Schweizer Fussballnati von A bis Z

Von Dumeni Casaulta
Fans protestieren 1996 gegen den "unbeliebtesten Schnauz der Nation".
Fans protestieren 1996 gegen den "unbeliebtesten Schnauz der Nation". © (KEYSTONE/Str)
Heute startet die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft in die Europameisterschaft. Damit ihr mitreden könnt, haben wir das Nati-ABC zusammengestellt. Von Riegelfussball, unbeliebten Schnäuzen, Lama-Patenschaften, nächtlichen Ausflügen und Schlüpfern…

A – Atomprotest

Am 6. September 1995 sorgt die Schweizer Fussballnationalmannschaft für ein gewaltiges mediales Echo – weltweit. Allerdings nicht aus sportlichen Gründen, sondern wegen des Protests gegen die Atomversuche des französischen Präsidenten Jacques Chirac. Es war zu Beginn des EM-Qualifikationsspiels gegen Schweden in Göteborg, als die Schweizer den Banner entrollten. Es war ein Protest mit Folgen: Die UEFA erliess in der Folge ein hartes Verbot für politische Kundgebungen.

Stopp die Atomversuche, forderten die Schweizer Nati-Spieler 1995.

Stopp die Atomversuche, forderten die Schweizer Nati-Spieler 1995. (Keystone/Karl Mathis)

Proteste auf dem Fussballfeld blieben aber nicht aus. So demonstrierten diese Fussballer in Mexiko gegen nicht bezahlte Gehälter.

B – Beau Jeu

So heisst der offizielle Fussball der EM 2016. Beau Jeu bedeutet “schönes Spiel”. Der Ball wurde von Zinedine Zidane auf seinem Instagram-Account erstmals vorgestellt. Der Beau Jeu ist mit 437 Gramm genau gleich schwer wie sein Vorgänger, der WM-Ball Brazuca. Gareth Bale, der als einer der Ersten mit dem neuen Ball kicken durfte, meinte, er sei “brilliant”.

Ein von zidane (@zidane) gepostetes Foto am

C – Catenaccio

Catenaccio wird vielfach mit der italienischen Nationalmannschaft in Verbindung gebracht. Erfunden und erstmals angewandt wurde er aber eigentlich von den Schweizern. Genauer gesagt, vom damaligen Schweizer Nationaltrainer, dem Österreicher Karl Rappan. Er gilt als Erfinder des “Schweizer Riegels”, welcher in den 30er Jahren entstand. Der Catenaccio ist eine Weiterentwicklung dieses Riegels.

D – Damen-Nati

Die Schweizer Fussballfrauen haben sich vor wenigen Tagen zum ersten Mal für eine Europameisterschaft qualifiziert. Im entscheidenden Quali-Spiel gegen Tschechien qualifizierten sich die Schweizerinnen mit einem überzeugenden 5:0. Sie fahren damit nächstes Jahr zur EM-Endrunde in Holland.

Teambild der Frauen-Fussball-Nationalmannschaft (Keystone/Anthony Anex)

Teambild der Frauen-Fussball-Nationalmannschaft (Keystone/Anthony Anex)

E – Erstes Länderspiel

Das erste offizielle Länderspiel der Schweiz fand 1905 in Paris statt. Die Schweizer unterlagen den Franzosen mit 1:0. 5000 Zuschauer verfolgten das Spiel. Funfact: Das Rückspiel in Genf fand wegen finanzieller Probleme des Verbandes erst nach drei Jahren statt. Die Schweiz verlor abermals, diesmal mit 1:2.

F – Frisuren

Aiaiai. Was wurde da schon alles verbrochen von unsere Fussballern. Eine schöne Übersicht gibt’s hier.

G – Goalies

Ein Goalieproblem hat die Schweiz Schweiz aktuell ja überhaupt nicht. Mit Yann Sommer, Roman Bürki und Marwin Hitz haben wir drei gestandene Bundesligatorhüter in unseren Reihen. Das war auch schon anders. Frühere Nati-Torhüter wie Marco Pascolo oder auch Pascal Zuberbühler sahen sich immer mal wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, Fliegenfänger zu sein. Auch ein gewisser Jörg Stiel war vor Flops im Nationalteam nicht gefeiht. In einem Freundschaftsspiel gegen Tunesien liess sich Jörg Stiel vor dem 16er den Ball abluchsen. Die Schweiz kassierte so das 1:1 (zu sehen hier). An der EM 2004 bewies Stiel dafür Klasse und klärte einfach mal lässig mit dem Kopf.

H – Heinz Hermann

Nach wie vor ist Heinz ‘die Frisur’ Hermann (siehe Bildstrecke) der Schweizer Rekordnationalspieler. Zwischen 1978 und 1991 hat er 118 Länderspiele für die Schweiz absolviert. In dieser Zeit hat die Schweiz aber kein einziges grosses Turnier erreicht.

I – Italiano

Vladimir Petkovic sprach ja zuletzt an den Medienkonferenzen nur noch italienisch, wie wir dank Blick wissen. Mit Italien verbindet die Schweiz aber vor allem, dass sie gegen keine andere Nation öfter gespielt hat. 58 Spiele sind es gesamthaft und die Bilanz ist arg negativ. Nur acht Siege gab es, bei 22 Unentschieden und 28 Niederlagen. Dürfte wohl noch ein bisschen dauern, diese Statistik zu korrigieren.

J – Jorge Arthur

Der Natitrainer, der die Volksseele zum Kochen brachte. Der Mann mit dem Mega-Schnauz wird nach der Qualifikation für die EM 1996 Natitrainer. Roy Hodgson wechselte zu Inter Mailand. Völlig überraschend lässt Arthur Jorge für die EM Alain Sutter und Adrian Knup zuhause, obwohl beide zu jener Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Fussballkarriere sind. Kein Fussballfan kann das verstehen. Der Poker geht nicht auf. Im Gegenteil: Auf das 1:1 im Eröffnungsspiel gegen England folgten Niederlagen gegen die Niederlande (0:2) und Schottland (0:1). Nach sieben Monaten schmeisst Arthur Jorge den Bettel hin. Die Fussballschweiz atmet auf.

Fans protestieren 1996 gegen den "unbeliebtesten Schnauz der Nation".

(KEYSTONE/Str)

K – Köbi Kuhn

Der “Schweizer des Jahres” 2006 lebt und atmet die Schweizer Nationalmannschaft. Von 1962 bis 1976 absolviert er als Spieler 65 Spiele für die Nati. Dabei erzielt er fünf Tore. Und, man glaubt es kaum, sorgte zudem für einen “Skandal”. An der WM 1966 unternimmt Köbi Kuhn zusammen mit Leo Eichmann und Werner Leimgruber eine spätabendliche Autostopptour in Sheffield. Sie fahren mit zwei Engländerinnen durch die Stadt und kommen zu spät ins Hotel zurück. Trainer Alfredo Foni nahm die drei anschliessend nicht mit ans Spiel gegen Deutschland. Für die restlichen Gruppenspiele werde die drei zwar begnadigt, der Verband sperrte sie darauf aber, wegen angeblich skandalösem Verhalten, für mehrere Monate.

Als Trainer führte Köbi Kuhn die Schweiz an die EM 2004 und an die WM 2006. Die Barragespiele gegen die Türkei im Vorfeld der WM dürften allen Fussballfans noch bestens in Erinnerung sein. Nach der Heim-EM 2008 tritt Köbi Kuhn zurück. Nach wie vor ist er der Trainer, der mit der Nati am meisten Siege einfahren konnte.

L – Legendär

Es ist ein legendärer Schuss und ein fataler Irrtum. Im ersten Schweizer WM-Spiel nach 28 Jahren haut Georges Bregy einen Freistoss in rechte Lattenzkreuz, zur 1:0 Führung für die Schweiz. “Georges Bregy, der Freistosskönig”, jubelt Kommentator Beni Thurnherr.

Nur wenige Minuten später folgt die Ernüchterung. Es gibt Freistoss für die USA und Co-Kommentator Günter Netzer sagt: “Hoffentlich haben die nicht so einen guten Schützen wie Bregy.” Thurnherr erwidert: “Es gibt keinen Zweiten wie Bregy.” Er sollte nicht recht behalten.

Eric Wynalda ballert das Leder ins Lattenkreuz. Später gibt der “Schnorri der Nation” in der NZZ zu: “Mein berühmtester Satz in eine Falschaussage.” Legendär ist er aber allemal.

M – Montpellier

Das Zuhause der Schweizer während der EM 2016. Während vier Wochen hausen die Schweizer im Vichy Spa Hotel. Das obwohl die Schweizer in Lens (gegen Albanien), in Paris (gegen Rumänien) und in Lille (gegen Frankreich) spielen. “Wir ziehen es vor, uns im warmen Süden vorzubereiten, als in den klimatisch wohl weniger angenehmen Norden zu ziehen und dort weniger überzeugende Arbeitsbedingungen vorzufinden”, sagte Trainer Petkovic. Zu den Spielen reist die Schweiz jeweils am Vortag mit dem Flugzeug an.

EPA/GUILLAUME

EPA/GUILLAUME

N – Nationalhymne

Sorry, wir haben gerade den Text vergessen.

O – Orakel

Die Kollegen vom Ostschweizer Fernsehen TVO haben einen Vogel – oder besser gesagt gleich mehrere. Die Keas aus dem Walter Zoo sind mit von der Partie und verraten jeweils vor den EM-Spielen, wer gewinnt.

Das berühmteste Orakel an einem Fussballtier ist wohl Krake Paul, der sogar einen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Die Krake sagte an der WM 2010 alle Spiele mit deutscher Beteiligung und das Finale korrekt voraus. Nach Pauls Tod bezog sein Nachfolger Paul II. das Aquarium.

P – Public Viewing

21 Quadratmeter gross ist der LED-Screen der FM1 EM-Arena. Sollte das Fussballspiel gerade langweilig sein, lohnt sich auch die Aussicht auf den Bodensee. Die FM1 EM-Arena steht nämlich auf der Schlosswiese in Arbon. Besonders freuen wir uns aufs Poulet in der Pause.

Q – Qualifikation

An der ersten Fussball-WM 1930 war die Schweiz nicht dabei – wie auch andere Teams aus finanziellen Gründen. Für die erste Teilnahme an einer Fussball-EM fehlte dann nicht das Geld, sondern ein Punkt. 1992 qualifizierte sich die Schweiz deshalb nur knapp nicht. 1996 nahm sie als Gruppensieger in der Qualifikation erstmals an einer Endrunde teil.

R – Rang

Lieber Schweizer Fussballnati. Hier müssen wir kurz innehalten. Wir liegen in der FIFA-Weltrangliste im Moment auf Platz 15. Das ist für die Schweiz ja ganz ansehnlich. ABER: Vor uns ist Österreich. Ö-S-T-E-R-R-E-I-C-H. Das geht so nicht. Das Ecuador vor uns ist, okay. Aber Österreich? Das schmerzt doch. Da hilft es auch wenig, dass unser St.Galler Meistertrainer Marcel Koller sie nach vorne geführt hat. Als Schweizer will man besser sein als die Österreicher. Sei es beim Fussball, beim Eishockey oder beim Skifahren. Deshalb bitte, bitte strengt euch an und fahrt an der EM Siege ein!

S – Spuckaffäre

Es ist das unrühmlichste Kapitel in der Karriere von Alex Frei. In 84 Spielen traf der Rekordtorschütze 42-mal. In Erinnerung bleibt nach der Karriere aber auch der 17. Juni 2004. An der EM in Portugal spuckt Alex Frei Steven Gerrard an den Rücken. Dies nachdem ihn der Engländer heftig geschupst hatte. Es folgt eine mittlere Staatsaffäre. Alex Frei wird von der UEFA für drei Spiele gesperrt.

KEYSTONE/SRF

KEYSTONE/SRF

Immerhin beweist Alex Frei Humor: Er hat im Basler Zoo die Patenschaft für eine Lama übernommen. Wir finden, weitere Spieler sollten seinem Beispiel folgen. Nach dem Championsleague Final hätte Pepe zum Beispiel die Patenschaft für eine Schwalbe übernehmen sollen. Ach was, für einen ganzen Schwarm Schwalben.

T – Torwart-Poser

Erkennt ihn jemand? Ja, das ist Torwart Yann Sommer, der durchaus auch Sonnenbrillenwerbung machen könnte…

U – Unterhose

An der EM in Frankreich gilt erstmals die Regel, dass die Unterhose der Fussballer, die selbe Farbe wie die Spielhose haben muss, vor allem lange Unterhosen. Ausserdem dürfen auf den Schlüpfern keine Sponsoren oder sonstige Botschaften zu sehen sein. Die weiteren neuen Regeln, gibt es hier.

V – Vonlanthen

2004 schoss Johann Vonlanthen das einzige Schweizer Tor der Euro.

2004 schoss Johann Vonlanthen das einzige Schweizer Tor der Euro.
(Keystone/Oliver Berg)

Johann Vonlanthen heisst der jüngste Torschütze der Fussball-Europameisterschaft. 2004 schoss er als erst 18-jähriger das 1:1 gegen Frankreich. Die Schweiz verlor trotzdem 1:3 und schied nach der Vorrunde aus. Vonlanthens Tor war das einzige in einer sonst erfolglosen Vorrunde.

W – Wahnsinn

“Das ist ein Wahnsinn, was hier abgeht!”, hyperventiliert Kommentator Sascha Ruefer, als die Schweiz in letzter Minute das EM-Quali-Spiel gegen Slowenien dreht. Aus einem 0:2-Rückstand wird in wenigen Minuten ein 3:2-Sieg. Nicht alle Schweizer Fussballfans stehen auf das Geschrei von Ruefer, dabei bekam er für seinen Kommentar in der Schlussphase 2015 sogar Komplimente aus Deutschland. Die Leidenschaft von Ruefer werden wir bald wieder zu hören bekommen, denn er kommentiert die Schweizer Spiele an der EM. Wahnsinn!

X – Xhaka gegen Xhaka

Gleich im ersten EM-Spiel der Schweiz gegen Albanien kommt es zum Brüder-Duell. Taulant Xhaka läuft für Albanien auf, sein älterer Brüder Granit trägt das Schweizerkreuz auf der Brust. Brisant: Beide spielen im Mittelfeld. Es könnte also zum direkten Schlagabtausch kommen.

Taulant (links) und Granit Xhaka

Taulant (links) und Granit Xhaka treffen aufeinander
(Keystone/Walter Bieri)

Schon an der WM 2010 kam es zu einem Brüder-Duell. Damals zwischen den beiden Boateng-Brüdern Kevin-Prince und Jérôme, die auf der Seite von Ghana respektive Deutschland spielten.

Y – Yeah, nur noch zwei Buchstaben!

Hoffentlich hat die Schweiz an der EM mehr Durchhaltevermögen.

Z – Zunge

Es war ein Scheitern mit Ankündigung: Marco Streller lief im Achtelfinal der WM 2006 als Erster zum Penalty-Schiessen gegen die Ukraine an. Seine nervöse Zunge zeigte, was gleich kommen würde. Streller verschoss und leitete damit ein historisches Penalty-Debakel und das Ausscheiden der Schweiz ein.


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