Geldregen an Aktionäre könnte Zahlungsfähigkeit von Firmen belasten

Mehr Geld im Portemonnaie - das freut die Aktionäre. Die CS warnt aber: Möglicherweise müssen Geldgeber deshalb bald mit einer schlechteren Zahlungsfähigkeit rechnen. (Symbolbild)
Mehr Geld im Portemonnaie - das freut die Aktionäre. Die CS warnt aber: Möglicherweise müssen Geldgeber deshalb bald mit einer schlechteren Zahlungsfähigkeit rechnen. (Symbolbild) © KEYSTONE/ENNIO LEANZA
Die Kreditwürdigkeit der meisten wichtigen Schweizer Unternehmen ist laut der Credit Suisse weiterhin gut . Risiken ortet die Grossbank im günstigen Kreditumfeld, das hohe Auszahlungen an Aktionäre fördert und damit die Liquidität einschränken könnte.

Dem starken Franken und dem uneinheitlichen weltweiten Wirtschaftswachstum zum Trotz: Die Schweizer Unternehmen mit Anleihen am Franken-Kapitalmarkt haben sich gut entwickelt, wie die Credit Suisse in einer Mitteilung vom Dienstag zu ihrem Kredithandbuch Schweiz 2016 schreibt.

Einzig die Stromversorger kämpfen weiterhin mit einer schwierigen Situation: Sieben der neun Rückstufen von Bonitäts-Ratings seit der Veröffentlichung des letztjährigen Kredithandbuchs betreffen Energieversorger und Partnerwerke, darunter Axpo und Repower. Eine Abstufung führt tendenziell zu höheren Kreditzinsen und verteuert damit den Schuldendienst.

Die Ratings der Unternehmen und der öffentlichen Hand blieben in den meisten Fällen stabil. Einzig das Rating des Industriekonzerns Sulzer und des Backwarenhersteller Aryzta wurden heruntergestuft, beide unter anderem wegen Zukäufen.

Allerdings könnte das Risiko-Pendel bald herumschwingen, wie die CS festhält. Grund dafür ist eine geringere Profitabilität: Die Hälfte der Unternehmen mussten im Geschäftsjahr 2015 Margeneinbussen hinnehmen.

Die andere Hälfte konnte ihre Margen zwar steigern, wenn auch die Steigerungen nicht so hoch ausfielen wie die Verluste. Ein allzu positives Zeichen sieht die CS im Margenausbau nicht: “Aus unserer Sicht sind die Steigerungen auch im Wesentlichen stärker auf Kostensenkungsmassnahmen als auf zugrunde liegendes Wachstum zurückzuführen.”

Sorgen bereitet der Grossbank das günstige Kreditumfeld. Die attraktiven Refinanzierungskonditionen und die Unterstützung der Zentralbank für die Anleihen-Anlageklassen unterstützen hohe Auszahlungen an Aktionäre.

Die Dividenden stiegen bei den erfassten Unternehmen oder blieben stabil. Zusätzlich kauften sie alle deutlich mehr eigene Aktien zurück. Insgesamt beliefen sich diese Aktienrückkäufe auf 13,7 Milliarden Franken – 60 Prozent mehr als im Vorjahr und 429 Prozent mehr als 2013.

Zwar verfügten die Schweizer Unternehmen im Geschäftsjahr 2015 nach wie vor über eine sehr solide Liquiditätsposition, heisst es weiter. Der stabile Ausblick für rund 80 Prozent der erfassten Unternehmen bestätige dies. Auf der anderen Seite weisen aber auch nur drei Unternehmensratings einen positiven Ausblick aus, denn die CS geht davon aus, dass der Fokus auf Aktionäre und Wachstum durch Akquisitionen andauern wird.

Die Bank erstellt das Kredithandbuch Schweiz seit über 15 Jahren. Sie will damit einen Überblick über die Kreditqualität der wichtigsten Schweizer Emittenten am Franken-Kapitalmarkt geben. Das Handbuch enthält Analysen über 59 Unternehmen, 17 Partnerwerke, 26 Kantone und 6 Städte.

(SDA)


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