Grünes Licht für Syngenta-ChemChina-Deal

Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina und Syngenta-Präsident Michel Demaré an der Syngenta-Jahresmedienkonferenz im Februar: Nachdem die US-Behörde grünes Licht gegeben hat, rückt die Übernahme durch die Chinesen in greifbare Nähe
Ren Jianxin, Verwaltungsratspräsident von ChemChina und Syngenta-Präsident Michel Demaré an der Syngenta-Jahresmedienkonferenz im Februar: Nachdem die US-Behörde grünes Licht gegeben hat, rückt die Übernahme durch die Chinesen in greifbare Nähe © KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS
Die US-Behörden genehmigen die Übernahme des Basler Agrochemiekonzerns Syngenta durch den chinesischen Chemieriesen ChemChina. Der Ausschuss für ausländische Investitionen in den USA (CFIUS) hat den 43-Milliarden-Dollar-Deal freigegeben.

Damit dürfte der Kauf wie geplant bis Jahresende abgeschlossen werden. Noch ist der Weg für die Übernahme zwar nicht ganz frei. Zahlreiche Regulierungsbehörden weltweit müssen ihre kartellrechtliche Prüfung noch abschliessen, wie Syngenta in einer Mitteilung am Montag festhält.

Mit der Zustimmung aus den USA ist die grösste Hürde aber geschafft. Syngenta hat dort mehrere Standorte. Der Konzern erwirtschaftet fast ein Viertel seines Umsatzes in Nordamerika. Dort ist er der grösste Anbieter von Pestiziden und auch ein wichtiges Unternehmen im Saatgut-Markt.

Wohl auch aus Sorge, die USA könnte den Deal blockieren, hielten sich die Aktionäre bisher zurück. Die Syngenta-Aktie notierte noch am Freitag mit 380.80 Franken pro Aktie deutlich unter den gebotenen 465 Dollar pro Aktie. Weil noch nicht alle Genehmigungen vorlagen, verlängerte ChemChina die Frist für die Annahme der Offerte bereits zweimal, sie läuft noch bis zum 13. September.

Nachdem die US-Behörden nun grünes Licht gegeben haben, griffen die Investoren am Montag zu. Kurz nach Handelsbeginn stieg der Aktienkurs um über 11 Prozent auf 424 Franken.

Aus den USA gab es starken Gegenwind für die Übernahme. Senatoren verschiedener Bundesstaaten, vor allem aus sogenannten Farmer-Bundesstaaten, äusserten ihre Bedenken. Eine stärkere ausländische Kontrolle über wichtige Teile der US-Nahrungsmittelproduktion könnte die nationale Versorgungssicherheit gefährden, monierten die Politiker.

Es müsse sichergestellt werden, dass der Wettbewerb unter den globalen Akteure in der Saatgut- und Chemieindustrie nicht verringert werde. US-Landwirte könnten dadurch geschädigt werden, hiess es weiter. Syngenta wehrte sich gegen diese Vorwürfe.

Auch in der Schweiz wurden Bedenken wegen der Übernahme laut, diese bezogen sich aber hauptsächlich auf die Arbeitsplätze. Bundespräsident und Wirtschaftsminister Johann Schneider-Ammann bemühte sich, die Sorgen zu zerstreuen.

Eine Übernahme von Syngenta hatte sich bereits vor den Avancen von ChemChina abgezeichnet. So wehrte der in Basel ansässige Konzern mehrere Übernahmeversuche des US-Konkurrenten Monsanto ab – und zog wegen der Ablehnung heftige Kritik von Aktionären auf sich.

Die gesamte Branche befindet sich derzeit in einem tiefgreifenden Umbruch. Das Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln und Saatgut steht wegen niedriger Getreidepreise, den Turbulenzen in den Schwellenländern und der Rezession in Brasilien seit einiger Zeit unter erheblichem Druck.

Um die Marge zu erhöhen, versuchen die Chemieunternehmen die Kosten zu senken – Fusionen, die Synergien bringen, helfen dabei. Der im Dezember auf den Weg gebrachte Zusammenschluss von Dow Chemical und DuPont schafft einen neuen Branchenriesen. Der deutsche Konzern Bayer strebt die Übernahme des Saatgut- und Pflanzenschutz-Konzerns Monsanto aus den USA an.

Durch die Übernahme von Syngenta könnte die chinesische ChemChina ein wichtiger globaler Mitspieler in der Branche werden. Gelingt die Transaktion, wäre dies die bisher grösste chinesische Übernahme im Ausland. Der Kauf ist auch ein wichtiger Schritt in der Strategie Chinas, die Entwicklung seiner Landwirtschaft durch moderne Methoden wie Biotechnologie und eine Konsolidierung der Branche voranzubringen.

(SDA)


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