Grossbritannien erlaubt erstmals Genmanipulation an Embryos

Handling von Eizellen/Embryonen in einer Kulturschale am Stereomikroskop. (Archivbild)
Handling von Eizellen/Embryonen in einer Kulturschale am Stereomikroskop. (Archivbild) © /KEYSTONE/GAETAN BALLY
Grossbritannien hat erstmals die Genmanipulation an Embryos zu Forschungszwecken erlaubt. Der entsprechende Antrag auf eine Ausweitung der bisherigen Forschungszulassung sei genehmigt worden, teilte die zuständige Behörde HFEA am Montag mit.

Der Antrag wurde von Kathy Niakan vom Francis Crick Institute in London gestellt und von der “Human Fertilisation and Embryology Authority” (HFEA) geprüft. Niakan möchte die Entwicklung von Embryonen während der ersten sieben Tage nach der Befruchtung untersuchen. In dieser Zeit wird aus der befruchteten Eizelle eine als “Blastozyste” bezeichnete Struktur aus 200 bis 300 Zellen.

“Wir möchten verstehen, welche Gene es braucht, damit aus einem Embryo ein gesundes Baby wird”, erklärte Niakan am 13. Januar gegenüber der BBC. Viele der Gene, die während der frühen Phase aktiv seien, kämen nur beim Menschen vor, so dass Tiermodelle nicht in Frage kämen.

Die Zulassung betrifft die sogenannte CRISPR/Cas9-Methode, die es erlaubt, Gene im Erbgut gezielt auszuschalten. Auf diese Weise möchte Niakan die Funktion verschiedener Gene in zu Forschungszwecken gespendeten Embryos studieren.

In Grossbritannien sind Versuche an Embryos mit Genehmigung der HFEA legal, das Einpflanzen dieser Embryonen ist jedoch untersagt. Niakan betonte gegenüber der BBC, dass es entsprechend strenge Vorschriften gebe, die Experimente zur Erzeugung von Designer-Babies verbieten.

Ein erster Versuch, die CRISPR/Cas9-Methode an menschlichen Embryonen anzuwenden, wurde Anfang 2015 schon einmal in China unternommen. Bei der Machbarkeitsstudie an ohne nicht lebensfähigen Embryonen ging es darum, einen Gendefekt zu reparieren.

Niakans Projekt befasst sich hingegen mit grundlegenden Fragestellungen über Genfunktionen im frühen Embryo. Sie hofft damit Basiswissen zu schaffen, das dabei hilft, Fehlgeburten zu reduzieren und die In-Vitro-Fertilisation zu verbessern.

Die Entscheidung der britischen Behörde dürfte die ethische Debatte über Genmanipulationen am Menschen weiter anheizen.

(SDA)


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