Gaudino – der reife Bubi

Gianluca Gaudino freut sich auf den Schweizer Fussball.
Gianluca Gaudino freut sich auf den Schweizer Fussball. © (KEYSTONE/Eddy Risch)
Mit einem Phrasenschwein hätte der 19-jährige Gianluca Gaudino bei der Präsentation wohl sein ganzes Vermögen verloren. Dennoch: Der FCSG-Neuzugang gefällt durch seine unaufgeregte und bereits reife Art.

Vielleicht liegt es an seinen Genen – sein Vater war Ex-Fussball-Profi Maurizio Gaudino. Oder an seiner Ausbildung im Nachwuchs von Rekordmeister Bayern München: Gianluca Gaudino scheint wenig umzuhauen. Obwohl erst 19-jährig, hat er den Rummel um seine Person bislang souverän gemeistert.

Der Hype um seine Verpflichtung durch den FCSG war in den vergangenen Tagen riesig. Bei der heutigen Präsentation gab sich der Neuzugang sachlich und professionell. Anderen 19-Jährigen hätte bei einer solchen Journalistenmeute die Knie weit mehr gezittert.

Ein paar Pflichtphrasen

Gaudino wiederholte zwar die fussballtypischen Neuverpflichtungsphrasen – „das Vertrauen des Clubs ehrt mich“, „…bin hier, um Fussball zu spielen“ oder „…will mich weiterentwickeln“. Dies machte er aber gekonnt und auf eine sympathisch-unaufgeregte Art. Er vermied es zudem, sich übermässig bei den St.Gallern anzubiedern. Hilfreich war das Auftreten des Clubs, der ihn nicht nur verbal vor übermässigem Druck schützte. Für Einzelinterviews stand Gaudino nicht zur Verfügung. Während der Präsentation betonte Trainer Zinnbauer, auch mit Gaudino werde man nicht um die Meisterschaft oder Europapokal-Plätze spielen.

Dass Gaudino aber nicht irgendein Spieler für den Verein ist, ist ebenfalls klar. Man hole nicht Spieler vom FC Bayern, damit sie auf der Bank oder auf der Tribüne landen, sagte Zinnbauer. Und vor allem: „Wir hoffen, dass er sich zum Führungsspieler entwickelt“.

Lob von ganz oben

Gleich ein halbes Dutzend Mal betonte die FCSG-Führungsriege, wie talentiert Gaudino sei. Mit dieser Meinung stehen Dölf Früh, Christian Stübi und Co. nicht alleine da. Der Mittelfeldspieler galt als eines der grössten Talente Deutschlands und wenn nicht gar Europas. Noch vor zwei Jahren verglichen ihn Journalisten ohne rot zu werden aufgrund seiner Spielweise mit Grössen wie Thiago Alcantara oder Barcelonas Überstratege Iniesta.

Und Pep Guardiola – nicht gerade ein Unbekannter – sagte über ihn nach den ersten Trainings bei den Profis: „Es ist schwierig, als Jugendspieler noch besser zu spielen. Gianni hat herausragende Qualitäten.“

In St.Gallen reifen

Nun ist Gaudino in St.Gallen gelandet. Nicht unwesentlich waren dabei die guten Kontakte in die Bundesliga von Trainer Zinnbauer sowie das kollegiale Verhältnis zwischen Gaudino Senior und Sportchef Stübi. Sie kennen sich seit Jahren.

Gianluca Gaudino gilt als technisch versierter, dribbelstarker Spieler mit dem guten Auge für den Mitspieler. Als Lieblingsposition nannte er die 6 oder 8. Klar würde er lieber in der Bundesliga oder Champions League mit den Bayern spielen, doch so weit ist er noch nicht. Das muss er nicht öffentlich sagen. In St.Gallen will er nun reifen. Auf den Schweizer Fussball scheint er sich zu freuen. „Hier wird ein technischer Fussball gespielt, das kommt mir gelegen“, sagt er.

Die Schweiz ist für ihn übrigens kein Neuland. Vater Maurizio kickte früher beim FC Basel. Und in der Stadt am Rheinknie lernte er als Baby das Laufen. Und wie FCSG-Mediensprecher zum Abschluss der Präsentation sagte: „Zinnbauer wird ihm hier das Fliegen beibringen“. Darauf freuen sich die FCSG-Fans.

(dsc)


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