Liechtensteiner Richter muss hinter Gitter

Der Finanzplatz Liechtenstein mit dem Hauptort Vaduz:  Der verurteilte, ehemalige höchste Verfassungsrichter des Fürstentums prellte seine Kundschaft um Millionen von Franken.
Der Finanzplatz Liechtenstein mit dem Hauptort Vaduz: Der verurteilte, ehemalige höchste Verfassungsrichter des Fürstentums prellte seine Kundschaft um Millionen von Franken. © KEYSTONE/PETER KLAUNZER
Ein früherer langjähriger Präsident des Liechtensteinischen Staatsgerichtshofs ist wegen Vermögensdelikten im Umfang von 13 Millionen Franken verurteilt worden. Die Schuld akzeptierte der Treuhänder und Rechtsanwalt, nicht aber das Strafmass.

Der 69-jährige, der 14 Jahre den Liechtensteiner Staatsgerichtshof präsidierte, wurde letzte Woche vom Kriminalgericht in Vaduz zu sechs Jahren Haft verurteilt. Er hatte sich der schweren Untreue, des schweren gewerbsmässigen Betrugs sowie der Geldwäscherei schuldig gemacht und war geständig vor den Schranken des Gerichts.

Der Schuldspruch trat inzwischen in Rechtskraft, gegen die Höhe der Strafe legte der Verurteilte jedoch Berufung ein, wie Robert Wallner, Leitender Staatsanwalt im Fürstentum, am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda bekannt gab. Der Beschuldigte befindet sich seit Anfang September letzten Jahres in Untersuchungshaft.

Freunde und Bekannte schenkten dem einst höchsten Verfassungsrichter Liechtensteins, dem Rechtsanwalt, Treuhänder und Fürstlichen Justizrat, volles Vertrauen und überliessen ihm Millionen von Franken zur Verwaltung und Vermehrung. Das Geld ist nun weg. Vor Gericht hatte der Angeklagte eingeräumt, völlig den Überblick über seine Geschäfte verloren zu haben.

Eine Begegnung mit einer Brasilianerin spielte im Leben des Liechtensteiners eine einschneidende Rolle. Die Frau soll ihn von einer schweren Krankheit geheilt haben. Der gemeinsame Aufbau einer Kosmetikfirma trug jedoch keine Früchte, sondern kostete den Angeklagten nur eine Menge Geld.

Die Ermittlungen gegen den 69-Jährigen sind noch nicht zu Ende. Die Staatsanwaltschaft in Vaduz eröffnete ein zweites, separates Verfahren, dessen Untersuchung bereits weit fortgeschritten und bis Ende Jahr abgeschlossen sein soll. Zur mutmasslichen Schadenssumme gab es noch keine näheren Informationen. Es gehe um einen zweistelligen Millionenbetrag, hiess es bei der Staatsanwaltschaft.

Ob es sich beim Fall des Treuhänders, Rechtsanwalts und früheren Präsidenten des Staatsgerichtshofes um den grössten Betrugsfall Liechtensteins handelt, ist offen. Dazu könne er sich momentan nicht äussern, weil die zweite Untersuchung noch nicht abgeschlossen sei, so Staatsanwalt Wallner.

(SDA)


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