Schweizer wollen hohe Qualität im Spital belohnen

Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit dem Gesundheitswesen (Symbolbild)
Schweizerinnen und Schweizer sind zufrieden mit dem Gesundheitswesen (Symbolbild) © KEYSTONE/GAETAN BALLY
Mehr Geld für qualitativ gute Spitäler, weniger Geld für schlechte: Die öffentliche Hand soll auf diese Weise die Spitäler zu hohen Leistungen anspornen. Dafür spricht sich erstmals eine Mehrheit der Schweizer in einer Umfrage aus.

62 Prozent der Stimmberechtigten sind für ein solches Belohnungs- und Bestrafungssystem, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten gfs-Gesundheitsmonitor 2016 hervorgeht. Bei der letzten Befragung 2015 waren es mit 41 Prozent noch deutlich weniger.

46 Prozent würden sogar befürworten, dass Krankenkassen nur noch die Behandlung in Spitälern mit hoher Qualität bezahlen sollten – ebenfalls deutlich mehr als im Vorjahr. Die Gegner haben hier mit 50 Prozent aber weiterhin die Oberhand.

Weitere Umfragewerte verdeutlichen, welch hohe Priorität die Qualität bei den Befragten geniesst. 82 Prozent etwa möchten die Qualitätsdaten kennen, bevor sie sich für die Behandlung in einem Spital entscheiden.

Ganz unproblematisch finden die Befragten die Qualitätsbeurteilung aber nicht. Im Gegenteil wächst die Befürchtung, mehr Transparenz könnte eher verwirren, da in der Schweiz alle Spitäler qualitativ gut seien. 59 Prozent stimmten dieser Aussage zu, im Vorjahr waren es 45 Prozent.

Nicht nur die Qualität beschäftigt die Stimmberechtigten, sondern auch die Kosten. Dafür sind sie mehr und mehr bereit, auf eine freie Spital- oder Arztwahl zu verzichten. Zwei Drittel der Befragten würden die freie Spitalwahl aufgeben, wenn dadurch die Kosten sinken würden. Das ist der Höchstwert im Gesundheitsmonitor seit Messbeginn, wie es im Bericht heisst.

Auch bei den Ärzten ist erstmals eine Mehrheit dazu bereit, an der freien Arztwahl zu rütteln: 59 Prozent sind dafür offen, 15 Prozentpunkte mehr als 2015.

Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Vertragszwang: Wenn es nach einer knappen Mehrheit geht, müssen die Krankenkassen nicht mehr mit allen Ärzten einen Vertrag abschliessen und deren Leistung abzurechnen. 53 Prozent sind dieser Meinung, obwohl gleichzeitig eine Mehrheit mit diesem Schritt die persönliche Entscheidungsfreiheit eingeschränkt sieht.

Mit der Aufhebung des Vertragszwangs sollen neue Arztpraxen eingeschränkt werden. Denn die meisten sehen einen direkten Zusammenhang zwischen der Ärztezahl und den steigenden Krankenkassenprämien. Einen Zulassungstopp hält indes etwa mehr als die Hälfte der Befragten für unnötig.

Weil es je nach Region nach Meinung der Befragten zu viel oder zu wenig Ärzte gibt, herrscht die Meinung vor, die Kantone sollen entscheiden, ob sie weitere Arztpraxen zulassen wollen oder nicht.

Derzeit können die Kantone das auch: National- und Ständerat haben sich dieses Jahr auf eine vorläufige Verlängerung des provisorischen Zulassungsstopps für Ärzte bis 2019 geeinigt. Die Kantone können somit die Zahl neuer Spezialärzte weiterhin begrenzen. Langfristig allerdings soll eine andere Lösung her: Der Bundesrat hat nun maximal drei Jahre Zeit, um eine dauerhafte Lösung auszuarbeiten.

Das Meinungsforschungsinstitut gfs.bern erstellt die Umfrage “gfs-Gesundheitsmonitor” jährlich im Auftrag von Interpharma, dem Verband der forschenden pharmazeutischen Firmen der Schweiz. Zwischen dem 7. März und dem 8. April 2016 wurden 1210 Stimmberechtigte aus der ganzen Schweiz befragt.

(SDA)


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