Frisierte Töffli rasen um die Wette

Von Angela Müller
Roman Ehrenzeller (li) und Remo Müller fahren das umgebaute Mofa. Stefan Wälti (mitte) ist OK-Präsident des Events.
Roman Ehrenzeller (li) und Remo Müller fahren das umgebaute Mofa. Stefan Wälti (mitte) ist OK-Präsident des Events. © FM1Today/Angela Müller
Zehn Stunden Töfflirennen fahren – dafür muss man ein richtiger Töfflibueb sein. Im St.Gallischen Eschenbach werden diesen Samstag 26 Teams gegeneinander antreten. Wer die meisten Runden schafft, hat gewonnen.

“Wichtig ist uns vor allem, dass das es möglichst bequem ist”, sagt Remo Müller. Er steht vor dem umgebauten Renn-Mofa seines Teams in einer kleinen Werkstatt in Eschenbach. “Darum haben wir Stossdämpfer eines Motocross-Motorrads eingebaut und einen bequemen Sattel.” Dass es sich beim Cross-Töffli ursprünglich um einen schwarzen Puch-Maxi S handelt, sieht man nur noch knapp.

Drei echte Mofa- und Töff-Fans

Die drei Fahrer Roman Ehrenzeller, Roger Ott und Remo Müller treten als Team des Motorfahrclubs Eschenbach (MFC) an. Die drei haben das Zweirad vollständig auseinander genommen und nach ihren eigenen Vorstellungen wieder zusammengebaut. “Das hat uns drei Abende gekostet”, sagt Roman Ehrenzeller. “Die haben ziemlich lange gedauert.” Ehrenzeller ist sozusagen der Profi im Team – er ist amtierender Schweizermeister im Super Motocross fahren. Alle drei MFC-Mitglieder haben einen beruflichen Hintergrund als Mechaniker und sind echte Motorrad-Fans oder für dieses Wochenende “Töfflibuebe”.

Erstes Mofarennen in Eschenbach

Das 10-Stunden Mofa-Rennen wird von einem OK aus dem MFC organisiert. “Wir haben letztes Jahr beim Mofarennen im luzernischen Winikon teilgenommen. Das hat uns inspiriert, ein eigenes Rennen auf die Beine zu stellen”, sagt Stefan Wälti, OK-Präsident. Der 24-jährige steht am Freitagmorgen früh auf der Wiese beim Herrenweg und überwacht die Aufbauarbeiten. Die 800 Meter lange Bahn ist ausgesteckt, auch das Festzelt steht bereits. “Wir sind als Club zwar bei der Organisation von Motorcross-Rennen beteiligt,  aber dieser Event ist eine Premiere für mich.”

Auch der Spass ist wichtig

Die 26 Mofas, die an den Start gehen sind zwischen 30 bis 50 Stundenkilometer schnell. Auf der Wiese dürften sie aber wesentlich langsamer sein. “Bei deiner Streckenlänge von 800 Meter können die Fahrer während den zehn Stunden etwa 250 bis vielleicht 300 Runden schaffen”, rechnet Wälti aus. Immerhin dürfen sich pro Mofa maximal drei Personen beim Fahren abwechseln. “Auch wenn ein solches Rennen körperlich ziemlich anstrengend ist, geht es uns nicht in erster Linie ums Gewinnen”, sagt Roman Ehrenzeller. “Wichtig ist der Spass und das Zusammensein.”

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Hohe kantonale Hürden

Das schwierigste bei den Vorbereitungen waren die behördlichen Auflagen. “Der Kanton St.Gallen stellt bei solchen Events sehr viele Hürden auf. Doch wir konnten alle Vorschriften erfüllen”, sagt OK-Präsident Stefan Wälti. So ist zum Beispiel die Boxenstrasse, wo die Töffli aufgetankt werden, vollständig mit Plastik ausgelegt. “Damit kein Benzin oder Motoröl in die Umwelt gelangen kann.”

Nicht ohne Originalzylinder

Der Event beginnt bereits am Freitagabend. Ab 16 Uhr ist die Festwirtschaft geöffnet und im Verlaufe des Abends werden die ersten Fahrzeuge vom OK-Team technisch abgenommen. Auch für die teilnehmenden Renn-Töfflis gelten eine Reihe von Vorschriften, zum Beispiel sind ausschliesslich Mofas zugelassen, sie dürfen höchstens 49,9 Kubikzentimeter Hubraum haben und der Originalzylinder muss montiert sein.

Feuerwehr ist mit dabei

Am Samstagmorgen startet das Rennen um 9.30 Uhr. Das Team, das in zehn Stunden die meisten Runden fährt, hat gewonnen. Prämiert wird auch das originellste Team. “Doch die Fahrer müssen ihr Kostüm die ganzen zehn Stunden tragen”, sagt Wälti. 26 Teams gehen an den Start, einen grossen Teil stellen die Bewohner aus Eschenbach. “Auch die Feuerwehr hat sich mit einem Töffli-Team angemeldet.”

Die Tölli stinken nicht – sie duften

Das MCF-Team wird heute Abend noch etwas länger an seinem Renn-Töffli arbeiten. Bei der Probefahrt am Freitagmorgen springt der Motor nicht schnell genug an und es knattert und stinkt. Remo Müller korrigiert: “Es stinkt nicht, es duftet!” Und auch das Knattern ist für die drei Männer Musik in den Ohren. Heute Abend folgt der Feinschliff ihrer Rennmaschine. “Wir haben absolut alles umgeändert, was erlaubt ist”, sagt Müller. “Nun sorgen wir dafür, dass es richtig läuft und gut aussieht.”


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