Geht mal nach Hause!

Von Lara Abderhalden
Es gibt einige Verhaltensweisen, die nicht überall gut ankommen.
Es gibt einige Verhaltensweisen, die nicht überall gut ankommen. © FM1Today
Der Schlamm der letzten Nacht klebt noch an den Gummistiefeln und der Schlafmangel hinter den Augen. Eigentlich sieht man noch keine dreissig Zentimeter weit und dennoch, man sieht sie – die OpenAir-Trottel, die Nie-enden-wollenden Bierhälse, deren Durst auch am Sonntag noch lange nicht gestillt ist. Hier die sieben nervigsten.

Der Zigeuner

Dieser OpenAir Typ hat weder sein eigenes noch eigentlich je ein T-Shirt an. Sie oder er ist frei. Im Geiste und wenn es um die Bekleidung geht. Sein Motto lautet: Ich nehme weder Zelt noch Mätteli geschweige denn einen Campingstuhl mit. Ich bin einfach einmal hier. Ich tue einfach ein bisschen sein. Er trinkt den Schnaps seiner ganzen Crew aus, trägt die Socken der Freundin, den Strohut der Ex-Freundin und die Gummistiefel der Mutter seines Kumpels. Hauptsache ein bisschen nehmen und ja nichts geben – ausser ab und zu einen lauten Rülpser oder einen Luft und Liebe zerreissenden Bierfurz.

Der Fahnenträger

Er oder sie trägt sie immer und überall mit hin. Es ist sein Schatz. Sein ganzer Stolz, quasi sein Bestimmungsmerkmal, sein “Ich” – die Bierfahne. Man erkennt den Fahnenträger schon von weitem. Meist balanciert er nebst vier Bieren gleichzeitig auch noch einen mit Zwiebeln vollgestopften Döner mit sich herum. Seine Hosen stinken fast gleich wie sein Atem und nach ihm möchte man kein ToiToi besuchen. Seine vom vielen Bier geprägten Ausdüngen schlagen sogar Mistfliegen in die Flucht.

Der Schwan

Sie sieht immer gut aus. Egal ob es Sonntagmorgen oder Freitagnachmittag ist. Die Converse Schuhe sind noch weiss, der Blumenkranz im Haar sitzt perfekt und das Tank-Top ist frisch gebügelt. Ihr zuzuschauen ist ein bisschen wie häckeln, man hofft bei jedem Schritt, dass sie dieses Mal die Masche nicht kriegt und die ganze Patchwork-Decke in sich zusammenfällt. Leider hüpft das Openair-Hipster-Hässchen wie ein Super Mario über jegliche Hindernisse und sogar beim albernen Hüpfen sieht sie noch gut aus. Geh doch nach Hause!

Der Ständer

Er kann immer und überall. Seichen, bislä, brünzle. Am liebsten macht er es aber hinter deinem Zelt. Am besten noch dort, wo das kleine Fensterli ist, das ein bisschen frische Luft in die sonst so stinkende Gruft bringen soll. Statt frischem Wind gibt es so oft ein bisschen “Eau de Urin”, mmmh fein. Das nächste Mal packt doch eine Gartenschere mit ein, macht es euch mit einem Bierchen auf dem Mäteli bequem und lasst es laufen.

Der Gotthard

Er ist immer da aber nie anwesend. Bei dieser Person Openair blinzelt sogar ein Chamäleon. Sein Blick gleicht dem des Gotthard Basistunnels und seine Körperhaltung der einer Keramikvase. Er ist zwar stets körperlich anwesend, im Geiste wohl aber in Papua Neuguinea oder in einem Coffeeshop in Amsterdam. Mit ihm zu sprechen muss man gar nicht erst versuchen. Vielleicht reagiert er 13 Stunden und 30 Minuten später einmal auf einen Witz, den jemand gemacht hat – dies aber höchstens, aller höchstens mit einem Verschieben der Mundwinkelspitze um 0,0001 Grad.

Der Regenwurm

Seine Welt sind die Berge, die Schlammberge. Seine Nahrung die Erde. Sein Job: Fortpflanzung in Form von sinnlosem Wälzen im Schlamm. Was dieser OpenAir Typ liebt, ist, andere so richtig dreckig zu machen. Alle sollen so sein wie er, je schlammiger desto besser. Diesen Schlammtölpel sieht man jährlich, stündlich und im Minutentakt den Hang beim Stars & Stripes heruntersausen. Und er macht das nicht alleine, auf seiner Fahrt ins Elend schnappt er sich immer noch ein paar unschuldige Lämmli und zieht sie mit in den Dreck oder besser gesagt auf den nächsten Pavillon. Und alle, die dieses Jahr direkt unter dem Stars & Stripes schliefen, werden sich dies im nächsten Jahr wohl zweimal überlegen.

Der Trichter

Du quälst dich mit pochendem Kopf, rasendem Puls und einer Lunge, die sich anfühlt wie eine verbrannte Bratwurst, aus dem Zelt. An deinen Wimpern hangen Gewichte und deine Finger wollen einfach nicht aufhören zu zittern – und da steht er: In seinen Händen glänzen zwei frische gezapfte, wunderbar gekühlte Biere. Auf seinem Gesicht brennt ein Dauerlächeln. Er gleicht ein bisschen dem Faultier “Sid” aus dem Ice Age-Film, also seine Augen auf jeden Fall. Dieser OpenAir-Gänger trinkt auch am Sonntagabend noch Vodka Red Bull, hüpft herum wie ein junges Eichhörnchen und würde am liebsten das Tobel als seine neue Höhle bezeichnen.

Man liebt sie und man hasst sie gleichzeitig. An einem Tag ist man selbst einer dieser Trottel, an einem anderen nervt man sich über sie. Amüsant sind sie alleweil und hey, was wäre das OpenAir ohne solch lustig und zugleich abartigen Gesellen.

(abl)

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