Grosses Fischsterben über die Festtage

Die Lützelmurg wurde auf rund zwei Kilometern verschmutzt. Die Säuberung und Wiederansiedlung kann Jahre dauern.
Die Lützelmurg wurde auf rund zwei Kilometern verschmutzt. Die Säuberung und Wiederansiedlung kann Jahre dauern. © Tagblatt/Susann Basler
In Aadorf sind an Neujahr drei Viertel der Fische in der Lützelmurg verendet. Grund war Abwasser, das aus einem verstopften Schacht in den Bach floss. Viele Helfer standen und sind immer noch im Einsatz, um den Bach wieder zu säubern.

Zwischen Weihnachten und Neujahr hing in Aadorf nicht etwa der Geruch von feinem Braten oder Guetzli in der Luft, sondern es stank nach Abwasser. Grund war ein Kanal des Abwasser Zweckverbandes, der irgendwann zwischen Weihnachten und Neujahr verstopft wurde. Über ein Schacht floss das Abwasser statt in die Kläranlage direkt in den Dorfbach, die Lützelmurg. Ein Grossteil der Fische, sowie diverse Krebstierchen verendeten durch das Abwasser.

«So etwas gab’s noch nie»

Bruno Lüscher ist seit rund 25 Jahren Präsident des Abwasser Zweckverbandes und hat eine solch grosse Katastrophe noch nie erlebt. «Für mich ist das im Moment fast nicht zu glauben, so etwas trifft einen», sagt er. Kleinere Zwischfälle habe es schon ab und an gegeben, eine solch grossflächige Verschmutzung des Baches gab es aber noch nie. Die Kläranlage Aadorf wurde in den 70er-Jahren gebaut.

Bruno Lüscher ist seit 25 Jahren Präsident des Abwasser Zweckverbandes Lützelmurgtal.

Bruno Lüscher ist seit 25 Jahren Präsident des Abwasser Zweckverbandes Lützelmurgtal. (Bild: Tagblatt/Reto Martin)

Grosses Fischsterben ist die schlimmste Folge der Verschmutzung

Rund die Hälfte aller Fische in der Lützelmurg sind dem Abwasser schon zum Oper fallen. «Durch den Schlamm verpilzen die Fische, deshalb werden wohl nochmals viele Fische sterben. Grob geschätzt wird nur ein Viertel der Fische überleben», sagt Lüscher. Auch der Laich dieses Jahr ist im Schlamm verloren. Weil die Lützelmurg momentan nur wenig Wasser führt, hat das Abwasser direkt die Bachsohle angegriffen. So sind auch fast alle Kleintiere und Krebse im betroffenen Teil des Bachs verendet.

Das Bachwasser wird seit Neujahr abgepumpt

Da der Bach sehr stark verschmutzt wurde, haben mehrere Personen in den letzten Tagen den Bach abgepumpt und das Schmutzwasser direkt in die Kläranlage abgeführt. «Weil vor allem die Bachsohle über eine Strecke von etwa zwei Kilometern verschmutzt ist, versuchen wir, diese mit speziellen Pumpen zu säubern», sagt Bruno Lüscher.  Am ersten Januar waren diverse Ämter, der Werkhof Aadorf und Mitglieder der betroffenen Fischpachgruppe vor Ort. Zwei Bauern waren mit Pumpen im Einsatz, zudem waren viele Experten an der Lützelmurg, um den Schaden für die Natur zu messen. Seit dem 1. Januar läuft das Abwasser wieder normal ab, was bleibt, ist der Schmutz im Bachbett.

Vorsätzliche Tat wird nicht ausgeschlossen

Ein Schachtdeckel aus Aluminium hat den Schacht so verstopft, dass er überlief. Die Polizei hat einen Rapport erstellt, Absicht könne nicht ausgeschlossen werden. «Der provisorische Schachtdeckel aus Aluminium stammt aus dem Strassenbau und sieht in etwa aus wie ein Pfannendeckel», sagt Bruno Lüscher. Der Kanal wurde Anfang Dezember noch gereinigt, der Abwasser Zweckverband Lützelmurgtal übernimmt trotzdem die volle Verantwortung für den Vorfall. «Jetzt werden Abklärungen gemacht, vor allem Versicherungsfragen sind noch offen», sagt Bruno Lüscher.

Die Höhe Schadens kann noch nicht beziffert werden

«Die Höhe des Schadens kann noch nicht beziffert werden», sagt Bruno Lüscher. Nun beginnt der Wiederaufbau mit Lebewesen in der Lützelmurg. Gemeinsam mit Fachleuten aus der Biologie und der Fischerei, sowie mit Gewässerexperten, werden die Tiere über Monate oder möglicherweise sogar Jahre wieder angesiedelt. «Der Bach hatte eine sehr gute Population, im Frühjahr starten wir damit, diese wieder aufzubauen», sagt Bruno Lüscher.

(enf)


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