Hanfbauer erhält eine mickrige Entschädigung

Die Staatsanwaltschaft zahlt dem Betreiber der Hanfanlage 1000 Franken.
Die Staatsanwaltschaft zahlt dem Betreiber der Hanfanlage 1000 Franken. © pd
Die Polizei räumte vor einem Jahr seine komplette CBD-Hanfplantage. Nun erhält ein Bauer aus Niederhelfenschwil eine Entschädigung. Diese ist aber nicht annähernd so hoch wie von ihm gefordert.

Vor mehr als einem Jahr wurde die Hanf-Indooranlage von Patrik Liechtensteiger in Niederhelfenschwil einer Razzia unterzogen. Die Polizei nahm sämtliche Gerätschaften mit, die herangezüchteten Pflanzen wurden vernichtet. Einige Monate später brachte die Polizei die Gerätschaften zurück, bei den Hanfpflanzen handelte es sich um Industriehanf. Der geschädigte Bauer berechnete einen Umsatzausfall von rund 150’000 Franken. Nun bekommt er nicht einmal einen Hundertstel davon als Entschädigung.

Untersuchung wurde eingestellt

Im September 2016 hatte die Staatsanwaltschaft des Kantons St.Gallen im Rahmen einer Strafuntersuchung die Hanfpflanzen in einer nicht angemeldeten Indoor-Hanfplantage in Niederhelfenschwil beschlagnahmt.

Bereits im Januar gab die Staatsanwaltschaft bekannt, dass die Auswertung ergeben habe, dass es sich bei den Pflanzen um Industriehanf mit einem THC-Gehalt von weniger als einem Prozent handelt. Offen war damals noch, ob der Bauer für seine Ausfälle eine Entschädigung erhalten wird. Nun teilt die Staatsanwaltschaft mit, dass der Beschuldigte eine Entschädigung von 1000 Franken erhält. Damit ist die Untersuchung in Bezug auf einen Verstoss gegen das Betäubungsmittelgesetz eingestellt.

Entschädigung ist nicht angemessen

Als FM1Today im Januar mit Bauer Patrik Lichtensteiger sprach, rechnete dieser mit Ausfällen von 150’000 Franken. «Man muss dabei nicht nur den Anlageschaden, sondern auch Ernteausfälle und Verfahrenskosten berücksichtigen», sagte Patrick Widmer, Besitzer der Firma Medropharm damals. Der Bauer produziert im Auftrag Medropharms CBD-Hanf.

Polizei und Staatsanwaltschaft gingen radikal vor

Bei der Hausdurchsuchung im September 2016 ging die Polizei auf dem Hof Liechtensteigers nicht zimperlich vor. Grund dafür war die Gestaltung der Anlage. «Diese Indooranlage schien, als würde man sie verstecken wollen. Sie war nicht durchsichtig wie ein normales Gewächshaus, sondern hatte doppelte Wände und besass Aktivkohle-Filter, die Gerüche neutralisieren», sagte Roman Dobler, Mediensprecher der Staatsanwaltschaft St.Gallen im Januar. Ausserdem sei es eine der ersten Hanfanlagen gewesen, die tatsächlich nur Industriehanf anbaute.

Bauer bleibt bei seinen Leisten

Für die Staatsanwaltschaft St.Gallen ist der Fall nun abgeschlossen. Nicht so für Bauer Patrik Liechtensteiger. Er baut nun wieder Indoor-Hanf an. Mit Kontrollen der Polizei rechnet er immer. Stichproben seien auf seinem Hof normal. Über die mickrige Entschädigung will er sich nicht beklagen. «Ich lebe damit und mache weiter wie bis anhin», sagt der Bauer.

 

(red)


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