Handgranaten machen Krokodile scharf

Paarungszeit und Balzverhalten setzen bei den Reptilien in freier Wildbahn durch Vibrationen des Bodens ein.
Paarungszeit und Balzverhalten setzen bei den Reptilien in freier Wildbahn durch Vibrationen des Bodens ein. © Keystone/Symbolbild
In der Nähe des Walter-Zoos übt das Militär. Den Tieren macht das offenbar nichts aus. Explosionen auf dem Waffenplatz sollen den Krokodilen sogar dienlich sein.

mre/St.Galler Tagblatt

Besorgte Zoobesucher gab es vergangene Woche in Gossau. Denn in der Kaserne Neuchlen herrschte am Donnerstag Hochbetrieb. Diese liegt just neben dem Gelände des Walter-Zoos. Armee-Helikopter flogen in regelmässigen Abständen über dem Zoo, allgemein ging es lärmig zu und her. Einigen Besuchern des Tierparks taten deshalb die Affen, Vögel und Ponys leid, die den ganzen Tag dem Krach ausgesetzt waren.

Heli-Taxi für Olma-Gäste

Adjutant Adrian Purtschert, Stellvertretender Kommandant des Waffenplatzes Herisau-Gossau, bestätigt auf Anfrage die erhöhte Aktivität des Militärs am Donnerstag. Zurzeit sei ein Grenadierbataillon in Gossau stationiert, das für zwei Wochen eine Übung abhalte. Dabei seien Helikopter involviert gewesen. «Zudem wurden am Donnerstag zur Eröffnung der Olma hochrangige Mitglieder der Armee sowie Gäste eingeflogen», fügt er an.

Doch dürfte die Kaserne Neuchlen nicht die einzige Lärmquelle für den Zoo sein: Ganz in der Nähe befinden sich auch der Schiessplatz Breitfeld und eine Rega-Helikopter-Basis. Beide sind das ganze Jahr über in Betrieb.

Dass der Schiesslärm und die Helikoptergeräusche die Tiere erschrecken, glaubt Karin Federer, Tierärztin und Geschäftsleitungsmitglied des Walter-Zoos, aber nicht: «Seit klein auf kennen die Tiere diese Geräusche, die sind sie längst gewohnt», sagt sie. «Wir Zoo-Mitarbeitenden nehmen gar nicht mehr aktiv wahr, wenn beim Militär geschossen oder geflogen wird. Und so geht es auch den Tieren.»

Heissmacher Handgranate

Vermutlich sei sogar das Gegenteil der Fall, sagt Federer: Die Aktivitäten der Armee könnten einen positiven Effekt auf die Bewohner des Zoos haben. «Als erster Schweizer Zoo ist bei uns die Fortpflanzung von Stumpfkrokodilen gelungen», sagt Federer. Denn Paarungszeit und Balzverhalten setzen bei den Reptilien in freier Wildbahn durch Vibrationen des Bodens ein, ausgelöst durch heftige Tropengewitter. «Wir haben die Vermutung, dass es zu einem ähnlichen Effekt kommt, wenn die Armee auf dem Waffenplatz mit Handgranaten trainiert.»

Das Verhältnis des Walter- Zoos zur Schweizer Armee sei denn auch sehr gut, betont Karin Federer. «Wir werden im Vorfeld immer umfassend informiert, wenn Übungen oder Einsätze stattfinden.» So sei das auch für die Helikopterflüge und Trainings in der vergangenen Woche in der Kaserne Neuchlen geschehen

Dieser Artikel erschien am 18.10.2017 auf tagblatt.ch


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