Haarige Entführung: Coiffeusen in Angst

Von Sandro Zulian
Lehrling Severin Tschirren (rechts) hat den Überfall des Unbekannten miterlebt.
Lehrling Severin Tschirren (rechts) hat den Überfall des Unbekannten miterlebt. © FM1Today/Sandro Zulian
Am Montag rennt ein unbekannter Mann in den “Coiffeursalon X” unweit des Bahnhofs an der Poststrasse in St.Gallen. Sein ungewöhnliches Ziel: Zwei “Chewbacca”-Figuren, die der Salon im Schaufenster aufgestellt hat. 

“Ich war voll schockiert. Mein Herz schlug extrem fest”, sagt die Lehrtochter Severine Tschirren gegenüber FM1Today. Der Mann sei in die Filiale an der Postrasse gestürmt und hätte gerufen: “Achtung, Terroranschlag!” Daraufhin riss er eine der beiden Chewbacca Figuren (Chewbacca ist eine bekannte Figur aus der Filmserie “Star Wars”) aus dem Schaufenster, schmiss einen Zettel auf den Boden und machte sich aus dem Staub, wie das “St.Galler Tagblatt” berichtet.

Chewbacca hat das Stockholm Syndrom

“Auf dem Zettel stand, dass sich die beiden knapp zwei Meter grossen Figuren bei uns in der Filiale nicht wohl fühlten”, sagt Ivan Herb, Inhaber des Coiffeur X. Die beiden Figuren hätten das Stockholm Syndrom und blieben nur deswegen in der Filiale. Das Stockholm Syndrom ist ein psychologisches Phänomen, bei dem Opfer von Geiselnahmen ein positives, emotionales Verhältnis zu ihren Entführern aufbauen. Das kann dazu führen, dass die Opfer mit den Tätern sympathisieren und mit ihnen kooperieren. “Ich gehe von einem Studentenscherz aus”, so Herb. Es könne sich natürlich auch um eine verwirrte Person handeln.

Polizei hat gelacht

“Erst haben die Beamten uns die Geschichte gar nicht abgekauft”, so Lehrling Severine Tschirren. Erst nach genauen Erklärungen des Tathergangs nahmen die Polizisten die Ermittlungen auf und befragten das betroffene Personal im Coiffeursalon. “Ich musste auch lachen, als ich die Geschichte zum ersten Mal gehört habe”, sagt Florian Schneider von der Kantonspolizei St.Gallen. “Unsere Beamten haben den Fall jedoch sicherlich ernst genommen, nachdem sie mit den Einzelheiten betraut waren.”

 

Coiffeusen ab sofort bewaffnet

Da der Täter angekündigt hatte, er wolle auch die zweite Werbefigur “befreien”, haben sich die Coiffeusen für einen weiteren Überfall gewappnet. “Wir haben jetzt einen Pfefferspray.”, sagt Severine Tschirren. “Die Polizei hat uns geraten, dass wir im Wiederholungsfall den Täter fesseln sollen!”, sagt Tschirren lachend. Sie kann sich nicht vorstellen, wie zwei Coiffeusen alleine in einem leeren Laden so etwas bewerkstelligen sollen. “Ich hoffe, der kommt nicht mehr. Ein bisschen Angst habe ich schon noch.”

100 Franken Belohnung für den “Retter”

“Die Geschichte ist eine sehr gute Idee, das muss ich zugeben.”, so Inhaber Ivan Herb. Es handle sich aber nicht um einen PR-Gag, versichert er. “Eine Kundin fragte nach dem Vorfall scherzhaft, ob so etwas nun zu unserem Eventprogramm gehöre.” Trotz des ernsten Hintergrunds will Herb sich nicht unterkriegen lassen: “Es wäre falsch, nun Angst zu haben.” Coiffeur X hätte die entführte Figur gerne auch wieder zurück: “Wer uns unseren Chewbacca zurückbringt, bekommt eine Belohnung von 100 Franken.”

Hier die Reaktion von “Chewie” auf die Frage, ob er aus freien Stücken mit dem unbekannten Mann mitgegangen ist:

giphy.com

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