, das sind die namentlichen Hauptvertreter der französischen Backkunst. Das können unsere Bäckereien besser. Da gibt es einiges mehr zu holen. Und diese Vielfalt entspricht auch dem Gesundheitstrend. Ein Hoch auf das ruche St.Gallerbrot! Punkt für die Schweiz.

 

-Wein

Kommen wir zu den gemütlichen Seiten des Lebens: Thema Wein. Hier geht der Punkt klar an unserer Nachbarn. Gegen den Blauburgunder oder Bordeaux kommen unsere Thurgauer Landweine einfach nicht an. Klar, wir haben auch weniger Sonne. Aber es ist, wie es ist. Der Punkt geht an Frankreich.

 

-Absinth

Immer wieder streiten sich Franzosen und Schweizer über den wahren Ursprung des alkoholischen Getränks. Es heisst, Absinth wurde ursprünglich im 18. Jahrhundert im Kanton Neuenburg hergestellt, für medizinische Zwecke. Jedoch soll der Erfinder des Absinth ein französischer Einwanderer gewesen sein. Hm. Sagen wir unentschieden. Einen Punkt für beide.

 

-Cuisine

Jaja, die französische Küche, unantastbar und die beste der Welt, wir wissen es. Aber jetzt einmal ernsthaft: Froschschenkel und Schnecken? Nein, danke. Eine St.Galler Bratwurst schmeckt doch viel besser, ist nicht so exquisit teuer und macht sicher satt. Ein Punkt für die Schweiz.

Die Bratwurst ist omnipräsent.

Keystone

-Mode

Yves Saint Laurent, Jean-Paul Gaultier, Coco Chanel, Christian Dior und und und… Paris ist die Modemetropole der Welt, das können wir nicht leugnen. Akris ist zwar auch ein bisschen international, aber kein Vergleich zu den Schöpfungen der Grande Nation. Ein Punkt für Frankreich.

 

-Chansons

Sie sind wunderschön, die französischen Chansons. Ein Beispiel dafür ist der Klassiker von Edith Piaf.

Da kann die Schweiz halt irgendwie auch nicht so mithalten:

Klarer Punkt an Serge Gainsbourg und Co.

-Nouvelle Vague

Das kann die Schweiz leider nicht von sich behaupten: Die Erfindung eines eigenen Film-Genres. Immerhin zählt der schweizerisch-französische Regisseur Jean-Luc Godard zu den einflussreichsten Filmemachern der Nouvelle Vague. Darum gibt es einen Punkt für beide.

Jean-Paul Belmondo war einer der wichtigsten Schauspieler der Nouvelle Vague.

Keystone/AP Photo/Lionel Cironneau

-Architektur

Wir haben den Prime Tower in Zürich, die Franzosen den Eiffelturm in Paris. Ok, zugegeben, der Eiffelturm ist schon etwas extravaganter. Aber im Prime Tower kann man sehr gemütlich “käfele”. Die Architektur sei hässlich, heisst es in der Redaktion. Die Meinungen sind gespalten. Ein Punkt für beide.

Eiffelturm oder Prime Tower? Beide ganz ok.

Keystone

-Glamour

Man könnte meinen, die Franzosen haben den Glamour erfunden. Französische Schauspielerinnen wie Brigitte Bardot, Catherine Deneuve, Audrey Tatou, Charlotte Gainsbourg oder Marion Cotillard überzeugen nicht nur mit ihrer Schönheit, sondern auch mit ihrem Charme. Das glamouröse Auftreten ist uns leider nicht so gegeben. Einen Punkt für die edlen Französinnen.

Brigitte Bardot in jungen Jahren im Film "Shalako" aus dem Jahr 1968.

Keystone/AP Photo/Str

-Politisches System

Das Zweiparteien-System Frankreichs – das mitunter durch den rechtsextremen Front National ins Wanken geriet – und die zentralistischen Strukturen sind womöglich mit ein Grund, warum die Franzosen ständig im Streik sind. Da lässt unser direktdemokratisches System schon etwas mehr Vielfalt zu. Ein Punkt für die Schweiz.

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann und der französische Präsident Francois Hollande.

KEYSTONE/Alexandra Wey

-“First Lady”

Wenn wir grad bei der Politik sind, dann schauen wir uns doch mal die “First Ladies” der beiden Länder an. Frankreich hat Carla Bruni, wir haben Simonetta Sommaruga – auch wenn sie ja nicht wirklich eine First Lady ist. Trotzdem sind die beiden politisch sehr einflussreich. Sommaruga sticht aber mit ihren speziellen Fähigkeiten heraus: Sie ist nämlich unter anderem Konzertpianistin. Bruni sieht halt einfach gut aus. Da ist uns Macherin Sommaruga lieber. Einen Punkt für die Schweiz.

Simonetta Sommaruga mit Amtskollege Alain Berset am Klavier.

KEYSTONE/Peter Schneider

Fazit: In der Gesamtwertung steht es 8:7 für die Schweiz. Am EM-Spiel heute Abend wird es wohl nicht so viele Tore geben, weder von der einen noch der anderen Mannschaft. Bei der eher lauen Leistung des Favoriten Frankreich wäre jedoch ein Sieg der Schweiz durchaus denkbar. Hoffen wir, das ist ein gutes Omen.


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