“Für den Papst würde ich Mass-Socken stricken”

Von Felix Unholz
Der Rheintaler Sockenhersteller René Tanner strickte Socken für die Schweizer Garde.
Der Rheintaler Sockenhersteller René Tanner strickte Socken für die Schweizer Garde. © Keystone/Gian Ehrenzeller
René Tanner aus Balgach ist stolz. Für die Vereidigung der Schweizer Garde in Rom am Freitag durfte der Balgacher 120 Socken stricken. Wie es zu diesem speziellen Auftrag aus dem Vatikan kam, verrät er im Interview.

René Tanner ist einer der letzten Sockenstricker der Schweiz. In seiner Ein-Mann-Socken-Fabrik im Rheintaler Dorf Balgach hat er die päpstlichen Socken produziert.

FM1Today: Wie kam es überhaupt zum Auftrag aus dem Vatikan?
René Tanner: Es fing mit einer Blindbewerbung an. Ich habe einfach mal Socken geschickt, adressiert an die Schweizer Garde im Vatikan. Darauf kam eine E-Mail, in der man sich fürs Muster bedankte, aber es sei momentan kein Bedarf vorhanden. Doch dann, ein Vierteljahr später, teilte man mir mit, man könne wirklich etwas brauchen.

Da staunt man, wenn so ein Mail kommt?
Also, da staunt man gewaltig! Ehrlich gesagt hat mich schon die Absage gefreut. Ich habe gar nicht mit einer Reaktion gerechnet. Als dann die Bestellung kam, habe ich gejubelt.

Sind Sie selbst gläubig?
Nicht überaus, aber ich bin katholisch. Vielleicht hat das geholfen. Doch am Schluss ging es um die Socken.

Für die Socken der Schweizer Gardisten gibt es bestimmt klare Vorschriften?
Am wichtigsten ist die rote Farbe, weil sie zur Uniform der Wachtmeister und Offiziere passen muss. Ich habe Farbmuster bekommen, das Garn färben lassen und die Muster nach Rom geschickt. Das Bordeaux-Rot musste nochmals nachgefärbt werden. Die Farbe muss sehr exakt sein. Zudem müssen die Socken extrem lange sein, bis über das Knie, weil die Gardisten Kniebundhosen tragen.

Beim Eid trugen die Schweizer Gardisten rote Socken aus dem Rheintal.

Beim Eid trugen die Schweizer Gardisten rote Socken aus dem Rheintal. (Keystone/Ti-Press/Gabriele Putzu)

Was sagen die Leute im Dorf dazu? Werden Sie auf den speziellen Auftrag angesprochen?
Bestimmt. Ich bin halt ein bisschen ein Plappermaul und habe natürlich allen erzählt, dass ich das machen darf. Und als dann die Medien darüber berichteten, ging es richtig los.Sie kriegen nun viel mehr Sockenbestellungen. Gibt es noch eine Extra-Schicht?
Auf jeden Fall. Ich bin jetzt am Stricken, die Maschinen laufen sicher das ganze Wochenende. Auf einen solchen Ansturm war ich nicht vorbereitet und muss jetzt die Socken möglichst schnell nachstricken, damit sie bald ausgeliefert werden können.

Man staunt ja: Für ein Paar Socken dauert es rund sieben Minuten?
Richtig. Eine Maschine bringt pro Stunde etwa sieben Päärli raus. Da es keine grösseren oder schnelleren Maschinen gibt, um Socken zu stricken, laufen einfach mehrere parallel.

Würden Sie auch für den Papst gerne Socken machen, wenn er anruft?
Selbstverständlich. Wenn er anruft, würde ich fragen, ob ich nach Rom kommen darf. Für den Papst würde ich Mass-Socken stricken.


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