Harter Zweikämpfer, schlechter Ruf, starke Leistungen

Ein wichtiges Element von Portugals Nationaltrainer Fernando Santos: Innenverteidiger Pepe (rechts)
Ein wichtiges Element von Portugals Nationaltrainer Fernando Santos: Innenverteidiger Pepe (rechts) © KEYSTONE/AP/FRANK AUGSTEIN
Portugals Nationalelf überzeugt bei der EM bislang nicht unbedingt mit schönem Spiel und Gala-Vorstellungen. Superstar Ronaldo sucht noch seine Form. Stattdessen führt Verteidiger Pepe das Team an.

Pepe rennt, kämpft, grätscht, reklamiert und bearbeitet seine Gegner: Der portugiesische Verteidiger nutzt bei dieser EM wieder einmal alle Mittel, um die gegnerischen Stürmer zur Verzweiflung zu treiben. Und das mit Erfolg: Portugal steht im EM-Halbfinal gegen Wales, und der 33-jährige Pepe spielt ein starkes Turnier. Der Abwehr-Haudegen von Real Madrid, der vor allem durch seinen Ruf als Schauspieler und fieser Zweikampfer bekannt ist, steht bislang auch exemplarisch für Portugals EM.

Die Mannschaft um Superstar Cristiano Ronaldo und Talent Renato Sanches glänzt bei diesem Turnier noch nicht durch berauschendes Offensivspiel und traumhafte Kombinationen. Vielmehr wurschtelte sich die “Selecção” in die Top 4, gewann von ihren bislang fünf Spielen noch keines über 90 Minuten. Dass sie dennoch erfolgreich ist, daran hat auch Pepe einen gewaltigen Anteil. Statt mit Schauspieleinlagen oder Tätlichkeiten fiel er bislang eher mit starkem Verteidigen und Leader-Qualitäten auf.

“Pepe ist ein echter Anführer unseres Teams”, lobte Trainer Fernando Santos den Verteidiger. “Teams brauchen Anführer, und Pepe macht das fantastisch”, sagte er. Umso bitterer ist es für die Portugiesen, dass Pepe nun für den heutigen EM-Halbfinal gegen Debütant Wales ausfallen könnte. Am Montag pausierte der Abwehrspieler wegen Oberschenkelproblemen mit dem Training – nach Verbandsangaben eine “Vorsichtsmassnahme”, am Dienstag trainierte er allein mit dem Physiotherapeuten.

Pepe polarisiert mit seinem Verhalten auf dem Platz oft, kaum ein Spieler hat so einen schlechten Ruf wie er. Zwar spielt er seit 2007 für Real Madrid und bringt dort konstant gute Leistungen. Doch mit seinen Schauspieleinlagen wie im Königsklassen-Finale gegen Atletico Madrid oder Tätlichkeiten hat er sich viele Feinde gemacht. “Pepe ist ein gigantisches Arschloch”, schrieb etwa Ex-Profi Gary Lineker noch während Portugals erstem EM-Spiel gegen Island auf Twitter. Schon während des Champions-League-Finals hatte er Pepe beschimpft.

Doch so rücksichtslos und arrogant Pepe sich auf dem Platz gibt – privat soll der gebürtige Brasilianer ganz anders sein. Und bei dieser EM glänzt der Familienvater vor allem mit fussballerisch starken Auftritten, war bislang für sein Team sogar oft wichtiger als Superstar Cristiano Ronaldo. Denn der 31-Jährige ist trotz seiner zwei Tore gegen Ungarn bislang noch nicht in Bestform, Coach Santos nahm ihn dennoch demonstrativ in Schutz. “Ronaldo ist ein Beispiel als Captain seines Teams. Er macht einen grossartigen Job und will immer gewinnen”, lobte der Coach.

Viel Kritik musste sich die Mannschaft für ihren Halbfinaleinzug ohne Erfolg nach 90 Minuten gefallen lassen, doch das lässt die Profis bislang ziemlich kalt. “Ich bevorzuge es, hässlich zu spielen und hier zu stehen, anstatt schön zu spielen und schön zu Hause zu sein”, erklärte Mittelfeldspieler Danilo trotzig. Und Pepe versprach: “In früheren Turnieren hat uns die Erfahrung gefehlt, diesmal haben wir alles, was wir brauchen, um das Finale zu erreichen und zu gewinnen.”

(SDA)


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