Fünf geeignete Geothermie-Standorte im Kanton Genf gefunden

Ein Techniker führt im Rahmen des Genfer Geothermie-Projekts einen Lastwagen vor, der Schallwellen in den Boden schickt (Archiv)
Ein Techniker führt im Rahmen des Genfer Geothermie-Projekts einen Lastwagen vor, der Schallwellen in den Boden schickt (Archiv) © Keystone/SALVATORE DI NOLFI
Im Kanton Genf eignen sich laut den Behörden fünf Gebiete zur Stromproduktion aus Erdwärme in mittlerer Tiefe. Das haben zweijährige Untersuchungen der Genfer Böden ergeben. Damit sieht sich der Kanton auf gutem Weg für sein Geothermie-Projekt.

Die Böden wurden mittels Schallwellen abgetastet, um Wasservorkommen im Untergrund ausfindig zu machen. Die Bodenuntersuchungen wurde von den Industriellen Betrieben Genf (SIG) vorgenommen. Für die Geothermie eignen sich laut den SIG kalkhaltige und poröse Felsen mit Spalten, durch die das Wasser einfach fliessen kann.

Die gefundenen Heisswasserspeicher liegen jeweils zwischen 500 und 3000 Meter unter dem Boden, die Temperatur beträgt zwischen 25 und 120 Grad. Christian Brunier, Direktor der SIG, sprach am Dienstag vor den Medien in Genf von einer “ermutigenden ersten Etappe” in der Entwicklung des kantonalen Geothermie-Projekts.

Weniger Abhängigkeit von Öl

Der Kanton will das heisse Wasser im Untergrund ab dem Jahr 2020 für die Energiegewinnung nutzen. Der Kanton Genf erhofft sich von der Geothermie grosse Einsparungen bei der fossilen Energie. Durch die Technologie könnten zwei Drittel des Genfer Wärmebedarfs gedeckt und die Abhängigkeit von Heizöl und Gas entsprechend reduziert werden.

Geothermie sei eine “lokale, saubere, erneuerbare und konstante Energiequelle”, liess sich der für Energie zuständige Genfer Staatsrat Antonio Hodgers (Grüne) in der Medienmitteilung zitieren. Als nächstes will der Kanton nun Erkundungsbohrungen durchführen.

Die Technik hat in der Schweiz bisher meist für negative Schlagzeilen gesorgt. Zuletzt mussten in St. Gallen Bohrungen nach einem Erdbeben der Stärke 3,5 gestoppt werden. In der Tiefe wurde auch zu wenig Heisswasser gefunden. Stattdessen drang Erdgas nach oben.

In Zürich war zuvor bei Erkundungsbohrungen zwar 100 Grad heisses Gestein gefunden worden, aber kein Wasser. In Basel wurde nach einem Erdbeben der Stärke 3,4 vom 8. März 2006 ein Geothermie-Projekt beendet.

Wissenschaftler attestieren der Technologie trotz der bekannten Risiken wertvolle Eigenschaften. Das Zentrum für Technologiefolgen-Abschätzung TA-Swiss etwa hob 2014 in einer Studie hervor, die Stromproduktion aus Erdwärme sei umweltfreundlich und preislich konkurrenzfähig, die Ressourcen seien “gigantisch”.

(SI)


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