«Hätte nie gedacht, dass sie mit uns isst»

Von Laurien Gschwend
Bundesrätin Simonetta Sommaruga beim Mittagessen mit jugendlichen Asylsuchenden.
Bundesrätin Simonetta Sommaruga beim Mittagessen mit jugendlichen Asylsuchenden. © KEYSTONE/Gian Ehrenzeller
Bundesrätin Simonetta Sommaruga hat am Donnerstag im Kinderdorf Pestalozzi in Trogen unbegleitete minderjährige Asylsuchende (UMA) besucht. Sie zeigte sich tief beeindruckt von den Jugendlichen: «Sie haben ein schweres Schicksal hinter sich, und trotzdem sind sie sehr motiviert, hier ein neues Leben aufzubauen».

Heute Donnerstag ist für die 18 Jugendlichen ein ganz besonderer Tag. Eine der höchsten Schweizerinnen, SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga, schaut im Kinderdorf Pestalozzi vorbei und setzt sich mit ihnen an den Esstisch. «Das war super. Ich hätte nie gedacht, dass sie, wenn sie hier ist, einfach mit uns zu Mittag isst», schwärmt der 17-jährige Ali Sina Nouri aus Afghanistan.

Ali Sina Nouri © FM1Today/Laurien Gschwend

Ali Sina Nouri © FM1Today/Laurien Gschwend

«Investition in die Zukunft»

«Die Jugendlichen lernen hier Deutsch, wollen eine Ausbildung absolvieren und arbeiten», sagt Simonetta Sommaruga. Sie sei überzeugt, dass man den jungen Menschen mit dem Aufenthalt in Trogen eine bestmögliche Startchance gebe. «Einige sind 16 oder 17 Jahre alt, leben seit acht Monaten in der Schweiz und können schon jetzt Deutsch», freut sie sich. Unterstütze man die UMAs, so die Vorsteherin des eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartements, «bringen diese unheimlich viel für unser Land, wir investieren also in die Zukunft».

Dass sich der Bund in Zusammenarbeit mit den Kantonen und Gemeinden für UMAs einsetze, habe auch, aber nicht nur mit Geld zu tun. «Hier ist das Engagement der Behörden, aber auch der Zivilgesellschaft gefragt. Mit dieser Unterstützung können wir viel erreichen», zeigt sich Sommaruga überzeugt.

Aufgenommen werden alle

Der Verein tipiti, der junge Flüchtlinge betreut, hat sich im Kinderdorf Pestalozzi eingemietet. Die Jugendlichen werden unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus aufgenommen. 18 junge Männer, die ohne erwachsene Begleitperson aus ihrer Heimat geflohen sind, finden in Trogen einen Platz. Neun weitere leben in Wohngruppen, zwei wurden von Pflegefamilien aufgenommen. «Viele der Asylsuchenden, die in Trogen leben, kommen aus Eritrea, Syrien oder Afghanistan», erklärt Matthias Weishaupt, Landammann von Appenzell Ausserrhoden.

Liebesbotschaft an die Angebetete

Auch Natnael Misgina, der aus Eritrea fliehen musste, fühlt sich geschmeichelt, einen solch hohen Besuch zu bekommen. «Gestern sagte mein Lehrer, dass am nächsten Tag Frau Sommaruga vorbeikomme. Ich dachte, er mache einen Spass. Ich habe ihm nicht geglaubt, aber heute bin ich so froh», berichtet der 20-Jährige. Die Medienpräsenz nutzt er sogleich und grüsst seinen Schwarm aus Altstätten. «Salomé, ich liebe dich!»

Natnael Misgina © FM1Today/Laurien Gschwend

Natnael Misgina © FM1Today/Laurien Gschwend

Simon Mulugeta, 17 Jahre alt und aus Eritrea, hat im Kinderdorf Pestalozzi schon viele Freunde gefunden. Er geht fleissig zur Schule, «denn ich möchte eine Ausbildung zum Elektriker machen». Der Bereich fasziniere ihn schon eine ganze Weile. Mit der Familie in Eritrea steht er telefonisch in Kontakt. «Ich denke, es geht ihnen ganz gut.»

Simon Mulugeta © FM1Today/Laurien Gschwend

Simon Mulugeta © FM1Today/Laurien Gschwend

«Eine unglaubliche Leistung»

Thomas Elber, Bereichsleiter UMAs beim Verein tipiti, macht beim Besuch von Simonetta Sommaruga darauf aufmerksam, dass die Situation für die jungen Flüchtlinge ziemlich schwer sei. «Sie sind auch in der Pubertät, hinzu kommt die ganze Fluchtgeschichte, das können wir uns kaum vorstellen. Die Asylsuchenden müssen das Ganze verarbeiten, sich anpassen und gleichzeitig Deutsch lernen. Eine unglaubliche Leistung, welche die Jungen hier vollbringen.»


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