Für fünf Franken nach Wien fliegen

Von Michael Ulmann
Ein Flugzeug der People's Viennaline auf dem Flugplatz St.Gallen - Altenrhein.
Ein Flugzeug der People's Viennaline auf dem Flugplatz St.Gallen - Altenrhein. © People's Air Group
Die Ostschweizer Fluggesellschaft People’s Viennaline hat am Montag eine ungewöhnliche Aktion lanciert. Auf der Strecke Altenrhein – Wien und umgekehrt können Fluggäste selber den Preis bestimmen, den sie für ihren Flug bezahlen möchten. Die Aktion tönt sehr verlockend und hat auch einen sozialen Aspekt, allerdings auch mehrere Haken.

“Du machsch de Pris!” – so heisst die Aktion, bei der Fluggäste der People’s Viennaline den Flugpreis selber bestimmen können. Die Aktion startet am 23. Mai 2016 und ist gemäss Thomas Mary, CFO und Mediensprecher der People’s Air Group, unbefristet. Nach dem Ende des Sommerflugplans am letzten Sonntag im Oktober wollen die Verantwortlichen schauen, ob die Aktion gut angekommen ist oder nicht. Heute ging bereits der erste Flug von Altenrhein nach Wien. Vier Fluggäste haben ihren Preis selbst bestimmt, wie viel sie für ihr Ticket bezahlt haben wollen die Verantwortlichen jedoch nicht sagen.

Tönt gut, aber…

Theoretisch ist es bei der Aktion möglich für fünf Franken oder sogar nur einen Franken vom Flugplatz St.Gallen-Altenrhein nach Wien und umgekehrt zu fliegen. Man könnte jetzt aber sagen das ist ziemlich frech oder skrupellos. Denn für das günstigste “normale” Flugticket auf der Strecke Altenrhein – Wien bezahlt man im Schnitt 99 Euro pro Weg. Das schlechte Gewissen könnte also ein Haken sein. Hier sind die anderen:

  • Du machsch de Pris!” gilt vorerst nur für zwei eher unbeliebte Nachmittagsflüge auf der Strecke Altenrhein – Wien und Wien – Altenrhein. Nämlich für den Flug PE 104 (Abflug Altenrhein 14.35 Uhr; Ankunft Wien 15.35 Uhr) und für den Flug PE 103 (Abflug Wien 12.40 Uhr; Ankunft Altenrhein 13.40 Uhr).
  • Die Aktion gilt nicht an Wochenenden, sondern nur montags bis freitags.
  • Eine Reservierung per Telefon oder im Internet ist nicht möglich. Das Flugticket zum selbst gewählten Preis kann nur am Ticketschalter vor Ort am Flughafen in Altenrhein oder Wien gekauft werden. Dies aber auch nur frühestens eine Stunde vor Abflug der beiden Flüge. Man muss also spontan sein!

Wem diese drei bzw vier “Haken” nichts ausmachen, der kann durchaus von der Aktion profitieren. Versteckte Kosten (wie Flughafentaxen oder Kosten für Gepäckstücke) kommen nicht dazu. Und für das soziale Gewissen: Zehn Prozent des vom Passagier bestimmten und bezahlten Flugpreis gehen als karitative Zuwendung an das Kinderdorf Pestalozzi in Trogen.

Mit diesem Foto wirbt die People’s Air Group für ihre Aktion.

Klares Ziel vor Augen

Die Verantwortlichen der People’s Air Group machen die Aktion natürlich nicht (nur) aus Mitgefühl gegenüber den benachteiligten Kindern im Kinderdorf Pestalozzi. Thomas Mary redet nicht lange um den heissen Brei herum und gibt offen zu, dass mit der Aktion die beiden Nachmittagsflüge besser ausgelastet werden sollen. “Bei diesen Flügen beträgt die Auslastung zurzeit rund 50 Prozent”, so Mary. Zum Vergleich: Bei der Morgenrotation und der Abendrotation von Altenrhein nach Wien und umgekehrt liegt die Auslastung bei fast 100 Prozent. Insgesamt fliegt die People’s Viennaline vier mal täglich von Altenrhein nach Wien und retour.

Fingerzeig und Premiere

Ein weiteres Ziel der Aktion sei auch,  dass sich der Kunde wieder einmal überlege, was ihm eine Leistung eigentlich wert ist, sagt Mary und ergänzt: “Ich hoffe deshalb nicht, dass viele Kunden lediglich bereit sind fünf Franken für einen Flug zu bezahlen.”

Dass Kunden den Preis für eine Leistung selbst bestimmen können ist nicht neu. Dies kennt man bereits aus Versuchen in der Gastronomie, der Hotellerie oder auch dem Crowdfunding. In der Flugbranche hat es dies gemäss People’s Air Group-CFO Thomas Marty bisher jedoch noch nicht gegeben.


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