Gegen den Weissenstein, gegen das Eidgenössische

Die Arena am Eidgenössischen ist einigen ein Dorn im Auge
Die Arena am Eidgenössischen ist einigen ein Dorn im Auge © KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Der Schwingsport gerät ins Visier linker Verbände und Organisationen. Das Fest auf dem Weissenstein soll ab 2017 verboten werden. Torpediert werden die Pläne für das Eidgenössische Fest 2022 in Aesch. Der Weissenstein-Schwinget ob Solothurn von Mitte Juli ist ein Fest mit schöner Tradition.

Im Jahr 2000 wurde er zusammen mit dem Schwägalp-Schwinget in den Kreis der Bergkranzfeste erhoben, von denen es nunmehr sechs gibt, verteilt auf alle fünf Teilverbände.

Der Verkehrsclub der Schweiz VCS will über seine Solothurner Sektion dem Anlass für alle Zeit den Garaus machen. Hierfür beruft sich der VCS auf das Parkplatzreglement auf dem Weissenstein. Dieses müsse konsequent angewendet werden. Auch für einen eintägigen Anlass dürfe es keine Ausnahme geben. Damit wäre die Durchführung des Anlasses faktisch verunmöglicht. Die Zahl der Zuschauer ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, heuer meldeten die Organisatoren mir 4200 einen Rekord. Der Transport mit der Gondelbahn Weissenstein oder mit Bussen in den frühen Morgenstunden des Sonntags – das Fest beginnt jeweils um 8 Uhr mit dem ersten Höhepunkt, dem Anschwingen – wäre aufgrund der geringen Kapazitäten nicht möglich.

In einem Artikel mit der Solothurner Zeitung beteuerte Heinz Flück, Co-Präsident der VCS-Sektion Solothurn, vor längerem: «Wir haben nichts gegen die Schwinger.» Der VCS wolle einzig, dass die Zuschauer nicht mehr mit dem Auto auf den Berg fahren. Die Schwinger unter OK-Präsident Michael Guldimann argumentieren, dass die Gondel acht Stunden bräuchte, um alle hinaufzufahren. Der Einsatz von Bussen würde das Problem nicht lösen.

Die Schwinger berufen sich auch auf einen Vertrag mit der Landbesitzerin, der Bürgergemeinde Solothurn, aus dem Jahr 1988. Demnach bekommen die Schwinger an ihrem einen Tag pro Jahr das Recht, auf dem Privatland zu parkieren. Der VCS dagegen fordert vom Kanton das strikte Durchsetzen des Nutzungsplans inklusive Parklpatzreglement.

Einen kleinen Teilsieg auf dem Weg zur Beerdigung des Festes hat der VCS schon errungen. Die zuständigen Kantonsbehörden hielten fest, dass der diesjährige Schwinget in dieser Form lediglich noch mit einer Ausnahmebewilligung genehmigt werde.

Nicht auf einem Berg, sondern im Flachland zwischen Aesch und Reinach im Baselbiet soll Ende August 2022 das Eidgenössische Schwingfest abgehalten werden. Mit dem Instrument der Petition gehen die Sektionen Aesch und Reinach des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbandes gegen den grössten Sportanlass der Schweiz vor, wie die bz Basel am Mittwoch schrieb. Unterstützt werden die Sektionen von ihrem kantonalen Dachverband und Pro Natura Baselland. Auch der WWF hat sich sehr rasch zu Wort gemeldet. Die Umweltschützer sprechen von einem «idyllischen Naherholungsgebiet» und davon, dass auf dem betroffenen Gebiet von rund 100 Fussballfeldern seltene Tierarten brüten würden.

Kompromissbereit sind die Petitionäre dem Anschein nach nicht. Urs Lanz, Präsident der Baselbieter Schwinger, schlug an einem Treffen mit Kantonsvertretern und den Opponenten vor, man könnte die mehr als 50’000 Zuschauer fassende Arena von der Ebene Aesch-Reinach wegziehen und sie nahe ans bestehende Sportzentrum in Aesch bauen. Damit stiess er bei der Gegnerschaft auf taube Ohren. Es komme «trotzdem» nicht in Frage, hiess es. Der Schaden würde «trotzdem» noch riesig bleiben.

Eine vom Basellandschaftlichen Schwingverband in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie soll mehr Aufschluss bringen. Die Resultate sollten bis Anfang November vorliegen. Derweil sammeln die Petitionäre fleissig Unterschriften. In der Stadt Basel, wo sich die wenigsten im Schwingen auskennen, dürften die Autogramme besonders leicht zu beschaffen sein.

(SDA)


Newsletter abonnieren
0Kommentare
noch 1000 Zeichen